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Lindi Ortega: Cigarettes & Truckstops (VÖ: Ende Januar 2013; Last Gang Rec./PIAS)

By Andreas Hilgart — Januar 14, 2013

Sie ist eine faszinierende Sängerin und ein großes Songwritertalent und hat mit „Cigarettes & Truckstops“ ein ebenso faszinierendes neues Album vorgelegt. Die Rede ist von der aus Toronto (Kanada) stammenden Sängerin Lindi Ortega, über die das Magazin „American Songwriter“ wohl zu recht sagt, sie sei „das imaginäre Wunschkind von Johnny Cash und Nancy Sinatra“. Mittlerweile hat sie ihre Heimatstadt verlassen und ist nach Nashville umgezogen, um dort auch ihr aktuelles Album „Cigarettes & Truckstops“, den Nachfolger ihres 2011 von der Kritik gefeierten Alternative-Country-Meisterwerks „Little Red Boots“ aufzunehmen.

Zwei romantische „Reise-Balladen“, zum einen der Titeltrack „Cigarettes & Truckstops“ und zum anderen das besinnliche „Every Mile Of The Ride“ bilden den Rahmen auf diesem spannungsgeladenen Allbum. Bereits mit dem ersten Song des Albums wird man auch richtig süchtig nach Lindis Stimme, der zum Teil etwas düsteren musikalischen Grundstimmung und dieser übersprudelnden Kreativität in den Arrangements. Lindi ist eine elektrisierende Performerin, die den Hörer fesselt.

CT cover (print)_BukeeAktuellSchneller wird es mit dem Shuffle „The Day You Day“, der einen mitwippen lässt. Traditioneller Country im Stil z. B. eines Hank Williams kommt hier in einem modernen Gewand daher. Das zeigt sich auch bei „Lead Me On“, das an die wunderschönen Countryballaden der 50er oder 60er Jahre erinnert. Countrymusik zum Dahinschmelzen. Mit dem bluesangehauchten „Don´t Wanna Hear It“ löst Lindi diese Stimmung dann aber wieder auf.

Es ist diese Dynamik in Lindis wandelbarer Stimme und es sind diese spannungsgeladenen Arrangements, an denen man sich einfach nicht satt hören kann. Und Lindi spielt damit, sodass manche gespielte Düsternis sicherlich nicht ganz so ernst wirkt; genauso wie der Trauerschleier, den Lindi bei ihren Auftritten meist trägt. Natürlich: Lindis großes Vorbild ist der Man in Black, Johnny Cash.

Wunderbar auch das mit einem klimpernden Piano recht groovige „Demons Don´t Get Me Down“. Und da ist sie dann auch wieder, diese kraftvolle elektrisierende Stimme, die man der Sängerin auf den ersten Blick nicht zutraut.

Ein Höhepunkt jagt auf dem Album den anderen. Ein nächstes Highlight auf „Cigarettes & Truckstops“ ist sicherlich der Song „Murder Of Crows“. Wer dieses quälende Schuldbekenntnis hört, kommt nicht mehr davon los. Musik, die süchtig macht, da man bei jedem neuen Hören wieder ein neues Element entdeckt. Somit gehört Lindis Album für mich bereits jetzt zu Beginn des Jahres zu den besten Alben 2013. Man kann Lindis Werk im Grunde gar nicht beschreiben, man muss es einfach hören und sich von der Stimme der hübschen Sängerin, diesen äußerst kreativen Arrangements sowie von diesen intelligent komponierten Songs begeistern lassen.

Sehr düster kommt dann erneut der Song „Heaven Has No Vacancy“ rüber, was zum einen an dem gesprochenen Intro eines Priesters und zum anderen an der insgesamt getragenen Stimmung liegt. Auch hier ist man wieder fasziniert von dieser unglaublichen Kreativität bei der Umsetzung des Songs. Überflüssig zu erwähnen, dass Lindis Stimme beim Hören durchgehend Gänsehaut verleiht. Gleiches gilt auch für den nächsten Titel des Albums: „High“. Ein weiterer düsterer, aber packender Song. Was für eine grandiose Sängerin und Songwriterin!

Trotz der Düsternis ist die Tochter einer nordirischen Mutter und eines mexikanischen Vaters, die seit ihrem 16. Lebensjahr auf der Bühne steht, eine recht fröhliche junge Frau. Dies zeigt sich vor allem an dem etwas ironisch-zweideutigen „Use Me“ mit dem Ratschlag an den Liebsten, keine Drogen zu nehmen. Er solle doch sie benutzen, wenn er sich einen Kick verpassen möchte. Da sind dann eindeutig Einflüsse aus dem Blues zu spüren.

Zum Abschluss gibt es mit „Every Mile Of The Ride“ einen traumhaft schönen Walzer zum Träumen.

„Cigarettes & Truckstops“ ist ein Album, das nicht nur die Countryfans, sondern auch Liebhaber des Blues und Fans der Musik aus den 50er und 60er Jahren begeistern wird. Spannungsgeladen, elektrisierend und so unbeschreiblich fantastisch schön. Ein wenig retro, aber gleichzeitig so modern. Ein faszinierendes Album, das einen nach dem ersten Hören nicht mehr loslässt, weil es vielleicht, wie Lindi selbst, auch etwas anders ist. Natürlich eine absolute Kaufempfehlung!

Trackliste: 1. Cigarettes & Truckstops, 2, The Day You Day, 3. Lead Me On, 4. Don´t Wanna Hear It, 5. Demons Don´t Get Me Down, 6. Murder Of Crows, 7. Heaven Has No Vacancy, 8. High, 9. Use Me, 10. Every Mile Of The Ride

Andreas Hilgart

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