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Barry P. Foley: Ruby´s Café (VÖ: 1. Februar 2013; Coates Cat Records/erhältlich auch als Download bei iTunes und amazon)

By Andreas Hilgart — Februar 10, 2013

Ja, wir haben hier in Deutschland auch unsere Country-Stars, die fernab des Pop-Mainstreams der Radiostationen viele Fans haben. Dazu ist sicherlich auch der US-amerikanische Oberfranke Barry P. Foley zu zählen, der erst vor wenigen Tagen beim Deutschen Countrypreis in Berlin als Sänger des Jahres 2013 ausgezeichnet wurde.

Mit „Ruby´s Cafe“ veröffentlicht Barry, der über 700 Titel – darunter um die 100 eigene Songs – zu seinem Repertoire zählt, eines der kreativsten Country-Alben, die in den letzten Jahren hier in Deutschland erschienen sind. Dabei ist Barry aber immer auch den Traditionen dieses Genres verbunden. Besonders deutlich wird dies dann sicherlich etwa in der Mitte des Albums bei „VFW And The Maiden´s Prayer“. Barry ist dabei vor allem auch der Geschichtenerzähler, was besonders bei diesem Titel zum Tagen kommt. Es sind die Musiker wie Johnny Cash, Waylon Jennings, Merle Haggard oder auch Bob Wills, die Barrys Vorbilder sind.

CD COVER 800PXBob Wills stand sicherlich auch Pate für den Western Swing-Titel „Never Leaving Texas“. Mit „Boom Chicka Boom“ setzt Barry zusammen mit Daniel T. Coates, dem Bassisten Gábor Bardfalvi und Gregg Stocki (u. a. Marty Stuart Band, Lorri Morgan) Johnny Cash ein äußerst würdevolles Denkmal, das dem großen Meister der Countrymusik sicherlich gefallen hätte. „Heroes And Friends“ zählt dann Barrys große Vorbilder in der Countryszene auf. Einen Seitenhieb auf die aktuelle Entwicklung der Countryszene in Nashville gibt es als Gegenstück dazu mit „Get This Crap Out Of My Country“: Um die Verkaufszahlen zu steigern, verleugnet sich die Szene selbst und nähert sich zu stark der Popmusik an – so die Kritik, die in diesem Song laut wird. Mit Alan Jackson oder Brad Paisley hätte man eventuell die Chance, dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Was macht einen richtigen Countrysänger aber eigentlich aus? Diese Frage stellt sich Barry auch in „You Ain´t No Country Singer“.

Barry P. Foley zeigt, wie echte moderne Countrymusik auszusehen bzw. zu klingen hat. Der Titelsong des Albums „Ruby´s Café“, das Musterbeispiel eines guten Countrysongs: Ein Countrysong, der eine Geschichte erzählt und bei der die Steel Guitar oder die Fiddle in den Arrangements noch eine tragende Rolle spielen.

Barry hat alle Songs des Albums selbst geschrieben, so auch „Down To The Islands“, das einen beim Hören durch den Karibiksound im Refrain aus dem Alltag entfliehen lässt.

Traditionell im Stil des Bluegrass singt Barry, der mit 18 sein Zuhause verlassen hat, um in die Army einzutreten, dann von den Kochkünsten seiner Mutter. Es sind die Kekse und die Soßen seiner Mutter, die ihn immer an Zuhause erinnern. Barrys Songs sind oft autobiographisch und somit direkt aus dem Leben gegriffen. Barry ist der Troubadour, der Geschichtenerzähler.

Ein modern arrangierter und modern produzierter Countrysong ist der Titel „ When All Your Dreams Come True“, den er zusammen mit der Singer-/Songwriterin Danielle Poot aus den Niederländen aufgenommen hat. Barrys Album ist mit internationalen Künstlern besetzt, was den Stellenwert Barrys in der Szene durchaus unterstreicht. Sei es zum Beispiel die Zusammenarbeit mit der Countrysängerin Ann Pascoe aus Neuseeland („Fifty And Counting“) oder mit Michael Lonstar aus Polen. Für mich eine Entdeckung ist allerdings auch Vivien Searcy aus Schweden, mit der Barry zusammen im Duett einen richtig groovigen Blues interpretiert („Time For The Blues“).

Zum Abschluss hat Barry noch zwei besondere Highlights als Bonus Tracks mit auf das Album gepackt: Eine Akustik-Version von „Crooked Road“ und die musikalisch Gänsehaut erzeugende Verarbeitung des Tods seines Vaters („Daddy´s Funeral“).

„Ruby´s Café“ ist ein großartiges und abwechslungsreiches Countryalbum, das man immer wieder hören möchte und das aufgrund seiner Vielschichtigkeit nie langweilig wird. Richtig gute Musik und gute Geschichten. Barry hat sich mit seinem neuen Album selbst übertroffen. Klar: Eine Kauf- bzw. Downloadempfehlung.

Trackliste: 1. Ruby´s Café, 2. Down To The Islands, 3. Mama´s Biscuits And Gravy, 4. When All Your Dreams Come True (feat. Danielle Poot), 5. Never Leaving Texas, 6. Fifty And Counting (feat. Ann Pascoe), 7. Boom Chicka Boom (feat. Daniel T. Coates), 8. VFW And The Maiden´s Prayer, 9. Get This Grap Out Of My Country (feat. Michael Lonstar), 10. Heroes And Friends (TAG by Michael Lonstar), 11. You Ain´t No Country Singer, 12. Time For The Blues (feat. Vivien Searcy), BONUS TRACKS: 13. Crooked Road (Acoustic), 14. Daddy´s Funeral (Home Studio)

Andreas Hilgart

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