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Voodoo Swing – 29.06.2017 – Gaststätte Engel, Dornbirn

By Andrea Weber — Juni 30, 2017

Mitten in der Woche, 1 1/2 Std. Anfahrt – für welche Band lohnt sich das? Nun ja, um’s kurz zu sagen Für Voodoo Swing aus Phoenix, AZ. Das Trio ist einfach gut genug, die lange Reise nach einem stressigen Arbeitstag auf sich zu nehmen, obwohl tags darauf erneut das Büro ruft.

Die Band, die eine gekonnte Mischung aus Blues und Rockabilly macht, besteht aus dem Gitarren-Genie Shorty Kreutz, dem fantastischen Doghouse-Bassisten Tommy Collins und dem ausgezeichneten Schlagzeuger Walt Spano. Shorty fungiert übrigens als Gitarrenlehrer für 10-jährige – nur so nebenbei. Seit anfangs 90er Jahre machen sich die Jungs vor allem für originalen Rock’n’Roll und Rockabilly stark. Wie bei den Delta Bombers, heisst es jedoch auch bei Voodoo Swing: Entweder man mag sie, oder man mag sie nicht. Absprechen kann man ihr Talent ohnehin nicht. Während viele Shorty für seine Gitarren-Riffs bewundern, geht mir eher der Rhythmus ans Herz, denn der ist das, was die Band extrem stark macht. Und dieser geht nicht nur von der Gitarre aus, auch der Bass und das Schlagzeug tragen vehement dazu bei. Heisst: Bei Voodoo Swing sind alle 3 Musiker gleich stark. Wobei bei diesem Konzert, im kleinen Engel, das Schlagzeug zugegebenermassen wohl etwas ZU dominant war.

Zuerst hiess es aber: Den Engel suchen. Denn so einfach lässt der sich ohne Navy nicht finden. Zumal wir spät abfuhren. Am Ende ging’s uns aber wie immer: Mit Verspätung fanden wir uns am Veranstaltungsort ein. Und natürlich waren die wenigen Parkplätze besetzt. Also irgendwo den Kleinwagen abgestellt – auf eigenes Risiko hin. Hat geklappt, übrigens. Heisst: Keine Busse.
7 Euro für den Eintritt – davon kann die Schweiz nur träumen. Und das für 2 Rockabilly-Sets der Extra-Klasse. Und wie gewohnt, unterhielten sich die Bandmitglieder am Abend mit jedem, der auf sie zuging. Das ist selbst bei unserer Subkultur eine Ausnahme – eine generöse Geste von Musikern, die damit einfach ausdrücken wollen, dass sie sich nicht besser fühlen, wie ihr Publikum. Danke, Leute.
Der kleine Raum war rasch voll und ich war überrascht von der Dankbarkeit des Veranstalters den Zuschauern gegenüber. So bedankte er sich bei uns einige Male für’s Kommen. Nun, Didi: Wir haben uns zu bedanken. Denn so traurig es ist: Die Schweizer sind anscheinend nicht gewillt, Voodoo Swing auftreten zu lassen. Ich schäme mich für mein Volk, ehrlich. Einen SO schlechten Geschmack hätte ich uns nicht zugetraut. Schade. Einmal konnten Voodoo Swing bei uns am Blues Ball auftreten. Aber auch nur da. Und das ist schon einige Jahre her. Glücklicherweise haben sie uns in guter Erinnerung behalten, denn noch heute schwärmen sie von der Menschenmenge, die sich damals zusammenfand, um ihrer Musik zu frönen.

Gestern blieben wir aber ziemlich die einzigen Vertreter unseres Landes, was uns nicht weiter störte. Denn wir geniessen Voodoo Swing, seit wir sie das erste Mal in Luzern sahen. Für sie reisten wir sogar nach Hamburg (mit der Eisenbahn!) und letztes Jahr bereits nach Dornbirn. Es gibt halt Bands, für die nimmt man alles in Kauf. Weil sie einfach ZU gut sind, um auf sie verzichten zu können. Und dafür sind wir Didi, dem Veranstalter, dankbar. Er verschaffte uns die Möglichkeit, die Gruppe überhaupt in unserer Nähe zu sehen bzw. zu erleben.

Aber zurück zur Musik: Voodoo Swing weiss, was die Fans hören möchten. So brachten sie gestern u.a. ihr geniales „My Grease Hair“ oder „My Rockabilly Martial Girl“ – neben dem bekannten Jimmy Reed Stück „You Got Me Dizzy“ und dem Klassiker „Be Bop A-Lula“ – letzteres ganz in Voodoo Swing-Manier. Auch ihr neues Album hatten sie im Gepäck und stellten gleich einige Nummern daraus vor. Wieder ein grossartiges Werk, das ein paar Ohrwürmer offeriert. Die CD/EP nennt sich „Nervous Wreck“ und ist hier erhältlich: https://www.amazon.de/NervousWreck/dp/B071S4XC41/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1498799711&sr=8-1&keywords=Nervous+Wreck. Anlässlich der Voodoo-Swing-Tournee kriegt man die Scheibe billiger vor Ort – inkl. Autogramm und ein paar netten Worten. Anhören kann man die Band auf You Tube.

Bleibt nur nochmal zu sagen: Schade, dass ich am Freitag arbeiten musste. Sonst hätten wir das zweite Set vollständig hören können. Auch andere bedauerten, dass sie vorher gehen mussten. Somit wünschen wir uns alle 2018 einen Konzert-Freitag oder Konzert-Samstag. Wäre toll. Ansonsten gehen wir halt wieder ohne Schlaf arbeiten. Wie heute.

Voodoo Swing wünschen wir jedenfalls viel Glück, bei allem, was sie anpacken. Noch viel Erfolg auf ihrer Tournee (heute sind sie in Rosenberg, Deutschland) und wir hoffen schon heute auf ein Wiedersehen – Keep on Rolling, Boys.

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