|
08. Bühler Bluegrass Festival mit Legende James Talley
Organisator und Moderator Walter Fuchs zeigte sich nach dem Festival mit allen Ergebnissen sehr zufrieden, wenngleich selbst für den ausgefuchsten Fachmann wieder Überraschungen im Angebot waren. Zunächst nahm das Festival aber seinen gewohnten Verlauf, als am Freitag um 19 Uhr 4 Wheel Drive ihre beiden Eröffnungssets spielten. Der Saal im Bürgerhaus Neuer Markt hatte sich rasch weitestgehendst gefüllt. In klassischer Fünferbesetzung brachte die Band niveauvollen Bluegrass der klassischen Ausrichtung. Die Besetzung hat sich seit 2003 verändert, damals waren sie beim 01. Bühler Bluegrass Festival bereits dabei und hatten einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Inzwischen ist die Band fast noch versierter, Ulrich Sieker von Groundspeed/Looping Brothers ist seit rund einem Jahr an der Mandoline das neueste Mitglied der Band. Mit Joost Van Es aus Holland stand erneut der sensationelle Fiddler auf der Bühne, der den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht. Gleiches gilt längst für Jürgen Biller am Banjo, der mehr und mehr als bester Banjo Spieler Europas gehandelt wird, und in Bühl fast ein Heimspiel hatte, aufgewachsen am Bodensee, wohnhaft in Stuttgart. Gesanglich setzt Alfred Bonk in dieser Formation neben Joost Van Es mit seiner Tenorstimme Akzente.
Ein gemeinsames Finale von Uncle Earl und 4 Wheel Drive vereinte die jungen Mädels mit den „alten Herren", „Angel Band" und „Angeline The Baker" klangen zur Freude des Publikums wie lange geprobt, ohne Schwachpunkte. Das galt sicherlich für den ganzen Abend, wenngleich natürlich Old Time Music nie so geschliffen und perfektioniert präsentiert wird, wie der eigentliche Bluegrass, was aber nur wenige als negativ empfanden. Im Gegensatz zu den Vorjahren zeigte sich das Wetter am Samstag von seiner kühlen und bewölkten Seite. Dennoch stand der Johannesplatz gegen 10.30 Uhr voll mit Interessenten, die Bluegrass live erleben wollten. 4 Wheel Drive und ab 12 Uhr The Midnight Ramblers begeisterten das Publikum mit Perlen aus ihrem jeweiligen Repertoire. Die Midnight Ramblers hatten ihrem Namen alle Ehre gemacht, nachdem sie aufgrund einer Umleitung unter Einsatz von GPS für eine Vierzigminutenstrecke vom Flugplatz ins Hotel drei Stunden gebraucht hatten, und schließlich früh morgens ankamen. Nach kurzem Schlaf und ohne Frühstück standen die vier jungen Männer aus dem ländlichen Virginia um 12 Uhr erstmals auf einer deutschen Bühne und ließen Keith Whitley erklingen, als sei er noch unter den Lebenden, „I’m Over You". Ihre traditionelle Bluegrass Musik kam trotz aller Umstände zuverlässig wie aus einem Guss.
James Talley aus Oklahoma war der Star des Festivals. Obgleich schon im Rentenalter singt er nach wie vor mit heller, klarer Stimme und wachem Geist. Seine Lieder lassen beim Zuhörer rasch einen Film vor dem geistigen Auge ablaufen, so präzise und lebendig ist seine Sprache. „Trying Like The Devil" war 1976 beim Capitol Label sein erster Hitparadenerfolg in Billboard’s Country Charts, die Nummer klang so frisch wie damals. 4 Wheel Drive begleiteten den Meister, sie hatten seit Monaten anhand seiner CD’s sich vorbereitet und konnten einige Tage im Vorfeld des gemeinsamen Auftritts gemeinsam mit Talley proben. Jürgen Biller brachte abwechselnd Banjo und Dobro zum Einsatz, Jan Michielsen war von der Gitarre auf die Mandoline gewechselt, Ulrich Sieker hatte somit dienstfrei. Das Zusammenspiel klappte vorzüglich. „Cherokee Maiden" hatte Talley für seine Frau geschrieben, die indianischer Abstammung ist, er selbst ist ein achtel Native American. Mit seinen feinfühligen Texten überwindet James Talley spielend die in manchen Köpfen noch existente Grenze zwischen Singer-Songwriter und Bluegrass. „Richland Washington", in dem er die Atomindustrie als tödlichen Irrweg der Menschheit entlarvt, musste er auf Wunsch des Publikums im Abendprogramm nochmals singen, nur der Meister und seine akustische Gitarre, reiner und authentischer geht’s nicht. In „Chief Joseph" würdigte er den indianischen Häuptling der Nec Perce, der 1877 das Ende des Blutvergießens befahl, als junge Krieger weiterhin sich gegen die Umsiedlung ins Reservat mit Gewalt wehren wollten. Am Ende seines ersten Sets stand noch sein Klassiker „Calico Gypsy".
Die Midnight Ramblers zeigten, dass sie trotz Übermüdung „Head Over Heals In Love With You" sein konnten. Obwohl sie von der Altersstruktur her die jüngste Band waren, brachten sie den traditionellsten Bluegrass zu Gehör. Ihre ländliche Herkunft und ihr Umgang mit Sprache und Musik würde sie treffend eher dem open air am Geburtshaus von Bill Monroe abgehaltenen Jerusalem Ridge Festival in Rosine, Kentucky zuordnen, als dem Fan Fest der IBMA im Nashville Convention Center. Wie man ihrer Musik entnehmen durfte, gibt es auch in ihrer Heimat „Cold Virginia Rain" und „Blue Virginia Blue" zeigte, dass sie schon tief in die Materie eingetaucht sind. Die Überraschungsband des Festivals waren klar The Sons Of Navarone aus Belgien. Nachdem Carrie Hassler & Hard Rain ihre bereits offiziell angekündigte Europatournee überraschend abgesagt hatten, schüttelte Walter Fuchs rechtzeitig im Herbst 2009 dieses Quartett aus dem Nachbarland Belgien aus dem Ärmel, das noch nie in Deutschland gespielt hatte. Ob ihrer genialen Bühnenshow war letztlich selbst er baff, so gut mischten sie musikalisches Können mit Spielwitz und verbalem Humor. Eugene O’Brien (GB) bediente das Banjo und führte elegant durchs Programm, als Sänger agierte er nur ansatzweise, was im Rahmen einiger Stücke gelungen karikiert wurde. Gesanglich spitze, konnten sie die Aufmerksamkeit des Publikums vom ersten Augenblick an auf sich ziehen und hielten das Niveau über beide Sets hinweg. Ihre Lieder kannte man irgendwie, meist waren es Hits aus dem Bluegrass und anderen musikalischen Gebieten. „Gone At Last" war schmissig, „Walls Of Time" von Bill Monroe und Peter Rowan hintergründig und Phil Rosenthal’s „Muddy Water" mehr als aktuell, denn unmittelbar vor dem Festival holte das Überschwemmungswasser sich in Nashville und Umgebung so manches traute Heim einschließlich Inhalt. „Dancing Queen" war von ABBA und die raffinierten Gesangsarrangements hatten sie unwiderstehlich gut drauf, „Head Over Heals" auch hier, einschließlich Eugene O’Brien mit Gesangseinlagen. Der Fun Faktor war ein wichtiges Element ihrer Auftritte, die musikalische Integrität wurde hierdurch in keinster Weise tangiert. Richard Thompson wurde interpretiert und die ausgedehnte Version von „Workin‘ On A Building" führte zu standig ovations. „Rozemieke" folgte, die flämische Version von „Little Miss Blue Eyes", die Bassist Guido Bos auf Anfrage der flämischen Folk Organisation „Muziekmozaiek" für einen CD-Sampler im Dialekt seines Heimatorts verfasst hat. Geswingt hat’s bei „Detour" und das Kamasutra für Bluegrasser hieß „How Mountain Girls Can Love". Das große Finale aller Bands des Tages brachte eine gefüllte Bühne und einen zum Kochen gebrachten Saal zusammen. „Roll In My Sweet Baby’s Arms" oder „Will The Circle Be Unbroken", verbunden mit standing ovations und grenzenloser Begeisterung im Publikum, das war der Höhepunkt einer insgesamt in jeder Hinsicht gelungenen und erfolgreichen Veranstaltung. Im Rahmen des Abendprogramms ab 19 Uhr bat Walter Fuchs zudem die Gründungsmitglieder der German Bluegrass Music Association e.V. auf die Bühne, die am selben Tag anlässlich des Festivals ins Leben gerufen wurde. Unter www.bluegrass-germany.de kann man über Inhalte und Ziele dieses Dachverbands für Bluegrass in Deutschland mehr erfahren und für 15 EUR Beitrag Mitglied werden, um die Entwicklung des Bluegrass in Deutschland zu unterstützen. Am 13. & 14. Mai 2011 steigt das 09. Bühler Bluegrass Festival, dann u.a. erstmals mit schweizer Beteiligung. (Friedrich Hog) |
| News: Daily News Berichte Informatives: Musicfocus Interviews Record News Biografien American Cooking Australien Country Songstory Übersetzungen Billboards Linedance Kooperationen Sareiter Reisen ZYX Records Übersichten: Country Radio Saloon Bands Clubverzeichnis Magazine Links Events Termine Interaktiv: Gästebuch Gewinnspiele Forum Kleinanzeigen Suchen im CH Online Eingaben Internes: Impressum Wir über uns |