CD News Oktober 2009

Crazy Cavan & The Rhythm Rockers
Let’s Fu…..‘ Rock
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www.dewstow.co.uk/crazycavancdpage.htm
Crazy Cavan gibt sich rau wie eh und je. Auch hier weicht er keinen Schritt von
seinem üblichen, wiedererkennbaren Sound ab, der sich für ihn und seine Männer
nicht nur gelohnt, sondern auch bewährt hat. Neu ist, zumindest mir, sein Sohn,
den er hier gleich mit ins Boot holt. So ist der Takt immer noch derselbe,
trotzdem unterscheidet sich Cavan’s heutige Musik wohl alleine schon um der
Technik willen von früheren Aufzeichnungen. Gekauft habe ich den Tonträger
bloss für ein Stück: „No Angel Baby“ kommt früheren Hymnen, etwa „Red
Sails In The Sunset“ oder „Blues Stay Away From Me“ nahe. Hier sorgt
Cavan’s träger, lascher Gesang so richtig zum Zuge. Er lohnt sich halt noch
immer, der verrückte Cavan.

Cam Penner
Balsam Fir
Erhältlich bei:
www.cdbaby.com (Sampler)
Web-Seite: www.campenner.com/
Auf Cam Penner’s erste vollständige CD darf man sich freuen. Was er hier, bei
der EP von sich gibt, ist Gold wert. Und wieder zeigt sich einmal mehr, dass
echtes Talent erst dann so richtig zum Vorschein kommt, wenn’s um eine Klampfe
und einen Sänger geht. Mehr braucht’s gar nicht. So hört man denn diesem
Songwriter von Anfang an gebannt zu, wie er von einer alltäglichen Begegnung
erzählt. Deutlich, geradeaus und ehrlich scheint die Musik von Cam Penner zu
sein.

Sam Penner
Trouble & Mercy
Erhältlich bei:
www.cdbaby.com (Sampler)
Als hätte er’s geahnt: Hier die Debüt-CD Sam Penner’s. 11 Songs eines typischen
Americana-Songwriters.

Various
A Tribute To Butch Baldassari
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www.cdbaby.com (Sampler)
Manchmal sind CD’s mit verschiedenen Interpreten eine Offenbarung. Bei jenen
Tonträgern kann man zumindest mit ein paar Überraschungen rechnen. Gefallen sie
nicht, wie hier z.B. das Eröffnungsstück, „River Sound“, darf man
gleichfalls mit gelungenen Verwirrungen rechnen. Und manchmal spielt’s auch
eine Rolle, wem das Tribut gewidmet ist. Hier, etwa. So ist Butch Baldassari’s
Musik ohnehin nicht von der leichten Sorte, ziemlich jazzig, modern würde ich
sagen. Zumindest für Bluegrass. Atemberaubend gelungen finde ich dessen
ungeachtet „Veglia E Sona“, „Two Of Us“, „Doug’s Waltz“
(Hut ab vor dem Mandolinen-Spieler), „The Gift“ oder „Stealin‘“.
Die Stücke auf dem Tonträger sind mal instrumental, mal gesungen. Über die
verschiedenen Interpreten liegt leider keine Information vor. Mein Tipp: Reinhören.

John Guedry
Front Porch Reflection
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Auch John Guedry ist einer, der seine Gedanken weit schweifen lässt…. Von der
Veranda aus, scheint es. Dabei begleitet er sich ‚mal nur auf der Gitarre, mal
fällt die indianische Flöte ein, mal eine Mandoline, sogar ein Cello macht man
aus. „If I Had You“ zeigt den Sänger John Guedry von der besten Seite –
im Duett. Ein schönes Liebeslied hat er da komponiert, der Mann. „Pine
Island Bayou“ lässt keine Cajun-Musik aufkommen, sondern ist eine
Mandolinen-Old-Time Melodie. Toll, wie der Mann der Mandoline eine Sprache
verleiht, die jeder versteht. „Guardian Angel“ ist von Tex Mex
beeinflusst. Ein sentimentales, schwermütiges Stück. Bei „How I Came to Be“ macht
John mit zerbrechlicher, manchmal nicht ganz in der Melodie befindlichen Stimme
klar, dass er Cajun nur bis hier hin vertragt hat. „Wisdom Is Oft Hard
Gained“ passt nicht zum Interpreten, zumal diese unausstehliche elektrische
Gitarre und das auffallende Schlagzeug machen nichts her. Ein Lückenfüller.
„I Don’t Give Away Rainbows Anymore“ ist ein Songwriter-Meisterstück. Nach
wie vor faszinieren mich Menschen, die mit wenigen Worten so viel ausdrücken
können. Mit wenigen Worten spielen, das ist das Geheimnis eines grossen
Songwriters. „Keep Your Light a Shining/I'll Fly Away“ macht einen
gelungenen Abschluss und gibt all jenen Hoffnung, für die’s nichts mehr zu
hoffen gibt.

Art & Lisa
Learning To Breathe Again
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Tja. Es gibt auch Texaner, die viel können, wie diese zwei hier und alles durch
ein Schlagzeug weghämmern lassen. Bei der Sängerin bleibt die Spuke weg, wenn
sie mit Art im Duett singt, kommt Freude auf – und der blöde Drummer macht einmal
mehr alles zunichte.
Ich hoffe, diese zwei treten live ohne Schlagzeuger auf. Ansonsten würde ich in
ihrem Fall einen Umzug ins Auge fassen…die Music City passt besser zu dem Duo
als Texas.

Various Artists
Pick At Honx
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Eine verrückte Zusammenstellung, absolut irre. Dabei fängt alles mit typischer
Old Time Musik an. Aber dann….“Hey, Mr. Starlight“ trieft vor
Aggression, Rebellismus, Südstaaten-Rock und nun ja Zerstörungswut. Ein
ziemlich greller Cow Punk. „Drinkin“ Blues“ ist ein typisches
Wayne-Hancock (oder Hank Wiliams sen .) Stück. Genial. Hierauf folgt ein
unglaublich schneller Old Time/Bluegrass-Titel. „Seeds Of Night“ ist –
ja was – wie ein zartes Chris Isaak-Stück. „For Today“, eine
Hillbilly-Nummer, ist total ehrlich und sehr verletzend. „Dark Clouds“ erweist
sich als bluesiger Bluegrass-Titel. Unglaublich stark. Mit nichts zu
vergleichen, verminderte Akkorde setzen dem Ganzen noch eine Krone auf. „Made
In The Shade“ läutet Cajun ein.
Die ganze CD scheint, als hätte da jemand sämtliche US-Staaten bereist und dort
die irrsten Americana-Gruppen auf Band festgehalten.
Absolut
Klasse, dieser Tonträger. Alleine dem Produzenten (in Oregon) gebührt ein
Award.

Jerry Webb
There’s A Song In That
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www.cdbaby.com (Sampler)
Zugegeben, das Muster, an das sich traditionelle Künstler wie Jerry Webb
halten, ist einfach gestrickt. Sämtliche Lieder handeln von Abschied,
gebrochenen Herzen, Verlust en gros. Aber: Man muss all das empfunden haben, um
diese Musik zu verstehen. Und zu mögen. Und der Stil bedankt sich: Manchmal
spricht er für uns, die Liebhaber der ursprünglichen, echten Country-Musik. So
auch hier. Wobei es Interpreten gibt, die echter klingen. Einmal mehr müsste
das Schlagzeug zurückhaltender sein. Der Hall, mit dem die CD beginnt und der
den Original-Aufnahmen einst eigen war, geht schon beim zweiten Stück
vergessen. Und tatsächlich wird bereits beim dritten Mal klar, dass hier zwar
wieder einer ist, der sich für den klassischen Country-Stil ausspricht, ihn
aber nicht einhält. Er ist sicherlich laut, nicht nur hier, auf den Sampler,
sondern auch live, der Jerry Webb. Und: Ob Ihr’s nun wollt oder nicht: Das
Geheimnis eines guten Musikers ist, dass er keine Lautstärke braucht, um gehört
zu werden.
Fazit: Auch Jerry Webb aus Texas glaubt an ‚Altbewährtes‘ = Besser laut, als
leise.

Those Poor Bastards
Abominations
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Gibt’s abstrakte Country-Musik oder Grunge-Country Musik? Nicht? Dann haben die
Poor Bastards jene soeben erfunden. Mich gruselt’s echt beim hören des erste
Stückes. Halloween ist zwar nicht mehr weit, doch ….. solche Musik kann ich nur
bei Licht ‚geniessen‘. Und ob ich sie geniesse, ist bereits die zweite Frage.
Genauso schräg, wie das Cover aussieht, kommt auch die Gruppe einher. Also ich
weiss nicht, ob ich das mag, was ich da höre. Und ob dieser Sound in die
Country-Musik gehört, wage ich zu bezweifeln. „Alt-Country“ nennt es Crazy
Baby. Ich würde her auf Punk tippen. Mit „The Party Is Over“ schliesst
sich das Kapitel um den neuen Tonträger der Poor Bastards. Und die Band gibt
noch einmal alles. Keine Ahnung, was es ist. Aber ich mag’s echt nicht sehr.
Für jede Gothik-Party oder jeden Grusel-Film eignet sich der Sound der Poor
Bastards aber ausgezeichnet.

Ross Nickerson
Let’s Kick Some Ass
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Dass Blue Highway mit diesem Tonträger irgendwen in den Hintern treten,
bezweifle ich nicht. Obwohl ich die Instrumentierung bewundern muss, ist mir
die CD zu modern. Progressive Bluegrass-Musik der Meisterklasse, sozusagen.
Instrumental. Nicht mal „Don’t This Road Look Rough And Rocky“ liess man
den ursprünglichen Charme (lang lebe Emmylou’s Version). Wem’s gefällt? Mir
nicht.

Jeff Randall
Welcome To Sleepytown
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Der Name seiner CD täuscht. Schläfrig wird man bei Jeff Randall überhaupt
nicht. Sein Skiffle-Sound ist faszinierend, seine erste Nummer verwirrend. Aber
irgendwie glaubt man an den Jungen. Und siehe da: Spätestens bei „Dark
Horse“ geht man mit dem Rhythmus mit. Schon komisch. Diese Stücke würden
gut in einen Jim Jarmusch-Streifen passen, so schräg, so unheimlich und doch
absolut faszinierend sind sie. Den Stil festzulegen hiesse, Berge zu versetzen.
Darum nur so viel: Jeff Randall weiss um die Magie des Taktes. Und setzt die
gekonnt ein. Und selbst wenn man damit rechnet, dass Jeff Randall irgendeine
Note anstimmt, täuscht man sich. Die Nummern sind instrumental. Aber deshalb
keineswegs langweilig. Folk-Musik (mit Mundharmonika) vom Feinsten.

The 484 South Band
Mississippi Nights
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Wer davon ausgeht, dass Mississippi Nächte träge und bedächtig sind, den
belehren diese Jungs schnell eines Besseren. Unglaublich raue, unglaublich
rockige Country-Musik. Orgel inklusive.

Durwood Haddock
Hanks A Lot
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Eine originelle Idee hat Durwood Haddock da umgesetzt. Denn: Es gab nicht nur
einen Hank (na ja, für einige schon). Es gab nicht nur Hank Williams, es gab
auch Hank Snow, Hank Thompson und Hank Locklin. An die Songs dieser Interpreten
hält sich Durwood. Wobei vorauszuschicken ist, dass es käumlich jemanden gibt,
der an die drei – zumindest an Hank W. heranreicht. Doch Durwood macht das
Manko durch Originalität wieder wett. Da, wo seine Stimme nicht mehr mithält,
lässt er geschickt die Gitarre das Solo übernehmen. Klever gemacht, deshalb
durchwegs sympathisch. Zudem ein gelungener Einblick an die Songs der 3
Künstler.

Dan Seals
In A Quiet Room, Vol. 1 + 2
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Diese 2 CD’s beweisen, dass auch durchwegs moderne Country-Stücke akustisch
vorgetragen, gut klingen können. Dafür sorgt nicht nur Dan Seals tadellose
Stimme (die sich zu unglaublichen Höhen aufschwingt), sondern auch das
ausgezeichnete Fingerpicking.
Für jene, die mit Dan Seals vertraut sind: Hier sind seine besten Arbeiten
akustisch erhältlich.

Lee Watson
Northern Track
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Lee Watson ist ein traditioneller Bluegrass-Sänger. Ein guter Interpret jener
Herz-Schmerz-Stücke, die ich so sehr mag. „To The End Of The World“ etwa
entspricht mir völlig, auch wenn der Gesang hier nicht so stark ist, wie beim
Eröffnungsstück bzw. der Titelmelodie. Und je länger man dem jungen Mann
zuhört, desto enttäuschender wirkt er. Dabei kann ich nicht mal sagen, was mir
fehlt. Bei Stücken wie „Troubled Road to Travel“ beweist sich Lee wieder.
Vermutlich ist der Interpret schnellen Song schlichtweg mehr zugetan. Doch
auch bei „Can We Fall In Love Again“ versagt Lee nicht mehr. Zurück
lässt er Zweifel an meiner Urteilsfähigkeit und auch leise Zweifel an ihm
selber. Schlimm ist, dass ich sie nicht mal benennen kann.

Mountain Fever
Feels Like Comin‘ Home
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www.cdbaby.com (Sampler)
Ich weiss nicht, ob ich diesen Mann für seine zarte, zerbrechliche Stimme ablehnen
kann. Denn die Songs, die er sich aussucht, sagen mir zu. Bei „Morning In
The Mountains“ erweist sich auch die weibliche Sängerin nicht gerade als Patsy
Cline, doch ihre Stimme ist glasklar sprich: Lupenrein.
Alles in allem eine entspannte, leise, beinahe zärtliche CD. Absolut gelungen
deshalb, weil sich die Sänger nicht überstrapazieren.
CD Baby bezeichnet den Stil als progressive Folk-Musik. Ich höre den
Appalachen-Sound, etwas Bluegrass und ein bisschen Keltik ‚raus.
So oder so: Der Tonträger ist gefällig und eignet sich ausgezeichnet für
besinnliche Stunden.

The Oak Ridge Boys
The Boys Are Back
Erhältlich bei:
www.cdbaby.com (Sampler)
Welch eine Überraschung! Die Oak Ridge Boys sind zurück! Ich kann mich noch
erinnern, wie ich den Mann aus den Bergen an der Fan Fair vor seiner Blockhütte
ausmachte (ja, er hatte tatsächlich eine Blockhütte als Stand.). Und nun sind
sie also zurück. Wer auf den Nashville-Sound steht, wird sich heimlich fühlen.
Mir persönlich wird übel.

Yampa Valley Boys
The Christmas Trail
Erhältlich bei:
www.cdbaby.com (Sampler)
Die Yampa Valley Boys bieten die erste Weihnachts-CD der Season, über die ich
stolperte, an. Ihr Sound hält sich an die der einstigen Western-Filme. Mit
dabei: Stille Nacht („Silent Night“), aber auch das unausstehliche „The
Twelve Days Of Christmas“, (hier: The Twelve Days of Cowboy X-mas) ein
Stück, das nur für Cajuns verständlich scheint.
Die CD zeichnet sich durch Banjo, akustische Gitarre und den glasklaren Gesang
der Valley Boys aus.

The Howdies
Made with Pure Lightning!
Erhältlich bei:
www.cdbaby.com (Sampler)
Ne. Sie geben mit ihrem CD-Titel nicht an. Sie halten ihr Versprechen, wie man
bald bemerkt, hört man in die CD der Howdies rein. Astreiner
Mundharmonika-Blues wechselt sich mit Rock’n’Roll und rassigem Rag ab. Das
Fundament der Howdies baut jedoch auf Blues auf, behaupte ich mal. Dafür
spricht auch die typische, hochrangige Blues-Harp. Eine tolle CD, jedoch nur
für Freunde des Blues.

Jo Miller & Her Burly Roughnecks
Live and Then Some
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Web-Seite: http://www.myspace.com/jomillerandherburlyroughnecks
Schon komisch. Manchmal trifft man auf „alte Bekannte“, ohne dass man sie
gesucht hätte. Kürzlich stellte ich die neue CD von Laura Love vor. Die vor
Jahren meine Lieblings-CD mit Jo Miller aufgezeichnet hatte. Hier also nun Jo
Miller mit ihrer eigenen Band, den Burly Roughnecks. Eines haben die zwei
Ladies gemeinsam: Beide machen „normalerweise“ keine Bluegrass-Musik.
Eigenartig, dass sie sich in diesem Stil zusammenfanden. Hier, bei ihrer
eigenen CD, gibt sich Jo Miller als vielseitige Künstlerin aus. So eröffnet sie
ihren Tonträger mit Western Swing. Inklusive Akkordeon, wohlgemerkt. Und weiter
geht’s mit der Handorgel – diesmal winkt Rockabilly mit Blues-Einschlag. Dem
folgt Hillbilly pur, erneut abgelöst von Western Swing…und so weiter…..Jo
Miller zückt jedes Register, das die traditionelle Country Musik zu bieten hat.
Und das ist nicht wenig. Dabei zeigt Jo jeweils, was sie als Sängerin drauf
hat…..ebenfalls erstaunlich viel, denn an ihrer starken Stimme können sich nur
wenige messen. Für mich war „A lover's Question“ ziemlich amüsant. Ich
kenne das Stück nur von Rocky Sharpe. Und die bringen’s besser als gut. Jo
Miller kennt entweder jene Version nicht oder diese lässt sie kalt. Hier hat
sie eine ganz, ganz andere geschaffen. Sagen wir mal: Eine viel
anspruchsvollere. Aber ehrlich gesagt, mag ich jene von den Rockies lieber.
Obwohl ich an ihrem Gesangstalent nicht zweifle, klingt die Lady – wohl
gewollt, als bewege sie sich leicht unter und über der Melodie. „Skull And
Bones“ ist ein extrem starker Rockabilly…mit Geschrei, einem
ausserordentlich gewichtigen Kontrabass (wie er eben sein muss) und sparsamer,
aber klever eingesetzter Gitarre. Mit „Blue From Now On“ wagt sich die
Lady auf ihrer CD erstmals an ein sentimentales, beinahe deprimierendes Stück.
Und erstaunlicherweise betört sie auch hier. Und erstaunt. Bei ihrer
Bluegrass-CD mit Laura Love lag das Gewicht auf traurigen, getragenen Stücken.
Hier, auf ihrem eigenen Tonträger, versteift sich die Lady – leider – auf
vorwiegend rassige Nummern. Auf den Geschmack gekommen, doppelt die Sängerin mit
dem bekannten „There Goes My Heart Again“ gleich nach. Dieses Stück
hörte ich erstmals von Heather Myles. Und auch jene bringt’s extrem gut. Doch
bei Jo kriegt das Stück einen ganz anderen Reiz, durch das Akkordeon schleicht
sich unwiderstehlicher Tex-Mex ein. Als ob sie’s bereuen würde, kehrt Jo
schnell zu Western Swing zurück. Zu zwei Western Swing Nummern, um genau zu
sein. „Imperial Mansion on the Hill“ ist ein smarter Titel, die Nummer einer
Lady die mit ihrem Mann prahlt. Ein ironischer Song, also. „High Noon“
macht das Schlusslicht. Und kein schlechtes. Die Lady aus Seattle tischt am
Ende noch einmal Rockabilly auf. Alles in allem eine geniale CD mit lediglich 3
Titel, auf die man verzichten könnte.

Darren Beachley
Sad songs & Sunday mornings
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Web-Seite: http://www.myspace.com/darrenbeachley bzw.
http://darrenbeachleyband.tripod.com/
Wenn man Darren so betrachtet, kommt automatisch das Gefühl auf, dass es sich
hier um einen Könner handelt. Und: Man wird nicht enttäuscht. Enttäuschend ist
höchstens, dass er seine CD nicht traurig, sondern rassig und temperamentvoll
eröffnet. Aber qualitativ sehr, sehr hochstehend. Bluegrass Musik, die vor Güte
nur so strotzt. Jene beginnt bei Darren’s starker, ja beinahe protzender Stimme
und endet beim unglaublich schnellen Mandolinen-Spieler. Das nächste Stück
könnte von Terry Eldredge sein, so schön ist es und so perfekt gesungen.
Unglaublich. In Wirklichkeit ist „I Love You To The Moon And Back“ ein
Renner. Ein Hitparaden-Stürmer der Extraklasse. Da bleibt Bluegrass-Liebhabern
das Herz stehen. Wow – die Lady, die DIESES Stück verdient, möchte ich sehen.
Ne, lieber nicht…..man wär‘ vielleicht enttäuscht. Denn: Wer so singt, verdient
nur das Beste. Doch Darren scheint nicht viel von Sentimentalität oder Romantik
zu halten. Schnell wechselt er das Tempo. Bei „That’s As Close As Lonesome“
kann ich nur den Text nachvollziehen. Dass Darren es wohl eher auf jene Leute
abgesehen hat, die auf schnelle Bluegrass-Nummern stehen, wird allmählich
offensichtlich. „Daddy’s Chair“ ist denn wieder traurig, ja beinahe
zerbrechlich geworden. Also: Wenn Darren seine CD so aufbaut, dass er jeweils
zwischen rassigen und getragenen Stücken abwechselt, hör‘ ich nur noch in jedes
zweite Stück rein…..“Coal Miner’s Dream“ hat wieder den keltischen
Touch, den ich so mag…..“Other Side Of The Cell“ ist ein Traum. Ein wunderschöner. Okay. Ich hab‘ meine drei Favoriten: „I Love
You To The Moon And Back“ und „I Thought I Heard You Callin‘ My Name“ und
„Other Side..“. Alle drei sind getragen, zeigen
Darren’s tolle, bezaubernde, ja atemberaubende Stimme am deutlichsten und am
eindrücklichsten auf. Unglaublich, dieser Junge. Ein Live-Auftritt Darren’s
muss faszinierend sein.

Billy Yates
Bill’s Barber Shop
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Entführt wer den Schlagzeuger von Billy Yates Band, bitteschön? Dann wär‘
seine Musik, eine wohlgemerkt traditionelle Country Musik, nämlich geniessbar.
So aber, wenn der Drummer beinahe lauter ist, wie der Sänger, wird‘s
unausstehlich. Gut nur für Line-Dancers, die um den Beat nicht herumkönnen.

Hard Pressed
In A Different Time
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Eigentlich traurig, wenn man von einer anderen Zeit sprechen muss, will man so
gute Old Time Musik vortragen, wie diese Band hier, oder? Dabei stimmt einfach
alles: Der trockene Gesang der Lady, die bewusst spärliche Begleitung –
sympathisch stellt man sich Hard Pressed vor. Einen Höhepunkt macht das
Titelstück, „In A Different Time, ein getragener Titel, ästhetisch durch
die Harmonien, den Waltz, die Fiddle. Das Ambiente dieser Nummer transportiert
den ganzen Tonträger in ungeahnte Höhen. Aber die CD hält noch andere
Rohdiamanten bereit: In „Wallflower“ brilliert das Duo einmal mehr. Neu
ist jedoch das Dobro, das eine ganz spezielle Atmosphäre zaubert. Ein schönes
Liebeslied. Auch „When The Sky Returns To Winter“ zeigt sich
geschmackvoll. Allerdings erreicht hier die weibliche Stimme nicht ganz die
gewollte Tiefe….Die Schlussnummer, „Dog Tales“ startet getragen,
entwickelt sich jedoch zum Wirbelwind und lässt die Beine noch einmal im Old
Time-Stil hüpfen.

Los Terribles De Tijuana
Tijuana Prison Blues
Erhältlich bei: www.amazon.de/Tijuana-Prison-Blues-Los-Terribles/dp/B001Q33T4O
Web-Seiten: www.facebook.com/terriblesdetijuana bzw.
Alte CD (Cerveza Por Favor! Mit „Ring Of Fire“) bei: http://musik.ciao.de/Cherveza_Por_Favor_Los_Terribles_De_Tijuana__2323595
Diese Band haben wir am Rockabilly Bombardement in Hohenems genossen.
Vorderhand mag ich eh Gruppen, deren Outfit aufeinander abgestimmt ist. Also
hatten die Jungs aus Bella Italia schon einen Pluspunkt, als ich sie auf der
Bühne sah. Speziell das Vaquero-Outfit des Sängers hat’s mir angetan (im Netz
z.T. über $1‘200). Der Rest der Band war im Mariachi-Stil gekleidet. Passend zum
Musikstil der Bandidos. Lüpfig, abwechslungsreich und sonnig. Wie Mexiko, halt.
Oder Italien, wenn Ihr so wollt. Das Ensemble besteht aus zurückhaltendem
Schlagzeug (toll!), einer Trompete, Gitarre und Kontrabass. Und abgesehen
davon, dass man nicht weiss, wem man die Sympathien vergeben soll, kann man
nicht darüber hinweg, sich bei der Mariachi-Musik der Los Terribles einfach nur
wohl zu fühlen.
Auf ihrer neuen CD machen sich die Mariachis nun über Songs von Bill Haley,
Johnny Burnette, Elvis Presley und Hank Williams („Jambalaya“) her.
Wobei ich an diesem Festival sehr viele Cash-Songs zu hören kriegte und mein
Bonus eigentlich an die Maggio Brothers gehen sollte („Ring Of Fire“),
vergebe ich ihn bedenkenlos an die Boys hier. Für die gute Stimmung, die Lacher
und den Kontakt zu den Fans, den sie nach dem Konzert bedenkenlos aufnahmen.
Mein Anspieltipp: „Lonesome Tears In My Eyes“.
Viva Italia!!!

Harold Morton
Off The Wall
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Selbst „Yellow Rose of Texas“ klingt, akustisch vorgetragen, fein und
zart. Und so geht’s weiter. Mit vielen bekannten Nummern, etwa „Wayfaring
Stranger“ oder „Going Down The Road Feelin‘ Bad“. Einfache, jedoch
bezaubernde Stücke durch eine unauffällige, angenehme Stimme begleitet.
Allerdings sollte man das gelungene Fingerpicking nicht unterschätzen. Sicher
kein Tonträger für die grosse Party, die morgen vor der Türe steht. Aber eine,
die evt. den Kater danach etwas besänftigt.

Idletymes
Another Tyme
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Web-Seite: www.idletymesband.com/
Bei Idletymes handelt es sich um eine singfreudige, auf Harmonien und perfekte
Instrumentierung konzentrierte Bluegrass-Truppe. Das zweite Stück, „I’m Over
You“ hat mich etwas aus dem Konzept gerissen. Vom Gesang her gehört der
Titel zur Nashville-Hitparade. Von der Instrumentierung her entdecke ich etwas
Blues (lustigerweise geht dieser ausgerechnet vom Banjo aus). Ich als
Nashville-Unkundige glaube sogar, dass es einen solchen Titel gibt. Okay. Jetzt
auch in einer Bluegrass-Version. „January Snow“ passt eher in mein
Jagdrevier. Doch wieder klingt der Sänger nach der Music City. Das A Cappella
Stück „My Rock“ zeigt die Gruppe in einem ganz neuen Licht. In einem,
das ich mag und bewundere. Für mich sind solche Nummern stets unerwartete
Höhepunkte, wagen sich doch nur Könner dran. Dafür dürften sie ja auch mit der
Faszination der Zuhörerschaft rechnen. „Another Time“, das Titel-Stück, ist
ein mutiges Lied, das nach Vorne blickt. Und zurück. Ich mag, wie es beginnt.
Zuerst das ‚tropfende‘ Banjo, dann die Fiddle, die den einsamen Monolog noch
einmal auf ihre Weise wiederholt – bis der Sänger einstimmt. Echt gut gemacht.
Dessen ungeachtet ist „Somewhere Between“ DER Titel auf der CD, der mir
absolut entspricht. Und derjenige, weswegen ich das Album kaufen würde. Aber
auch „Three Rusty Nails“ mit den verminderten Akkorden, die mich ein kleines
bisschen an Gene Clark erinnern, kommt meinen Erwartungen sehr nahe. Die Band
schliesst ihre Arbeit mit „Little White Church“, einem rassigen
Bluegrass-Gospel. Fazit: Eine angenehme, vielfältige CD.

Rockin‘ Bonnie
Cocktail Jubilee
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Hat schon einer beobachtet, dass in letzter Zeit viele Frauen von sich reden
machen? Zumindest in der Rockabilly-Szene, die lange Zeit den männlichen
Künstlern vorbehalten blieb – mal abgesehen von ein paar Ausnahmen (Wanda
Jackson, Janis Martin, etc.). „Bell Bottom Boogie“, mit dem die CD
startet, haut mich kaum vom Hocker. Ein typischer Rock’n’Roll, weder gut, noch
schlecht. Da ist das nachfolgende „Gotta Honky Tonk“ von einem ganz
anderen Kaliber. Leider besitzt das Mädchen wie viele andere Ladies (und Lads)
eine eintönige, nicht über viele Oktaven reichende Stimme, die dem ganzen einen
etwas langweiligen Touch verleiht. Schade. Was jedoch hervorsticht, ist das
Barrelhouse-Piano. Okay. Dieses hat mich von jeher fasziniert. Ich finde es
auch schade, dass nicht mehr Rockabilly- und Country-Bands auf den Saloon-Stil
zurückgreifen, der den Goldgräber-Zeiten eigen war. „Kitty Kat Corner“
ist ein Stück, wie man’s von einer, entschuldigt, Zicke erwartet, die sich um
nichts anderes als ihr Aussehen kümmert. „All Of This“ macht alles
zunichte. Wie kommt die Frau drauf, plötzlich sanfte Töne anzuschlagen und dann
noch instrumental? Na ja. Wem’s passt…. Das Barrelhouse-Piano rückt jedenfalls
ins Rampenlicht. „I’m Hurtin‘ Again“ ist ein Rockabilly-Rocker, bei dem
sich der Kontrabass, die Gitarre und das Barrelhouse-Piano ein Duell liefern. „I
Start Messin‘ Around“ erweist sich als rassiges Duett. Da zeigt die junge
Dame unerwartete Grösse, sodass man eigentlich die ganze CD noch einmal anhören
müsste, um ein faires Urteil abgeben zu können. Denn dieser Titel ist purer
Rockabilly der Extra-Klasse.

Trent Miller & The Skeleton Jive
Cerberus
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
So düster die CD aussieht, so klingt sie. Vor allem der junge Trent klingt
schwarz. Und auch bei den seltenen, positiveren Stücken klingt er nicht gerade
nach Eitel Sonnenschein. Selbst die Mundharmonika, die ich so noch nie gehört
habe, klingt eintönig und traurig. Da ich Menschen mag, die sich nicht hinter
Spass verkriechen, den sie so gar nicht empfinden, bin ich Songs wie „Bones
Of Milk“ äusserst zugetan. Es ist jedoch nicht nur das Düstere, das
fasziniert. Auch die Kreativität, die Bedachtsamkeit, um nicht zu sagen
Trägheit und ja, auch die Zärtlichkeit achte ich. Dabei zeigt sich Trent mit
seinen Männern akustisch, lasch, aber ehrlich. Manchmal muss ich mir zwar ein
Lächeln verkneifen, manchmal bin ich gar ein bisschen bestürzt, doch ich mag
den Sound des Songwriters mit seinen Ecken und Kanten. Townes Van Zandt klang
oft ähnlich. Ehrlich gesagt, bei solchen Künstlern wäre man zu Tode
erschrocken, würden sie urplötzlich fröhliche Stücke anstimmen.

Darrell McCall
„A Way To Survive“ / „All She Did Was Fall In Love“
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Und hier ist der Mann mit der wunderbaren Stimme wieder. Und dem wunderbaren,
traditionellen Sound……Sorry, aber ich bin weggeschmolzen, bevor ich diese
Kritik fertigschreiben konnte…….
Mein Tipp: KAUFEN!!!!!!! Wer auf Webb
Pierce, Wynn Stewart, etc. steht, kann gar nicht anders….Und die Steel-Gitarre
ist nicht der einzige Grund hierfür…Ach, würden die Männer aus Texas doch alle
so klingen!!! (Die aus Nashville kriegen’s eh‘ nicht gebacken).

Mark Ambrose
Troubadour
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Wie’s der Name schon besagt, handelt es sich bei Mark Ambrose um einen
Troubadour. Einen Geschichtenerzähler, also. Einem, dem man zuhören sollte. Allerdings
muss man dafür Englisch können, sonst machen seine Sprechgesänge keinen Sinn.
Mark ist zwar kein guter Sänger, aber ein ausgezeichneter Erzähler und seine
Mundharmonika im Dylan-Stil passt ausgezeichnet zu seinen Geschichten. Alles in
allem zeigt Mark einen mutigen Einblick in seine Seele. Allen, die ihn
verstehen.
Mir gefallen solche Stücke wie „Out of Control“, die im
Mississippi-Blues-Stil gehalten sind. Die sind klasse.

Fred Couvrette
Just For Tonight
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Wer Country Jodel mag, fühlt sich hier vom ersten Moment an zu Hause.
Allerdings erweist sich Fred Couvrette meines Erachtens nicht so gut im Singen
wie beim Jodeln. Mit „The Auctioneer“ hat er sich ein äusserst
schwieriges Gesangsstück zur Brust genommen. Das er zwar meistert, aber nie so
gut, wie der Original-Interpret, Leroy Van Dyke. Dieses Stück gehört übrigens
einfach in jede Sammlung eines Western-Swing Fans. Aber das Original,
wohlverstanden. Die Songauswahl ist gut, jedoch nicht dem Können von Fred
Couvrette’s Stimme angepasst. Oftmals scheint er sich schlichtweg zu
überschätzen. Na ja. Mittelmässig, höchstens. Was wieder einmal zeigt, wie gut
man sein muss, will man den traditionellen Country-Song so perfekt wie Darrell
McCall verkörpern.

Rick Wayne Sprague
Acoustic Train Wreck Vol. 1
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Web-Seite: www.myspace.com/rickywaynesprague
Heute noch hat Steve Earle unzählige Nachahmer. Auch Rick Wayne Sprague macht
da keine Ausnahme. Nur ist er noch ein wenig rauer. Ich denke, an dem Mann
gibt’s nicht viel, das gerade ist. Alles scheint krumm und verwinkelt zu sein.
Der typische Macho-Mann, halt. Doch Rick’s Stil ist gerade das, was anzieht,
was neugierig macht. Und man fühlt sich bestätigt, nicht etwa enttäuscht, wenn
man ihm zuhört. Sein Album besteht aus gefälligen Stücken, die zwar spärlich
und akustisch instrumentiert, qualitativ aber hochstehend sind. Entspricht
Steve Earle ‚acoustic style‘. Von dem er sich aber in aller Deutlichkeit
distanziert. Klasse.

Speedbuggy USA
California Country Revival
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Web-Seite: www.speedbuggyusa.com/
Speedbuggy USA belehren mich eines Besseren. Hinsichtlich Schlagzeug kann (und
vor allem: darf) auch ein Snare-Drum laut sein. Zumindest dann, wenn’s um
Speedbuggy USA geht. Diese Band dürfte jede Party bereichern. Nicht nur mit
ihrem beinahe aufdringlichen, einnehmenden Sound, sondern auch mit ihrem
leidenschaftlichen, rebellischen Gesang. Elektrik trifft Akustik. Grossartig
und nirgendwo einzuordnen. Aber trotz allem eher auf der traditionellen
Country-Musik Seite.

Three Bean Salad
Reeis & Fakes
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Wer Old Time Musik mag, kann an dieser Band einfach nicht vorbei gehen. Three
Bean Salad zeigen sich hier ausgesprochen keltisch und instrumental. Dennoch
wirkt ihr Sound nie langweilig. So verfolgt man denn jede Fiddle-Note, jeden
Mandolinen-Schlag voller Entzücken. Die Nummern sind mehr oder minder alle
unglaublich schnell. Und ganz, ganz toll. Mit von der Partie: Cajun, Finnische
Polka und One-Steps. Abwechslungsreich und unterhaltsam.

Dough & Telisha Williams
Ghost Of The Knoxville Girl
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Wem’s unklar ist: The Knoxville Girl war ein bekanntes Louvin-Brothers Stück.
Ein Mörder-Stück. So viel zum Voraus.
Nun zu Telisha Williams, der Sängerin. Meiner Meinung nach hat vor Jahren Angel
Dean diesen Gesangsstil entwickelt, dem das Mädchen hier folgt. Kann sein, dass
es damals andere gab und Angel lediglich kopierte. Schon möglich. Dennoch:
Angel war die Erste, die ich so singen hörte. Und derem Gesangsstil ich
verfiel. Denn Singen, Leute, heisst heute, dass man jeden Atemzug hört. Ja,
dass man DANN singen kann, wenn’s so ist. Heute bedeutet Singen, dass man die
Noten fallen lässt, die man ansonsten ziemlich sicher nie halten könnte. Dieses
Mädchen hier belehrt Euch eines Besseren. Sie hält da aus, wo andere schlapp
machen würden. Okay, bei „If My Heart“ zeigt sie sich auch von der vorgenannten
Seite – leider. Doch ansonsten hält sie durch. Und zeigt ein erstaunliches
Stimmvolumen. „Learning To Drink Whiskey“ ist ein Meisterstück. Kann man
tiefer empfinden oder sich noch gelungener ausdrücken? Wohl nicht. Wobei auch
Dough Williams zwischendurch seinen Teil zum Gesang beiträgt…..selten genug,
finde ich. Bei „Last Call“ wird deutlich, dass das Paar noch etwas
Unterstützung bei den Harmonien benötigt, bzw. noch ein wenig üben muss, um sie
perfekt hinzukriegen, aber das kommt schon noch, davon bin ich überzeugt. Ist
auch schwierig, eine solch starke weibliche Stimme in den Hintergrund zu
rücken. Umgekehrt funktioniert’s besser, was „Go, Go, Go!“ beweist.
Schon eigenartig. Das Stück zeigt gleich deutlich (mit Worten) auf, was den
Unterschied zwischen Texas und Tennessee ausmacht. Mit „Riner“ klingt
die CD aus, Ein gekonntes Stück Arbeit.
Bruce W. Ford
Gator Clubbin‘ Society
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Wie’s der Name schon ahnen lässt, handelt es sich hier um ein Gumbo mit Cajun
angereichert. Aber so einfach macht es einem Bruce W. Ford nicht. Er zeigt im
Vordergrund vor allem seine Songwriter-Qualitäten, ruft zu guten Taten auf, zum
Hoffen und zum Warten. Damit gibt er eigentlich schon Preis, was einen Cajun
ausmacht: Die Freude am Leben. Die zeigt sich hier gleich mehrfach. In jedem
einzelnen Song nämlich. Akustisch vorgetragen, zurückhaltend und sanft
gesungen, hat Bruce hier ein schönes Werk geschaffen. Ein ruhiges aber, mit
vielen Höhen und keinen offensichtlichen Tiefen. So erstaunt es denn nicht
weiter, dass das zweitletzte Stück denn auch John Denver’s „Leaving On A Jet
Plane“ macht. Und diesem jungen Mann glaubt man jedes einzelne Wort, auch
wenn John’s Gesangsqualität fehlt. Zum Schluss wird der Künstler denn auch noch
politisch: „Willie Has Gone To War“ ist ein trauriges Stück über einen
Soldaten, der eingezogen wurde und nun einen verlorenen Kampf kämpft. Der
Sampler erweist sich aber als Instrumental-Nummer. Fragt sich, ob der Gesang
noch kommt, oder es bei der Vorstellungskraft des Zuhörers bleiben soll. Wäre
eine ganz originelle Idee – doch ob die ankommt?
The Cody Mountain Boys
Your All-Time Favorites
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Normalerweise halte ich nichts von Coverversionen. Ich finde, die Qualität
einer Band zeigt sich nicht zuletzt in ihrem Songwriting. Doch schon wieder
scheine ich mich zu irren. Was die Jungs hier vortragen, ist Können pur.
Cody startet mit „Take this Hammer“ und steigert sich bis zum
obligaten „Sittin‘ On Top Of The World“.
Dabei
ist die Band so traditionell, dass sie glatt aus den 50er Jahren stammen
könnte. Interessant wird sie für mich jedoch erst bei den langsamen Stücken, so
bei „Think Of What You’ve Done“. Den Test bestehen sie leider nicht.
Zumal der Lead-Sänger nicht. „One Tear“ ist nicht viel besser. Dafür
überzeugen die Cody Mountain Boys bei den rassigen Stücken zweifellos.

The High Rollers
Welcome, The High Rollers
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Der Name klingt zwar eher nach einer Rockabilly-Formation, doch bei den High
Rollers handelt es sich um ein traditionelles Bluegrass-Ensemble. Um ein
famoses, traditionelles. Die Jungs sagen mir zu, weil sie sich um langsame
Songs ebenso zu kümmern scheinen, wie um rassige. „Somebody Wants Me“
zeigt meiner Meinung nach auch, dass gerade die sentimentalen Stücke diejenigen
sind, welche für die Bluegrass-Musik sprechen – zumal, wenn sie so herrlich
vorgetragen werden, wie hier. Klassisch, mit den üblichen Harmonien, voller
Herzschmerz. Der zweite Teil der CD ist trotzdem bedeutend rassiger gehalten.
Ausnahme macht lediglich „Shadows Of My Mind“, wiederum eine getragene,
beinahe depressive Melodie. Der Titel zeigt, was ich unter einem guten
Lead-Sänger verstehe. Dieser hier ist zwar nicht ganz perfekt (wenn man’s genau
nimmt), doch gut genug, um brillieren zu können. Wie die ganze Band, übrigens.

The Rainieros
Bad Decisions Mistake
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Der Sänger der Rainieros klingt zwar, als hätte er den Stimmbruch noch nicht
ganz überstanden, allein die Band und die Songs sprechen für sich. Der Stil
stammt aus ca. aus den 60er Jahren (das Schlagzeug tritt schon mehr in den
Vordergrund), deshalb sei sie jedem Traditionalisten empfohlen. Vor allem da,
wo das Drum eher nach Kontrabass klingt, etwa bei „Flash in The Pines“ lässt
man sich von den Rainieros nur zu gerne hinter’s Licht führen, um bei der
Titelnummer gleich wieder zu erwachen. Ein bisschen mehr Authentizität würde
nicht schaden, finde ich und denke wehmütig an die echten Stars der 50er
zurück. Aber sie geben sich ja Mühe, deshalb sind ein paar Sterne (wenn auch
nicht 4) schon drin.

Lucas Hudgins & The First Cousins
Honky Tonk Illusions
Erhältlich bei: www.cdbaby.com
(Sampler)
Web-Seite: www.myspace.com/lucashudgins
Welch Gegensatz zur vorstehenden Scheibe! Voreingenommen möchte ich behaupten:
Seht Euch die Jungs auf dem Cover an und Ihr wisst, was Ihr zu erwarten habt.
Neutral betrachtet gilt es vorsichtig zu sein und erst einmal ‚reinzuhören.
Doch welch erfreuliche Überraschung! Lucas, der Leadsänger (nehme ich doch an)
klingt ein wenig nach Johnny Cash. Und der Sound hält sich auch an die
ursprünglichen Klanges des Man in Black. Was die Jungs hier auftischen, ist
nicht bloss ein 5-gängiges Honky Tonk-Menü der Superklasse (Ausnahme: „Go
Away“, da scheint die Steel-Gitarre am Sänger vorbeizuspielen oder
umgekehrt. Nach Anhören der gesamten CD scheint dies leider immer der Fall zu
sein.). Für mich klingt Lucas wie Dale Watson, wenn der sich ‚mal Mühe geben
würde. Doch dort hab‘ ich die Hoffnung aufgegeben. Was soll’s auch – solange es
Sänger wie Lucas gibt. Hier hoffe ich lediglich darauf, dass er inskünftig die
Finger vom Western Swing lässt. Und vom Tequila.
Anspieltipp: „Ghost Of Love“.

Blue Moon Cowgirls
I Love You Honey
Erhältlich bei: www.cdbaby.com (Sampler)
Die Blue Moon Cowgirls eröffnen ihren Reigen mit Patsy’s „I Love You Honey“
und stellen damit gleich klar, wie sehr der Song von Western Swing durchdringt
ist. Der männliche Part besteht lediglich in einer smarten Gitarrenbegleitung,
den Gesang übernehmen hier die Frauen. „Until Then“, das hierauf folgt,
ist ein sentimentaler Klassiker. Hier mit männlichem Timber inklusive. Der
mehrstimmige Gesang ist es denn auch, der verzaubert. „The Likes Of You“
ist beinahe ein extrem zarter Rockabilly geworden. „Goodbye Maria“ liess
sich von Tex Mex inspirieren. Viel sentimentaler geht’s nicht mehr. Oh doch,
mit dem nächsten traditionellen Titel „Weary Blues From Waiting“. Hier
leidet das tolle Stück etwas unter dem weiblichen Gesang, der definitiv nicht
für die tiefen Töne gemacht ist. Oder sagen wir, die Lady möchte, wie’s ja auch
richtig ist, die Noten lange anhalten. Doch leider gelingt’s ihr nicht. „Born
To Be With You“ ist eines dieser typischen, langsamen, traurigen
Liebeslieder, die aus einfachen Worten bestehen und unglaublich viel
ausdrücken. „Happy Trails To You“ ist wieder ähnlich gelagert wie „Wary Blues…“
zumal die Lady eine zu zarte Stimme für solch deftige, anspruchsvolle Songs
besitzt.
Alles in allem eine sehr gute CD, zumindest, was die Auswahl der Songs
betrifft. Auch für die klassische Country-Musik werden Traditionalisten dankbar
sein. Der mehrstimmige Gesang erinnert an die Andrew Sisters. Was fehlt, ist
eine Lady mit Patsy Cline’s Stimme.

Kris Kristofferson
Closer To The Bone
Erhältlich bei: http://www.newwestrecords.com/ (Sampler)
Sind wir ehrlich: Kris Kristofferson kann besser Mundharmonika spielen, als er
singt. Doch braucht ein Mann, der solche Songs schreibt und einen ganz
bestimmten Country-Stil vertritt, auch eine gute Stimme? Wichtig ist sein
Humor, aber auch seine Ernsthaftigkeit und Kristofferson unverkennbarer
Outlaw-Sound. Hier ist alles dabei.

Buddy & Julie Miller
Written in Chain (Sampler)
Erhältlich bei: http://www.newwestrecords.com/ (Sampler)
Buddy Miller gehört zu jenen Ausnahmen, die einen besonderen Platz auf meinem
Regal der Erinnerung einnimmt. Sein Name sagte mir nichts – bis ich ihn live
sah. Zuerst im Publikum. Als unscheinbarer Mann, der lediglich durch sein
Grinsen auffiel. Aber dann, auf der Bühne, zeigte er bald, was er wirklich
drauf hat. Kurz: Buddy Miller ist live so gut, wie hier, auf CD. Und auch hier
darf man wieder mit gradlinigen, erstaunlich ehrlichen Stücken rechnen. Beim
Schlussstück, „The Selfishness Of Man“, lässt sich der Meister denn auch
von Emmylou Harris unterstützen. Wodurch die Frau bei mir wieder an Punkten
wett macht….Buddy Miller ist keiner, der für Überraschungen sorgt. Sein
Songwriter-Stil ist unverkennbar, berechenbar und wunderschön. Durch Fiddles,
Schlagzeug, aber auch herzhaften Harmonien, gekrönt durch Buddy’s emotionalen
Gesangsstil, zeichnet er sich aus.

Steve Martin
The –Crow
Erhältlich bei: http://www.rounder.com
Seit 1978 hat Steve Martin, Komödiant, Schauspieler und Musiker keine
Aufzeichnungen mehr veröffentlicht. Damals hatte er mit „King Tut“ einen
Nr. 1 Hit zu verzeichnen. Die meisten Songs sind instrumentale, traditionelle
Nummern. Arrangiert wurde das Ganze von keinem geringeren als John McEuen von
der Nitty Gritty Dirt Band, Martin’s Freund aus Kindertagen. Als Sänger tut
sich Martin nicht sehr hervor. Er besitzt kein sehr grosses Stimmvolumen,
befindet sich stets in derselben Stimmlage. Als Banjospieler zeigt er sich von
einem ganz anderen Kaliber. Unglaublich schnell pickt der Mann sich z.B. durch
„Pitkin County Turnaround“. „Pretty Flowers“ wirkt irgendwie wie eines
dieser typischen Martin-Sketches. Hat er nicht in diesem Spielfilm, der in als
einer von 3 Rittern in Mexiko zeigt, auch sowas vorgetragen? „Freddie’s
Lilt“ klingt sehr, sehr alt. Und bringt Keltik ins Gefilde. Das „Clawhammer
Medley“ erinnert an John Hartford. Der hätte seine Freude an Martin gehabt,
bestimmt. Mit dieser Nummer würde Martin alle Awards, für die er nominiert ist
abräumen – käm’s auf mich an. Mit „Calico Train“ klingt das Album aus.
Die Nummer ist ziemlich unruhig, wenigstens am Anfang. Leider blendet der
Sampler aus, sobald der Calico Train „in Schwung kommt“.
Alles in allem hat Martin hier ein Album geschaffen, wie’s von ihm zu erwarten
war. Erstaunlich hochstehend. Und ziemlich schnell.
Nitty Gritty Dirt Band
Speed Of Life
Erhältlich bei: http://www.sugarhillrecords.com
Und wenn wir schon bei einer meiner Lieblingsbands sind, stellen wir bei dieser
Gelegenheit doch gleich deren neue CD vor, gelle? Ab 22. September wird das
neue Werk der Nitty Gritty Dirt Band in den Läden erhältlich sein. Darunter
Nummern wie „Jimmy Martin“. Hoffen wir, dass das lange Warten (5 Jahre)
sich gelohnt hat. Mit der Eröffnungsnummer, „Tulsa Sounds Like Trouble To
Me“ fegt die Band gleich alle Konkurrenz vom Tisch. Typischer wird’s bei
der nächsten Nummer: „Brand New Heartaches“. Hey – SO wollten doch
Alabama, Little Texas und wie sie alle hiessen, einmal klingen! Hätten sie wohl
gerne….Auch „The Resurrection“ ist typisch Nitty Gritty…. Unglaublich,
wie stark die Harmonien dieser Jungs (so wirken sie auch live immer noch)
wirken und sind…. „Jimmy Martin“ ist – wen wundert’s – ein Polka
geworden. Er würde ihn lieben, der King of Bluegrass. Einzig „Tryin‘ To Try“
ist ein echter Versuch geblieben. Die Stimme bebt, das Ganze wirkt langweilig.
Man muss sich zum Zuhören zwingen. Hässlich, würde ich den Titel nennen. Dafür
ist die Schlussnummer, „Good To Be Alive“ ein echter Renner geworden.
Gehört in JEDE Hitparade, dieses Stück.