Country Music Messe Berlin 2007
Die 12. Country Music Messe Berlin fand von Freitag 9. bis Sonntag
11. Februar 2007 im Fontanehaus Berlin statt, Wilhelmsruher Damm 142 c.
Das Gebäude ist eine Schule, daher findet die Messe jeweils in der
Ferienzeit statt. Die Ferien Anfang Februar eignen sich besonders gut,
da die Festival-Saison erst später beginnt, mithin die denkbar größte
Anzahl von Bands Gelegenheit hat, an der Messe teilzunehmen. Wie immer
fanden 30-minütige Auftritte auf vier Bühnen statt, wie immer etliches
zeitlich parallel. Am Samstag herrschte insbesondere am Nachmittag und
frühen Abend dichtes Gedränge auf allen Gängen und vor den Bühnen, was
ein gutes Zeichen ist, auch ansonsten waren viele Besucher interessiert
an den Ständen und Bands. Die Bühnen sind so angeordnet, dass sie sich
gegenseitig in keinster Weise tangieren, was für den Genuss der Musik
unerlässlich ist. Ein großes Kompliment auch an alle Soundleute, die
eine denkbar gute Arbeit an allen Bühnen abgeliefert haben, schließlich
müssen sie alle 30 Minuten eine neue Formation abmischen.
Die
Country & Western Friends Koetz und die Illertal Cowboys waren
selbstverständlich wieder vor Ort, die Anreise aus dem Süden hat sich in
jedem Fall voll gelohnt. Erster besuchter Act waren die „Dogs Naked"
auf der TMO-Bühne, gleich ein absoluter Hammer. Unter diesem Synonym
verbargen sich nämlich Frankie Raydell & The Dog Gone Country Band
aus England. Frank Riedel, der Bandleader, ist vor vielen Jahren aus dem
Allgäu nach England ausgewandert und hat sich dort eine authentische
Honky Tonk Band zusammengestellt, mit Steel Guitar, Kontrabass,
elektrischer Gitarre und Schlagzeug, das der 18-jährige Frankie jr.
bedient, der Musik studiert. Frankie sen., dem man den „Senior" nun
wirklich nicht ansieht, bedient die akustische Gitarre, die Musik kommt
knackig und auf den Punkt genau herüber, dass es eine wahre Freude ist.
Von Hank Williams III. hatten sie „Pills I Took" im Repertoire, von Hank
Williams sen. war es „Your Cheating Heart". Neben Honky Tonk ist auch
Rockabilly ein Thema bei der Band, „The Devil And Me" oder Elvis‘ „I
Forgot To Remember To Forget". Gitarrist Deke sang „The Race Is On", das
man von George Jones, Dave Edmunds oder auch Sawyer Brown her kennt.
Marty Wolfe gesellte sich bei Johnny Cash’s „Big River" dazu und
„Berlin, You’ve Gone Country" war speziell für die Besucher der Country
Music Messe geschrieben.
Ernest
Ray Everett & Stars & Bars übernahmen dann gekonnt die Hauptbühne.
Beim ehemaligen Cripple-Creek-Band-Mitglied muss man sich ebenso wenig
Gedanken machen wie bei Matt Wegener und seiner Formation Stars & Bars,
die Qualität stimmt einfach. Ob „Write This Down", dem Cover eines
George-Strait-Hits oder dem eigenen „Not For Sale", Titelsong der neuen
CD, die Musik hat Klasse. Die wahrhaft wichtigen Dinge im Leben kann man
nicht kaufen, so die Aussage des Liedes. Gigantisch klar und
differenziert der Sound, wichtig bei schnellen Nummern wie „Sold", dem
John-Michael-Montgomery-Cover. Sehr schön gespielt und gut hörbar kam
die Steel Guitar bei „When You Say Nothing At All" aus der Feder von
Paul Overstreet. Scarlett kam dazu und sang noch „Long Time Gone", den
Hit der Dixie Chicks, die wenige Stunden später fünf Grammies erhielten.
Marty Wolfe hatte Mandy Strobel im Bluebird Café mit auf
die Bühne gebeten, „Old Black Record" ist die aktuelle Single von Marty.
Mit ihren Gitarren und ihrem Gesang entführen sie die Hörer unweigerlich
in die Welt von Johnny Cash. Mandy sang „Old Watch" und hatte sichtlich
großes Vergnügen im Bluebird Café.
Aus Nebraska war Dale Williams angereist, der als einer der
wenigen Künstler Playback benutzte und dazu sang und akustische Gitarre
spielte. Seine Lieder gehen gut in’s Ohr, „Tequila And Mexico". Seine
klare Tenorstimme hört man immer wieder gerne. Auf der Hauptbühne
agierte Doug Adkins aus Montana als „Whiskey Salesman", als der
er sich bei so manchem Auftritt in Clubs vorkommt. Seine neue Live-CD
heißt „One More Mile To Go", sie ist 2006 im Vorprogramm von Paul
Overstreet in Untermeitingen entstanden. Sowohl dort, als auch in Berlin
waren Stars & Bars seine Begleiter. The Twang sind eine
Gitarrenband, die außergewöhnlich gut gefallen konnten in Berlin. Ihr
Repertoire rekrutiert sich z.T. aus dem Rock-Bereich, wie „Another Brick
In The Wall" von Pink Floyd, „Jumping Jack Flash" oder „Like A Virgin".
Die Baritonstimme des Sängers und der Sound insgesamt waren überzeugend,
diese Band müsste sich auf dem Markt gut behaupten können.

Im
Saloon spielten am Abend die Cripple Creek Band und Scott
Shipley & Snake Oil, die ohne den angekündigten Geiger Clinton
Gregory auskommen mussten. Bis fünf Uhr in der Frühe ging’s rund. Fazit
des ersten Tages: Nur schöne Musik gehört und erfreulicherweise nichts,
das man mit den Negativseiten des sog. „New Country" in Verbindung
bringen müsste, will sagen, nichts überarrangiertes oder aufgeblasenes,
nichts Rap-orientiertes, sondern jeweils gut gemachte Country Music,
auch bei teilweise vorhandenen Einflüssen aus dem Rock-Bereich. Schön
ist es für die Fans auch, dass sie direkten Kontakt zu den Künstlern
aufnehmen können. Diese positiven Erfahrungen haben sich über alle drei
Tage gehalten. Sehr positiv zu vermelden auch, dass im unteren Bereich
bei weitem nicht mehr so viel geraucht wurde, wie das früher der Fall
war.
Haupttag der Messe war wie immer der Samstag, an dem auch jeweils die
meisten Besucher anwesend sind. Eigentlich lohnt es sich, alle drei Tage
zu besuchen, wenn es aber nur an einem Tag geht, hat man am Samstag die
beste musikalische Ausbeute. Daniel T. Coates & Band eröffneten
um kurz nach 11 Uhr auf der TMO-Bühne, es war wie immer beeindruckend,
wie wirkungsvoll diese Formation authentischen Country spielt, und dies
sogar im Quartett ohne den Steeler Dietmar Wächtler. Eigene Lieder wie
„Up On The Hill" oder „House On The Highway" wechselten sich hier ab mit
Klassikern von Buck Owens, „Welfare Line" oder Johnny Cash, „Big River".
Thomas Schönheiter am Akkordeon setzt immer tolle Akzente, was der Band
einen raschen Wiedererkennungseffekt bringt. Obwohl Dan nie in der Armee
war, er lehnt Autorität ab („I hate authority"), sang er auch „Der
Letzte Ami In Deutschland", wo schon der amerikanische Akzent zum
Schmunzeln einlädt.
Fliegender Wechsel ins Bluebird Café: Dort betrat ein Duo namens
Tus Beat Roc die Bühne. Sie lernten sich vor einem Jahr an gleicher
Stelle kennen und versuchen es seit 2-3 Monaten nun miteinander. Die
Feinabstimmung fehlte daher verständlicherweise noch, doch sie konnten
anderweitig beeindrucken. Beide Künstler sind mit einer grandiosen
Stimme gesegnet, es machte Vergnügen ihnen zu lauschen. Während er mit
einer schönen Baßstimme à Johnny Cash aufwarten kann, fasziniert sie mit
einem Organ, das Janis Joplin tatsächlich in nichts nachsteht, ein
bißchen frischer und unverbrauchter noch, aber wie gesagt einfach
faszinierend. So konnte natürlich zum Schluss das unvermeidliche „Bobby
McGee" nicht ausbleiben, und es war gut so. Respekt!
The Daltons aus Bremen spielten auf der Hauptbühne rockig und
engagiert, die Aufnahmen sollen für eine Live-CD Verwendung finden.
„Mister Mom" von Lonestar oder „The Thunder Rolls" von Garth Brooks
zeigten den Sänger in Topform, sehr beachtliche Leistung! Der Steeler
kann auch Banjo und so kam Keith Urban’s Hit „Love Somebody Like You"
ebenfalls sehr authentisch rüber, „Sold" rockte den Saal schon zu früher
Stunde. Kim West aus Gelsenkirchen benutzte Playback auf der
Country Music Net Bühne, sang aber mit großer Stimme Lieder wie „If The
Juke Box Took Tear Drops".
Der
Star der Messe war Carlton Moody aus den USA, der allerdings ohne
seinen angekündigten Partner Walter Egan angereist war. Beide Künstler
sind derzeit Mitglieder der Formation „Burrito Deluxe", deren Bandleader
Sneeky Pete Kleinow (legendärer Steel Guitar Spieler der Flying Burrito
Brothers) am 06. Januar 2007 72-jährig verstorben war. Carlton Moody,
der nun seine alte Formation „The Moody Brothers" wieder aktiviert, ist
der Lead Sänger von Burrito Deluxe, die zumindest für dieses Jahr noch
nicht gänzlich aufgelöst werden sollen. Die Zeit wird zeigen, wie es
weitergeht. Sein Vater Dwight Moody hatte schon bei Bill Monroe
gespielt, und so bewegte sich das Repertoire von Carlton Moody zwischen
Country-Rock und Bluegrass, ähnlich wie z.B. bei Chris Hillman. Auf der
TMO-Bühne begleitete sich Carlton Moody auf der akustischen Gitarre und
sang mit seiner wunderbaren kräftigen Stimme. Aus seiner Solo-CD „Meet
Me In Paris, Tennessee" sang er „Shannon" und das bluesig angehauchte
„State Of Tennessee". In Paris, Frankreich unterhält Moody eine
Zweitwohnung, von dort aus kann er jederzeit in Europa auftreten, und er
möchte gerne seinen Freund Rob Crosby mitbringen, der von 1990 bis 1996
acht Hits in Billboard’s Country Charts landen konnte, darunter „Love
Will Bring Her Around", Platz 12. Trotz seiner Tourneen mit den Moody
Brothers durch Europa war dies sein erster Auftritt in Deutschland. Für
Sneeky Pete spielte er aus der aktuellen CD „Disciples Of The Truth"
„(Long Way To) Encino", das er gemeinsam mit Rob Crosby für Burrito
Deluxe verfasst hatte. „Old Memories Bring Me Tears" war der ersten
Burrito Deluxe-CD „Georgia Peach" entnommen. Richtig bluegrassig im
Sinne der Moody Brothers klang „Down The Road". Von ihnen soll bald die
erste neue CD seit 10 Jahren herauskommen. Da er in den Bergen von North
Carolina aufgewachsen ist, den Appalachen, fiel ihm das Verfassen von
„Front Row Seat To Heaven" nicht schwer, „Shady Grove" war nochmals
Bluegrass/Old Time. Carlton Moody brachte mit seinem äußerst gelungenen
Auftritt amerikanische Country Music auf die Berliner Messe, wobei die
Texanerin Liz Talley auch den europäischen Bands insoweit sehr gute
Noten gab. Sebbo spielte zur eigenen akustischen Gitarre im
Bluebird Café u.a. „I Drove All Night" von Roy Orbison und „That Summer"
(Garth Brooks). Bei „Walkin’ After Midnight (Patsy Cline) spielte er
auch Mundharmonika. Schön seine Version des „Solitary Man", von Johnny
Cash in den Country eingebracht oder auch „Whiskey Lullaby" aus der
Feder von Jon Randell und Bill Anderson; Alison Krauss & Brad Paisley
hatten es in die Top 10 gesungen. Zuvor hörten wir auf gleicher Bühne
leider nur noch zwei Titel der Mountain Boys, was schade war,
denn es klang superb. Zeitgleich teilte man sich dann Richtung Carlton
Moody oder Scott Shipley.
Scott
Shipley und Snake Oil brachten den großen Saal auf Touren. So sollte
Country Music klingen, eine klare Stimme, ein klarer Sound und mit dabei
eine Steelguitar. Dieser Auftritt war sicher eines der Highlights der
diesjährigen Messe, wenn nicht gar das akustische Highlight. Mit einem
phantastischen „Copperhead Road" von Steve Earle setzten sie ihrer
Darbietung die Krone auf. Bleibt zu hoffen, dass aus Snake Oil einmal
eine echte Größe wird, bisher empfindet man die Band eher als Projekt
des Bandleaders Scott Shipley, der noch ein wenig auf der Suche nach
Kontinuität ist. Danach übernahm Liz Talley die Hauptbühne,
begleitet von Daniel T. Coates und seiner Band. Sucht ein amerikanischer
Künstler in Deutschland eine Begleitband, so ist diese Formation für
traditionellen Country erste Wahl, soll’s etwas rockiger sein, dann
stehen Stars & Bars zur Verfügung. Liz hatte nur einen Tag mit der Band
proben können, aber das Ergebnis konnte sich absolut hören lassen. Liz
Talley ist gut mit Kim Carson befreundet, und beide sind echte
Honky-Tonk Sängerinnen. „Love’s Gonna Live Here Again" von Buck Owens
sei genannt, oder „Heartaches by The Number". „Close Up The Honky Tonks"
ist ihre brandneue Single aus ihrer aktuellen CD „Road To You". Schön
auch die Ballade „It’s Time To Cross That Bridge", die sie auf CD im
Duett mit Billy Yates gesungen hatte. „Rockabilly Baby" hat Liz Talley
im Stile ihrer Freundin Wanda Jackson geschrieben und herrlicher Texas
Swing ist ihre Eigenkomposition „Texas In Your Swing". Das Duo Lucky
Sale sang im Bluebird Café wieder zu akustischen Gitarren
wunderschöne und hoffnungsvolle Lieder, es ist jedesmal bezaubernd, die
leuchtenden Augen von Sandra Saleschke bewundern zu können, mit denen
sie ihre Musik in’s Herz des Publikums trägt, „It’s Never Too Late".
Ganz viel Spaß bereitet hat der Auftritt der Cripple Creek Band
auf der TMO-Bühne. Das Quartett überzeugt durch Spielfreude und
Virtuosität. Helmut Limbeck, der Gitarre, Mandoline und Fiddle spielt,
sang Brand Paisley’s Toperfolg „The World", auch Mundharmonika
beherrscht er, „Driving Me Crazy". Von Pat Green kam „Wave On Wave" und
auf die Fiddle zugeschnitten war „Old Joe Clark". Toll auch Josh
Gracin’s Hit „Nothing To Lose". Der satte Gesang der Band trägt ein
übriges dazu bei, dass ihnen zuzuhören gesteigerten Spaß bereitet, alle
vier singen großartig, was bei „Man Of Constant Sorrow" besonders gut
zur Geltung kam. Die Zeiten, in denen sie in undefinierbaren
Rock-Musik-Mustern versumpft waren, sind ganz klar vorbei, eine
vorbildliche Leistung der Cripple Creek Band in Berlin. Nach kurzer
Umbaupause begleiteten sie die 20-jährige Suzie Candell aus
Kempten/Allgäu, die u.a. „Leaving This Town" sang. Auch der „Cajun
Hoedown" und „Lucky In Love" von Sherrié Austin waren toll, auf „Is It
Love" dürfen wir uns auf der bald erscheinenden neuen CD freuen.
Anschließend gab es nochmals Daniel T. Coates, nun im Bluebird
Café, diesmal akustisch und daher nicht weniger interessant, sagen wir
eher äußerst hochklassig. Mandy Strobel aus Ulm holte sich dann
Marty Wolfe im Bluebird Café auf die Bühne und startete mit
seinem Hit „The Last Hank", den er ursprünglich im Duett mit Joe Sun
gesungen hatte. „Flesh And Blood" ging auf die zwischenmenschlichen
Unzulänglichkeiten ein und Marty brachte „Sunday Morning Coming Down"
aus der Feder von Kris Kristofferson.
Eine
sehr positive Überraschung boten Miss Belle & The Cattle Call aus
Hamburg auf der TMO-Bühne. Zum Jahresende 2004 hatte die Sängerin ja die
Gruppe Texas Lightning verlassen, inzwischen hat sie mit drei damaligen
Bandmitgliedern die neue Formation in’s Leben gerufen, ein Sextett mit
Dobro und Kontrabass, Fiddle und Schlagzeug, Mandoline und Gitarre und
Country Music, wie sie origineller und originaler kaum sein könnte. „I
Really Had A Ball Last Night" hieß es im Sinne von Emmylou Harris zum
Einstieg, „Keep On The Sunny Side" von der Carter Family folgte. Optisch
und akustisch ist die Musik aus einem Guss, da passt alles und die erste
CD „First Session Recordings" mit sechs Titeln ist auch schon da. Ihre
Eigenkomposition „Come On In" trug die Sängerin mit besonderer Freude
vor, sie hatte es schon mit Texas Lightning im Repertoire. Jimmie
Rodgers war mit „In The Jailhouse Now" vertreten, Hank Williams mit „My
Sweet Love Ain’t Around". „Dear Someone" ist eine wunderschöne
Komposition zum eng Tanzen von Gilian Welch und Dave Rawlings. Das
fetzige „There Ain’t No Wings On This Ship" hatte Patsy Cline schon
gesungen und eine Hamburger Band darf natürlich auch von Schiffen
singen. Der Namensgeber der Band ist der „Cattle Call", der sehr
stimmungsvoll interpretiert wurde. Auf diese Formation darf man sich
freuen, wer Gelegenheit hat, sie zu sehen, don’t miss Miss Belle.
Miruna hatte am Mittwoch vor der Messe, also am 07. Februar eine
Tochter zur Welt gebracht, Mara Sophie, 3.940 g, 57 cm, daher macht sie
Babypause. Ihre Band Silverwood mit Heiko Ahrend begleitet daher derzeit
den Norweger Arne Benoni auf seiner Europatournee. Der große
dunkelhaarige Sänger mit der Baritonstimme in der Art eines Jim Reeves
und eher südländischem Aussehen überzeugte mit „I Just Wanna Dance With
You" aus der Feder von John Prine ebenso wie mit älteren Liedern wie „Yonder
Comes A Sucker", „Billy Bayou" oder „Is Anybody Going To San Antone".
Wunderbar auch sein „If I Live To Be A Hundred ", das Mae Boren Axton,
Autorin von „Heartbreak Hotel", für ihn geschrieben hat. Ulli Möhring
war auf der Country Music Net Bühne zu Gange, mit Playback und eigener
akustischer Gitarre, aber sehr gut drauf. 30 Jahre ist er jetzt auf
Tournee, mit den Emsland Hillbillies, Autumn Leaves und jetzt als
Solist. Eine neue Doppel-CD und ein Lied erinnern an diese Zeiten.
„Austin City Limit Sign" dokumentiert seine Verbundenheit mit der
musikalischen Stadt in Texas, Katie Grant sang mit ihm ein Duett
und „Leben Neu Entdeckt" kam auch sehr gut und swinging rüber. Im
Bluebird Café sang Scott Shipley mit hoher Tenorstimme „Wayfaring
Stranger" und erwies sich zur eigenen akustischen Gitarre als
feinfühliger Songwriter, der auch persönliche Erfahrungen verarbeitet,
„My Old Man". Über eine Kohlenmine sang er Bluegrass-angehaucht und „Coney
Island Girl" kommt von Tom Waits.
Der in Virginia geborene und in North Carolina aufgewachsene Mark
Merritt lebt jetzt in der Pfalz, er übernahm das Bluebird Café. „My
Heart Will Always Be Small Town" lautete eine seiner Botschaften.
Feinster Honky Tonk erwartete die Zuhörer auf der Hauptbühne bei
Frankie Raydell & The Dog Gone Country Band, „The Devil And Me",
Rockabilly bei „Little Sister". „Berlin" war natürlich wieder vertreten
und als Zugabe !!! „The Race Is On". Wer weiß, wie streng die Zeitpläne
eingehalten werden, weiß, dass Zugaben nur genehmigt werden, falls eine
Band anders nicht lebend von der Bühne gelassen wird. Super Leistung,
super Band! Pausen vor der Hauptbühne werden meist durch Tanzeinlagen
gefüllt, die vorderen Sitzplätze erwiesen sich bei musikalischen
Darbietungen durch allzuviele Line-Dancer als suboptimal.
Der
Sonntag begann auf der Hauptbühne mit einer noch sehr unvorbereiteten „Bandana",
die so früh morgens normalerweise nicht zu spielen pflegen. Entsprechend
wenig sprang hier der Funke über, wenngleich die handwerkliche und
gesangliche Leistung von Andy und seinen Mannen erste Klasse waren. Die
Schwarzwasser-Perlen übernahmen die Rolle der Carter Sisters und so
wurde eine vollwertige Johnny-Cash-Show geboten, wie sie in Deutschland
ihres gleichen sucht, Minimalschlagzeug (Snare Drum) eingeschlossen. „Folsom
Prison Blues", „San Quentin", „I Walk The Line", „Daddy Sang Bass", „Keep
On The Sunny Side", „Bonanza", die älteren Lieder von Johnny Cash
standen im Vordergrund. „Ira Hayes" natürlich unerlässlich, insbesondere
in Zeiten, wo Clint Eastwood auf der Berlinale zeitgleich seinen
entsprechenden neuen Film vorstellt, „Flaggs Of Our Fathers", der vom
Hissen der Flagge durch die sechs legendär gewordenen amerikanischen
Soldaten auf der japanischen Insel Iwo Jima handelt, von denen der
Indianer Ira Hayes einer war. Gigantisch das Sextett The Mountaineers
im Bluebird Café mit Dobro und insgesamt akustisch. California Fog
folgten mit dem wunderschönen Gesang der Gitarre spielenden Mutter Gay
Frazier und Tochter Shavonne als Harmoniesängerin, die inzwischen
examinierte Krankenschwester ist und in einem Pflegeheim arbeitet. Sehr
ruhig wie immer ihre Lieder, „All I Have To Do Is Dream", „Norwegian
Wood", „California Dreaming". Leider hatte ihre Songauswahl nur peripher
mit Country oder wenigstens Folk Music zu tun, doch angenehm war es
allemal, ihnen zuzuhören. Sebbo & The Armadillos waren
ausnahmsweise Sebbo mit der Daniel T. Coates Band und dem Schlagzeuger
von Western Union, sie konnten auf der Hauptbühne aber begeistern, Sebbo
und Dan kennen sich ja schon. Das Mark Merritt Trio auf der
Country Music Net Bühne war ein absolutes musikalisches Highlight,
Sievert Ahrend, Heiko’s Bruder, spielte mit großer Spielfreude Steel
Guitar, Banjo, Fiddle und Dobro und sang wieder zur Freude der Fans den
Stanley Brothers Klassiker „Little Maggie". Western Swing gab’s bei
„Cowboy" und „Nothing But The Radio On" macht immer wieder Spaß. „You
Can’t Stop If You Never Slow Down" brachte viel Schwung rein, der Saal
war zu Recht brechend voll. Für den nicht angereisten Chris Webb
übernahm Liz Talley nicht nur die 15-Uhr-Show am Samstag auf der
Hauptbühne, sondern auch den Spot im Bluebird Café, begleitet vom Daniel
T. Coates Trio, Thomas Schönheiter natürlich am Akkordeon, was auch hier
wirkungsvoll war. Honky Tonk Music im Singer-Songwriter-Stil kam sehr
gut an, und die kräftige Stimme von Liz Talley ohnehin. Toll beschwingt
der „Chattanooga Shoe Shine Boy" und die Eigenkomposition mit Leona
Williams „Texas In Your Swing". „Time To Cross That Bridge" durfte in
der intimen Atmosphäre im Bluebird Café nicht fehlen und „Texas When I
Die" veranlasste Liz augenzwinkernd zu der Bemerkung, alles sei groß in
Texas, nur sie selbst nicht. „Rockabilly Baby" funktioniert akustisch
ebenfalls prächtig und die neue Single „Close Up The Honky Tonks" sollte
man im Radio bald öfters hören. Doug Adkins & Matt Wegener
setzten fort mit ihren beiden akustischen Gitarren, „Little Bitty" von
Alan Jackson als Einstieg. „You Gotta Be Strong" und „Window Shopping"
aus der CD „Whiskey Salesman" folgten, der Titelsong durfte auch nicht
fehlen. Die beiden können’s akustisch auch gut, das war rasch klar und
so wagte man sich an Matt’s Komposition „Confederately Yours" aus der
neuen Live-CD ran. Alan Jackson’s „USA Today" rundete die Sache ab.
Auf der Hauptbühne boten die Mountaineers eine tolle Show,
auch wenn sie im Bluebird Café direkter und sympathischer gewirkt haben,
war das im großen Stil doch eine absolute Spitzenleistung. Selten
gehörte Covers wie „East Bound And Down" oder „Fire On The Mountain"
wechselten sich mit eigenen Werken ab, die zeitnah für eine CD
eingespielt werden sollen. „I’m Drunk" bedeutet hier „beseelt von ihr",
die ihn gut in Griff gekriegt hat. Toll auch „Hold On And Take A Look At
Your Country": wenn man mit offenen Augen durch’s Land fährt und Stift
und Block dabei hat, können solch schöne neuen Country Songs auch in
Deutschland entstehen. Jedes Instrument konnte man super gut hören, auch
die wirkungsvoll eingesetzte Mandoline und die Steel Guitar. Eine
großartige Formation, die Mountaineers mit starkem Gesang.
Old
Time und Singer-Songwriter trafen zusammen bei K.C. McKanzie im
Duo, sie spielte akustische Gitarre, ihr Partner Banjo und Kontrabass.
Zwei CD’s gibt’s schon von ihrer feinen Musik, toll herübergekommen ist
z.B. „Where’s That Boy Of Mine". Um 17 Uhr spielten Daniel T. Coates
& Band nochmals auf der Hauptbühne, hier erklangen die Lieder für
die breite Masse wie „Streets Of Bakersfield". „But For The Grace Of God"
von Keith Urban war als Einstieg auf besonderen Wunsch gewählt. Toll
wieder mal „Riding My Thumb To Mexico", eine Position 1 von 1973 für
Johnny Rodriguez. Die Schluss-Sessions im Bluebird Café und auf der
Hauptbühne mussten wir diesmal auslassen, da wir uns schon auf den Weg
machten ins Kleine Theater, wo Roland Heinrich auftrat in einem
Theaterstück um Johnny Cash: „Johnny Cash - The Beast In Me", ein
musikalisches Portrait. Das hat sich aber absolut gelohnt!
Die Country Music Messe auch wieder, sehr viel tolle Musik wurde
geboten, alle Formationen kann man gar nicht treffen bzw. erwähnen. Ein
großartiges Event, trotz der bedauerlichen Absagen. Erfreulich in jedem
Fall, dass es etliche Country Bands in Deutschland und Europa gibt, die
richtig gut mithalten können. Sie zu entdecken, ist einer der Gründe, um
die Messe regelmäßig zu besuchen. Die amerikanischen Gäste setzen dem
Event regelmäßig das notwendige Tüpfelchen auf’s i. vom 2. bis 4.
November 2007 steigt unterdessen die 2. Nürnberger Country Music Messe,
erstmals auch dreitägig und dieses Jahr schon wesentlich größer als
2006. (Friedrich Hog und Werner Ost)