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Go Rhythm Go Wild Festival, Ebelsbach, 10.08.-12.08.2017

By Andrea Weber — August 20, 2017

Line Up: Omar Romero (USA), Chuy & The Bobcats (USA), Pat Capocci (AUS), The Domestic Bumblebees (SWE), Marcel Bontempi (D), The Hoodoo Tones (FR), The Booze Bombs (D)

Für die Anfahrt habe ich mir am Freitagnachmittag frei genommen. Glücklicherweise. Es sollte, dem Wetter sei Dank und auch den Staus inkl. Baustellen – eine lange Anfahrt werden. Hut ab also z.B. vor den Innerschweizern, die in ihrem Oldtimer angereist waren bzw. vor allen, die die Verhältnisse ignorierten und die weite Anreise in Kauf nahmen.
Einen ersten Rückstau gab’s vor Stuttgart. Wie erwartet. Einen Weiteren vor Würzburg. Zwischendurch machten starke Regenfälle die Weiterfahrt beinahe unmöglich…einmal war die Sicht – nun ja – eingeschränkt. Dazwischen winkten kurze Aufhellungen bis hin zum Sonnenschein…um sich ein paar Meter weiter wieder in strömenden Regen zu verwandeln. Kurz: Wir haben’s überlebt.

Die Fahrt zum Landgasthof wurde zur Herausforderung, denn um ein Hotelzimmer in der näheren Umgebung zu ergattern, hatte ich mich zu spät für’s Festival entschieden. Also mussten wir den Weg zum Dörfchen über den Hügel hinweg schon mal suchen. Endlich, um ca. 19.00 Uhr, trafen wir im Hotel ein. Rasches Einchecken, rascher Tenue-Wechsel, dann wieder über den Hügel, die Autobahn auf der Brücke überqueren und in Richtung Ebelsbach. Wegweiser zum Anlass gab’s keine.

Glücklicherweise lag der Vereinssaal an der Strasse, am Ende der Ortschaft. Wo wir dann die ersten Fans vor Ort sahen und deshalb schnell wenden und so einen der Gratis-Parkplätze ergattern konnten. Das Einchecken funktionierte problemlos. Am Freitag Abend waren nicht viele Leute vor Ort. Am Vorabend, der Pre-Party, traten die Booze Bombs aus Deutschland auf. Die haben wir verpasst.

Wir sicherten uns einen guten Platz im hinteren Teil des Saals und waren gespannt, weshalb uns jemand den Anlass als das beste Festival überhaupt schmackhaft machte Für mich lag’s am Mischpult, um’s gleich am Anfang zu sagen. Selten hat ein neutraler Mixer für einen solch guten Sound gesorgt (na ja – er sah aus, als würde er auf Heavy Metal stehen).

Für die Eröffnung des Abends waren die Hoodoo Tones aus Frankreich zuständig. Etwas unpünktlich starteten sie ihr Set. 3 Jungs, einheitlich gekleidet, voller Energie und Spielfreude. Rockabilly pur. Ich fand vor allem den Schlagzeuger gut, gab er sich doch nicht mit den üblichen Sticks zufrieden, sondern versuchte sich an alternativen Perkussionsmitteln – und hieb nicht allzu oft auf die Becken ein (das Schlagzeug klang dumpf und zurückhaltend – so mag ich’s). Die Stimmung war von Anfang an gut – was dem Charme des Sängers zu verdanken war, der das Publikum immer wieder gekonnt zu motivieren verstand. Ein sehr gutes Repertoire, gespickt mit ein paar Klassikern bot das Trio, aber auch viele eigenen Nummern gehörten dazu. Erstaunlich, dass die Band gerade ihre erste CD veröffentlicht hat, denn die Gruppe klang eingespielt und erfahren, was bei dem Alter erstaunlich îst. Ohne Aufforderung wurden Zugaben gefordert – zu Recht, wie ich finde.

Vor und nachher gab’s Musik vom DJ, zu der die meisten tanzten. Was an Festivals immer wieder geschieht, aber hier schwang tatsächlich die Mehrheit das Tanzbein – die wenigen Ausnahmen assen unten im Restaurant, besorgten sich Drinks, guckten sich die wenigen Verkaufsstände an (Schuhe, Jeans, Oberteile, CD’s und T-shirts, u.a. vom Festival) oder rauchten vor dem Eingang. Viele schienen sich gut zu kennen und waren erfreut, dass sie sich hier trafen – oder sie machten das Festival gleich zum Treffpunkt. Eine gute Voraussetzung für die Veranstalter, die dadurch schon einmal ein paar Cliquen auf Nummer sicher hatten.

Nach den Hoodoo Tones war der erste Höhepunkt angesagt: Pat Capocci aus Australien. Wer oft ans VLV (Vegas) reist, kennt den Musiker. Er tritt jeweils bei Deke Dickerson’s Gitarrenshows auf und macht regelmässig ein grosses Publikumsmagnet. Pat zeichnet sich vor allem durch sein Talent als Gitarrist aus. Und er beschränkt sich nicht nur auf ein Musikgenre, wie er an diesem Abend einmal mehr bewies. U.a. brachte er 2 hinreissende Chicago-Blues-Nummern, liess ebenso oft die 60er Jahre einfliessen, abgelöst von Rockabilly, der keine Wünsche offen liess. Was ich vor allem an dem Künstler Pat Capocci mag: Er bringt keine ellenlangen Gitarrensoli. Man weiss, was kommt und ist überrascht, wie präzise der junge Mann eine Melodie widergibt. Erfahrung hat er ja, tourt er doch ausgiebig. Er weiss, wie er das Publikum für sich einnimmt. Auch am Festival konnte ihm keiner widerstehen. Er wiederum revanchierte sich, indem er sein Bestes gab. Kein Wunder also, verlangte das Publikum vom Australier Zugaben.

Auf Australien folgte Schweden. Besser: Die Domestic Bumblebees. Ehrlich gesagt, ist es beinahe unmöglich, Pat zu toppen. Und es war bereits früher Morgen, als die Jungs die Bühne betraten. Sie hätten Spitze sein müssen, um uns zum Bleiben zu bewegen. Stattdessen behagte uns der Gesang des Leadsängers nicht und irgendwas am Stil störte ebenfalls, weshalb wir nach gerade mal zwei Nummern den Saal verliessen und nach einer Fahrt über Stock und Stein erschöpft ins Hotelbett fielen. Übrigens wurde zwischendurch angekündigt, dass der Floh Markt, der tags darauf im Freien geplant war, ob des schlechten Wetters bzw. des Regens in den Saal verlegt würde.

Am Samstagmorgen brachen wir dann zu früh zum Secondhand Markt auf. Kurz nachher wieder zurück, baten wir im Hotel um ein Mittagessen (normalerweise serviert die Gaststätte keine), um uns kurze Zeit später mit vollem Magen vor Ort zurückzufinden. Die Flohmarkt-Stände, inzwischen aufgebaut, boten ziemlich alles, was das Herz eines 50er Jahre Fans schneller schlagen lässt: Kleider, Schuhe, Nippes, Haushaltartikel, Schilder, etc. Erstanden haben wir nichts.

Hernach fuhren wir wieder zurück ins Hotel, denn zwischendurch gab’s für unseren Geschmack eine zu lange Pause (muss das sein?). Um ca. 20 Uhr trafen wir wieder im Saal ein. Diesmal fanden wir keinen Parkplatz vor Ort. Schliesslich stellten wir den Kleinwagen in einer ruhigen Wohngegend ab.

Etwas verspätet eröffnete Marcel Bontempi aus Deutschland den Abend. Obwohl auf Hillbilly konzentriert, gefiel uns seine Show nicht und wir suchten im Freien, an den Ständen und an der Bar Ablenkung. Marcel’s Stimme ist gut, allerdings wünsche ich mir bei Harmonien schon, dass die zweite Stimme sitzt. Die Begleitmusik war nicht schlecht, der Saal zu Beginn der Show überfüllt. Wir hielten uns beim Eingang auf, wo ein ständiges Kommen und Gehen war, was uns nervös und unruhig machte. So entschieden wir uns kurzerhand dazu, den Saal bzw. Eingangsbereich zu verlassen. Heisst: Kann auch sein, dass nicht mal die Musik schuld war. Vielleicht sehen wir die Gruppe einmal, wenn wir entspannter sind.

Als Nächster war Omar Romero dran. Den wir ebenfalls aus Vegas kennen. U.a. ist er Produzent der Delta Bombers. Was keiner glaubt, wenn er den feinen, sensiblen Rockabilly mit den rauen, ungehobelten Klängen der Deltas vergleicht. Omar Romero in seinen tadellos sitzenden Anzügen macht etwas her – er kann nicht übersehen werden, mit seinem imposanten Auftreten. Wenn er dann noch als Musiker auf der Bühne steht, ist er unwiderstehlich. Wobei: Ich würde lügen, würde ich sagen, ich habe den Kleinen nur in Topform erlebt. Für Ebelsbach reiste er eigens mit seiner eigenen Band, den Stringpoppers, an – die später auch Chuy begleiten sollten. Für jeden Interpreten in grosses Plus, wenn er auf die eigenen Musiker zugreifen kann/darf. Zu oft haben wir mittlerweile ‚grosse Stars‘ gesehen, die es fertig brachten, total neben den Schuhen zu sein, nur weil die Band nicht mit ihnen mithalten konnte (oder umgekehrt).

Und während Omar auf einer akustischen Klampfe zupfte, griff sein Gitarrist zur Telecaster. Rechts von Omar stand der Kontra-Bassist, hinter ihm hatte sich der Schlagzeuger breit gemacht. Mir gefiel der Schlagzeuger der Franzosen, ehrlich gesagt, um einiges besser, ging jener doch sparsamer mit der Benutzung der Becken um.

Trotzdem: Omar Romero ist ‚ne Klasse für sich. Oberklasse, sozusagen. Und ich spreche nicht von seinem guten Aussehen, nicht von seinen Tanzeinlagen auf der Bühne (er scheint aus Gummi zu sein): Omar Romero sucht sich die richtigen Stücke aus und gibt diese authentisch an das Publikum weiter. Er weiss auch um Ohrwürmer und setzt sie gekonnt ein.

Das Einzige, was ich dem Mexikaner an dieser Stelle ankreiden muss: Seine Nummern sind extrem kurz . Auch auf der neuen CD. D.h. sie bewegen sich zwischen 1:50 und 2:10 Min. Eigentlich ist das Beschiss. Wenn ich den Tonträger erstehe, warten auf mich Stücke, die allesamt kürzer wie 2.30 sind….bei 13 Nummern….Ich finde auch, Omar ist noch jung. Da soll genug Energie vorhanden sein, die Titel in normaler Länge vorzutragen. Die Delta Bombers, seine Kumpels, schaffen es auch. Und die geben sich an den Konzerten noch mehr aus, wie ihr Mentor. Sollte dies ein neuer Trend sein, werde ich inskünftig die Länge der Stücke, die ich kaufe, im Auge behalten, denn gut finde ich sowas nicht.

Auf Omar, der eine kurze Zugabe gab und eine weitere verweigerte, folgte Chuy mit seinen Bobcats. Auch Chuy ist bei Wild Records und trat in Ebelsbach mit derselben Begleitband wie Omar Romero auf. Übrigens ist das in Vegas in den letzten Jahren eine echte Krankheit geworden: Zu viele Künstler sind bei Wild Records unter Vertrag. Dadurch hört man immer mehr oder weniger denselben Sound… ein ganzes Wochenende lang (?) – mal abgesehen von den Hauptakten. Doch zurück zu Ebelsbach: Chuy bewegt sich in Sachen Gesang in Omar Romero’s Schatten. Ob er glaubte, dies mit rauen Zurufen beim Publikum wieder wett zu machen? Auch er startete erst nach Mitternacht, was heisst, dass er erste Sahne hätte sein müssen, um uns bei der Stange zu halten, denn wir waren übermüdet. Am nächsten Tag wartete eine lange Heimreise auf uns nach wenig Schlaf, wollten wir doch das Frühstück im Hotel wenigstens am Sonntagmorgen nutzen. Demzufolge verabschiedeten wir uns vor Ende von Ebelsbach und von Wild Records.

Wieder über’n Berg fahren, um ca. 1.30 Uhr im Hotel eintreffen, ins Bett fallen und quasi durchschlafen. Am Sonntagmorgen kurz nach 09.00 Uhr genossen wir ein bescheidenes Frühstück, hernach ging‘s zur grossen Tankstelle, wo wir noch einmal auf 2 Festivalbesucher trafen, hernach traten wir den Rückweg an – diesmal über Ulm, mit einem langen Stopp im schönen Rothenburg o.d.T. Dort fotografierten wir, assen Fränkische Bratwurst und spazierten wie die vielen anderen Touristen durch die Gassen der Stadt. Lustig war, dass wir auch in dieser Stadt, die nun schon ein paar km von Ebelsbach entfernt ist, auf einen Ami-Schlitten trafen, nachdem wir die Burgmauer abgelaufen sind. Auf der Reise tauschten wir die unterschiedlichen Eindrücke, die das Festival bei uns hinterlassen hat, aus und hörten in Omar Romero’s neue CD ‚rein.

Fazit: Die Festival-Organisation war gut, wenn auch mit langen Pausen zwischen den unterschiedlichen Veranstaltungen und den Konzerten (Samstag Flohmarkt ab 13.00 Uhr, Konzert erst wieder um 21.30 Uhr). Ins Gewicht fiel auch die Wettersituation, denn die sorgte dafür, dass Wanderungen in der Umgebung oder ein Ausflug in die Stadt nicht in Frage kamen. Auf das Autocorso und die Jive-Lektionen haben wir verzichtet, ins Gespräch mit anderen Festivalbesuchern kamen wir nicht. Wohl auch, weil wir uns neben dem Konzert nicht gross in der Halle aufhielten und uns z.T. abseits der Menge aufhielten.

Was mir bleiben wird, ist der gute Sound am Festival….. eine Seltenheit. Dankeschön, Leute.

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