| Im Himmel, da gibt’s
kein Bier, drum trinkt es Flaco hier
Los Texmaniacs heizten sodann ein, ein Quintett zwischen Blues, Rock, Tex-Mex und Country. Ein funky gespielter E-Bass, elektrische Gitarre eines farbigen Bluesman und vielseitig bedientes Schlagzeug verlangten dem Publikum einen großen Ausflug weg vom Country in andere Gegenden amerikanischer Roots Music ab, wie sie ergänzt durch Bajo Sexto und Akkordeon aber im heimatlichen San Antonio, Texas gerne gespielt wird. Sehr dynamisch, kraftvoll und laut startete die Formation mit „It Was Good While It Lasted". Cumbia in spanischer Sprache, Tex-Mex bei „Open Up Your Heart" und Blues gaben sich die Ehre. Schön der Blick in die 30-er Jahre in einem Bajo Sexto – Akkordeon – Duell. So hatte der Tex-Mex einst begonnen, als Santiago Jimenez als junger Akkordeonspieler aktiv war. Seine Söhne Santiago jr. und Flaco sind beide in die Fußstapfen des Vaters getreten und Flaco Jimenez hat es zum weltbesten Akkordeonspieler gebracht. In den 90-er Jahren war er Teil der Texas Tornados, Doug Sahm und Freddy Fender sind zwischenzeitlich verstorben, nur Augie Meyers und Flaco Jimenez sind von jenem Quartett noch übrig. Nach einiger Zeit mit Los Texmaniacs, die hochprofessionell und virtuos ihr Programm darboten, betrat Flaco Jimenez die Bühne, blaues Hemd und blaues Akkordeon. Der 69-jährige Flaco Jimenez, gebürtig in San Antonio, sang gleich zu Beginn seines Parts „In Heaven There Is No Beer", deshalb trinken wir es hier. Nach wie vor erstaunlich seine Fähigkeiten auf dem Akkordeon, wenngleich er gesanglich meist im Duett zu hören war, nur ab und an solo. „Together Again" war eines der wenigen ruhigeren Stücke, meist war die Musik druckvoll und schnell, was Flaco ohne Probleme bewältigte. Herausragend die Klassiker „Who Were You Thinkin‘ Of" und „Hey Baby Que Paso", mit denen 1990 die erste CD der Texas Tornados begann, „Texas Tornados". Nach einer langen Autogrammpause spielten Los Texmaniacs eine harte Blues Show, ehe Flaco Jimenez mit „Wasted Days And Wasted Nights" wieder hinzutrat. Diesem Freddy-Fender-Klassiker ließ Flaco unter anderem „He’ll Have To Go" folgen, den Jim-Reeves-Klassiker, den er mit Ry Cooder gemeinsam gecovert hatte. Nachdem Flaco Jimenez offensichtlich Geschmack am deutschen Bier gefunden hatte, „Salute", erhielt er am Ende der rauschenden Party Standing Ovations und mit „She’s About A Mover" zog er schließlich von dannen. Einige Akkordeon-Duette im letzten Set hatten zuvor weitere Glanzlichter gesetzt. Flaco Jimenez ist eine Musiklegende und es war im Four Corners sicherlich eine rare Gelegenheit, ihm einmal zu begegnen. Trotz der heißen Musik war weit nach Mitternacht bei Antritt der Heimfahrt das Wasser am Autodach gefroren. (Friedrich Hog)
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