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Viva Las Vegas Rockabilly Festival 2017 / Sin City, USA

By Andrea Weber — April 24, 2017

Nun – das Programm der 20. Jubiläums-Ausgabe war unglaublich. Nicht nur Altstars (Brenda Lee, Gene Summers, Doug Kershaw) sollten mit von der Partie sein. Musiker wie Lee Rocker, Babe Miller, Michael Hurtt & His Haunted Hearts, Eddie Angel, die Alex Vargas Band oder die Ragtime Wranglers beteiligten sich am Anlass. Klar, dass man bei dieser Auswahl einfach nicht alles mitmachen konnte….. So schwer es fiel.

Der Direktflug verlief problemlos, wenn er uns auch endlos lange (11 Std. und 50 Min.) vorkam. Von dem Angebot Tom Ingram’s, im Vorfeld einen Taxi zu günstigen Konditionen zu bestellen, haben wir abgesehen. Ein normales Cab genügte zu unserem Hotel. Einmal mehr stiegen wir nicht im Orleans, dem Veranstaltungsort ab, da wir in der Nähe eine sehr ruhige, wenn auch nicht unbedingt günstige Unterkunft fanden. Das Schwimmbad dort ist klasse, von der Strasse ist nichts zu hören und man erholt sich ein wenig vom Trubel, den das VLV mit sich bringt. Eine Küche, Mikrowelle und einen Kühlschrank gehören zur Standard-Ausstattung – wer will, kann sich also selber versorgen und kommt so günstiger.

Am Sonntagabend kamen wir pünktlich an, passierten die Passkontrolle problemlos und trafen eine Stunde später im Hotel ein, wo wir es uns gemütlich machten. Am Montag ging’s ins Outlet, einkaufen. Am Dienstag dann auf grosse Bustour (Abholung um 05.45 Uhr im Hotel, retour um ca. 19.00 Uhr im Hotel – per Shuttle) zum Grand Canyon. Ich kann diese nur wärmstens empfehlen, haben wir doch 4 Stunden Aufenthalt und können uns dort verweilen…u.a. auf dem Skywalk…. Oder beim Einkaufen von Indianerwaren. Diesmal erstand ich eine amüsante Kutsche, mit Schafen auf dem Kutschbock, die gemäss kleinem Schild auf der Seite einen Cowboy anheuern möchten. Gebastelt ist das ganze aus leichtem Holz und ein wenig Wolle für die Schafe. War am Ende etwas sperrig im Gepäck…aber es war einfach ZU amüsant, um stehengelassen zu werden. Nun bin ich stolze einer ausgefallenen, echten indianische Handarbeit…..

Am Mittwoch fuhren wir abends ans Delta Bombers Konzert. Dieses fand in der Nähe der Freemont Street, im Bunkhouse-Saloon, statt. Dort trafen sich Fans aus aller Welt. Wir sprachen kurz mit einem Schotten, verloren ihn doch bald aus den Augen, denn der Raum war schnell überfüllt. Die Bombers selber zeigten einmal mehr eine energiegeladene Show, voll Temperament, anzüglichen Sprüchen und Rebellion. Ich staune immer wieder, wie sich so junge Kerle dem Blues derart emotionell verschreiben können und ihn so genial ans Publikum bringen. Es gibt Leute, die schwärmen für Hank Williams II. Ich finde den nicht mal halb so gut und amüsant wie die Bombers….. Auf jeden Fall feierten sie sich an diesem Abend einmal mehr selber. Sogar der überraschend langsame Waltz wurde mit grossem Applaus belohnt. Frühzeitig verliessen wir den Anlass, denn die Rückreise nahm einige Zeit in Anspruch und wir waren, im Gegensatz zu allen anderen, mit dem Bus und nicht mit einem Mietwagen angereist.

Am Donnerstagnachmittag holten wir unser Armband für’s VLV ab. Entgegen bösen Anfeindungen im Internet die dem Veranstalter, Tom Ingram gewidmet sind, erhielten wir unseren Pass problemlos und schnell. Auf nette Art und Weise wünschte das Mädel uns Spass …und ab ging’s, ins McMullican’s, essen. Das irische Restaurant liegt direkt gegenüber dem Orleans, wo das Festival stattfindet. Es wurde 2015 und 2016 zum besten Restaurant in Las Vegas gekürt – mit Recht, wie wir finden. Der Kartoffelstock war wie bei Mutti, nichts schmeckte, wie sonst in den Staaten, süss und wenn man nicht wie ich noch den Salat dazu bestellt, sättigen die Portionen, bevor es einem übel wird (meine Schuld).

Am Abend wollten wir ans Konzert, stritten uns aber, so dass wir beide stattdessen ins Hotelzimmer gingen, um unseren Frust auszuschlafen. Dadurch verpasste mein Begleiter ‘seine’ Kim Lenz und ich ‘meinen’ Jack Baymoore. Tja. Gesehen haben wir trotzdem noch Texas Steve im Ballroom. Dieser bringt Rockabilly mit Country- Steel Gitarre, Gitarre, Bass, Telecaster und Schlagzeug. Der Musiker glänzte vor allem durch den Gesang. Er brachte abwechselnd Rockabilly und traditionelle Country Musik. Den Anfang von den Planet Rockers kriegte ich ebenfalls mit. Sie haben mich nicht sehr beeindruckt. Es geht hier wohl mehr um Kult, nicht um den Gesang oder die Musik.

Am Freitag hatte mein Begleiter Geburtstag. Zum Mittagessen verabredeten wir uns mit amerikanischen Freunden, die sich zufällig in der Stadt aufhielten. Also ging’s wieder ins irische Pub, wo wir uns eilig verabschieden mussten, denn mittlerweile war das Festival in vollem Gange.
Die ersten, die wir sahen, waren die Firecrackers im Bailiwick Pub. Dort sahen wir später auch Babe Miller, von dem ich gemäss den Videos auf You Tube mehr erwartet hatte. Schlecht war er aber nicht. Eine gute Rockabilly-Band, mit Marshall Scott Warner am Schlagzeug. Hernach ging’s ins Ballroom, wo wir die Doel Brothers genossen. Mal abgesehen vom lästigen Western Swing waren ihre Hillbilly Stücke grossartig. Nicht zuletzt, weil sie diese mehrstimmig brachten – etwas, das einmal mehr vielen anderen Bands am Festival abging. Viel eher wechseln sich die Sänger ab, was ebenfalls eine gute Methode ist, Kurzweil ins Set zu bringen. Ich persönlich mag Harmonien lieber. Kommt wohl von meiner Vorliebe für Bluegrass. Die Doel Brothers machten für mich einen ersten Höhepunkt Angesicht des Programms. Wir kauften denn im Anschluss auch ihre CD. Die gefällt mir. Die Stars of Rockabilly, darunter Larry Collins und Jack Baymoore, verpasste ich unglücklicherweise (Erklärung: Dringendes Geschäft). Dafür war ich bei Si Cranston voll dabei. Und auch wenn mir sein Swing Stil eher nicht liegt, kann ich nicht umhin, seine Bühnenpräsenz und seine Stimme zu loben. Genial, was dieses schmächtige Bürschchen da von sich gab. Erinnerte mich ein wenig an Cicero. Dank den Spuny Boys, die um 02.30 Uhr am Samstagmorgen auftraten, wurde die Nacht lang. Ihren Auftritt in der Schweiz werde ich nicht vergessen, da sie sich damals voll austobten – nicht nur, was den Bühnenauftritt, sondern auch die Stimme anbelangte. Auch in Vegas gab Remy alles. Nur eben nicht stimmmässig, sondern showmässig. Vielleicht gehört ein ‘Shower’ einfach zum Image von Vegas – ich fand’s schade, dass er dabei die Musik mehr und mehr vergass. Wir verliessen den Raum frühzeitig und ich war enttäuscht, habe ich mich auf die Jungs doch von allen am Meisten gefreut. Denkste. Jugend unterscheidet sich wahrscheinlich dadurch von meinem Alter, dass sie über nichts nachdenkt, sondern einfach das macht, was sie gerade empfindet. Für mich ging deshalb der Auftritt der Spuny Boys in die Hosen.
Den Samstag eröffnet einer unseren Nachmittag, den wir am Festival immer wieder im Publikum entdeckten: James Intveld. Bevor er loslegte, fiel mir seine Band auf. Die 4 Männer waren in traditionellen Westernanzügen und Cowboyhüten gekleidet. Machte eine gute Gattung, das Ensemble. Und dementsprechend fiel die Qualität der Show von Mr. Intveld aus. Wenn auch eher Country-lastig, war sie hochstehend, was nicht zuletzt den Top-Begleitmusikern zu verdanken war.

Lee Rocker eröffnete, wie James Intveld an der Car Show (im Freien) auftretend, mit dem Stray Cat Strut. Seine Show war mittelmässig, dabei kann er’s, wenn er will. Seinen Auftritt in Frankreich werden wir nicht vergessen. Dort hat er alles gegeben. Am VLV leider nicht. So hätte er denn u.a. Blue Moon of Kentucky lieber weggelassen….

Jinx Jones haben wir nur kurz gesehen. Er ist ein ausgezeichneter Gitarrist, der eher auf Surf macht. Mein Begleiter machte kein Hehl daraus, dass er ihm nicht gefiel, also ‘raus, aus dem Raum.

Es folgte – für uns – Deke’s Guitar Geek Show. Bis die Türen öffneten, mussten wir mehr als 1 Stunde in der Schlange ausharren. Die wand sich kurz vor Türöffnung durch’s ganze Casino – was deutlich macht, wie beliebt Deke ist. Den Höhepunkt machte hier Larry Collins, der allerdings 2 x auf die Bühne gerufen werden musste, bis er sich die Ehre gab. Meiner Meinung nach war er betrunken. Mein Begleiter fand ihn gut. Ich fand ihn zumindest besser, wie in Wisconsin, als wir uns das letzte Mal sehen. Er gab sich mehr Mühe, spielte mehr Gitarre, als damals und sprach über seine LP (die ich auch habe), diejenige, die er mit Joe Maphis machte.

Die Alex Vargas Band begann ihr Set mit einem anspruchsvollen Sound, der uns beiden nicht gefiel. Gegen Ende tauten die Jungs aber auf und gaben alles, was das Publikum entsprechend quittierte. Vor allem die letzten Songs, die ein bisschen an die Delta Bombers erinnerten (sie sind ja auch bei Wild Records), waren klasse. Bei der Vargas Band stimmt einmal mehr alles: Der spitzenmässige Gesang wie auch die Begleitmusik.
Die Atomic Drifters traten am Samstag im Bailiwick auf. Der Gesang war vor allem am Anfang nicht gerade top, verbesserte sich jedoch. Die Songs bestanden mehr oder weniger aus Honky Tonk, Rockabilly und klassische Country-Musik. Die Band war gut genug, im Anschluss an ihre Show noch die selbstgebastelte CD zu kaufen (selber aufgenommen, beschriftet und Cover selbst entworfen).
Die nächsten , die wir nicht verpassen wollten, waren die Lustre Kings. Die hatten wir bereits in Vegas nach ihrer Tour mit Wanda Jackson genossen. Auch diese Gruppe bietet ein ausgezeichnetes Repertoire, einen Top Gitarristen und Sänger, nämlich Herr Gamsjager. Ich freue mich jetzt schon auf die Band am Walldorf Weekender, haben sie doch erneut bewiesen, wie gut sie sind. Egal, ob es sich um Rockabilly, Honky Tonk oder Hillbilly handelt: Die Lustre Kings beherrschen ihr Metier. Die Jacke hätte ich übrigens gerne, Mr. Gamsjager.

Am Sonntag überraschten uns die High Jivers aus Nashville. Das Mädel besitzt eine ausgezeichnete, tiefe, lasche, ja erotische Stimme und weiss sie auch einzusetzen. Das Sax wäre nicht nötig gewesen und die Musikerin hatte damit ihre liebe Mühe, allmählich wurde es besser. Klasse Aufritt, Mädels.

Auch Michael Hurtt & His Hauntet Hearts traten im umgebauten Bailwick’s (früheres Brennan’s) auf. Der Raum ist luftiger geworden, er bietet nun in der Mitte eine Bar, rechts bequeme Stühle und Tische, links Bänke und Tische sowie eine Tanzfläche vor der Bühne. Das Essen besteht aus durchwegs einladenden Gourmet-Häppchen. Wir trafen kaum auf Fans, die explizit kamen, um Mr. Hurtt zu sehen, den Mann aus Louisiana, der infolge dem Sturm Kathrina nach Detroit umzog. Doch die Wenigen, die gezielt kamen, begrüssten ihn alle mit Handschlag. Und er unterhielt sich ungezwungen mit ihnen. Auch Michael’s Set war zu Beginn etwas – nun – lasch? Doch dann drehte er auf und legte einen guten Auftritt hin, den sein Publikum mit Applaus belohnte. Er nannte übrigens jeweils die Komponisten der folgenden Stücke, wobei auffiel, wie breit sein Wissen ist und dass er Quellen anzuzapfen weiss, die nur wenigen vertraut sind.

Den Höhepunkt machte für mich, wie für viele andere anscheinend auch, am Sonntagabend Dave und Deke’s Hillbilly-Fest. Diesmal mit einem ganz, ganz besonderen Höhepunkt: Dem Cajun-Fiddler Doug Kershaw. Neben dem sympathischen, kleinen Scotty Broyles, der mit einer verstärkten Mandoline ebenso brillierte. Ich weiss nicht, was ich bei Deke zuerst anführen soll: Den Kenny Rodgers-Look-alike-, oder den Taback-Spuck-Wettbewerb, den Mountain Tanz von Mitch Polzak, der auch am Banjo alles gab, die Witze von Deke und Dave oder den einmaligen, unvergesslichen Auftritt von Doug Kershaw. Am Morgen noch guckten wir uns im Hotel ein altes Video an, wo Doug mit der Fiddle tanzte, sang und musizierte. Ich wette, der Mann stand nie still, damals. Umso gespannter war ich, wie er mit dem Alter nun umging. Nun: Wie früher. Auch heute noch trägt Doug Westernhemden mit Fransen, die er geschickt zu tragen weiss, bzw. in welchen er sich so bewegt, dass die Fransen im Takt zur Musik fliegen. Es war unglaublich, welche Stimmung er zustande brachte, als er Diggy-Liggy-Lo (ein absoluter Cajun-Ohrwurm) oder Louisiana Man anstimmte (der übrigens, wie uns erzählt wurde, das erste Musik-Stück war, das auf dem Mond abgespielt wurde). Unterstützen liess er sich auf der Bühne nicht nur durch Deke, der sich zurückhielt und Dave, der ihn ständig hochnahm, sondern auch durch seinen Sohn, der ihn entweder auf der Gitarre begleitete oder seinem Vater die unterschiedlichen Instrumente (er spielte ebenfalls Gitarre) zutrug. Verabschieden tat sich die Truppe mit dem unerlässlichen Jambalaya. Ich denke, dass Doug durch seine Präsenz, seinen Humor und nicht zuletzt sein Können viele Fans für die Cajun-Musik gewonnen hat. Mögen sie weder das Genre, noch den Mann je vergessen.

Ein schöner Abschluss für ein tolles Festival, an dem meiner Meinung nach einzig zu meckern war, dass, verliess man den Ballsaal für etwas Unerlässliches, ein Zurückkommen nur durch das Anstehen in der Schlange (ca. 1 Std.) möglich war. Das hätte anders gelöst werden können. Und wieso mussten jene, die einmal drin waren, mit jenen, die schlichtweg zu spät waren, anstehen? Nicht zu denken, wenn ich alleine an die Show gegangen wäre und die Tasche inkl. Portemonnaie im Raum geblieben wäre.
Ansonsten verbeuge ich mich einmal mehr vor dem Veranstalter Tom Ingram, allen Musikern, die wir sahen (und auch jenen, auf die wir leider verzichten mussten), sowie den DJ’s, aber auch dem Publikum, das einmal mehr friedlich blieb und das genoss, was ihm geboten wurde.

Am Montag ging’s dann zuerst mal ans Ausschlafen, dann wieder ins Outlet und auf dem Weg dorthin in den neuen Harley-Laden, der vom Strip in die Nähe des Las-Vegas-Willkommens-Zeichens verlegt wurde. Ein Besuch ist lohnenswert. Weniger für’s Portemonnaie (teuer!), sondern eher von den ausgestellten Maschinen und den restlichen Harley-Produkten her gesehen. Witzig ist auch, dass Harley im Laden das Las Vegas-Zeichen nachgebaut hat, ein Motorrad davor hinstellte und die Leute sich auf diesem nun selber fotografieren können.

Am Dienstag fuhren wir in den weitentferntesten Wall-Mart, den uns nette Busfahrer und Passanten finden halfen. Der Junge vergass nur, uns zu sagen, wann wir auszusteigen hatten. Also kam’s noch zu einem kurzen Spaziergang. Durch die lange Busfahrt sahen wir einen gepflegteren Teil von Las Vegas, mit stabilen Häusern und schönen Gärten, beim Station Casino draussen.

Am Mittwoch, nach einem ‘Late Check-out’, ging’s Richtung Flughafen, um dort festzustellen, dass der Abflug sich um 1 Std. verzögern wurde. Nachgefragt hiess es, dass das Flugzeug die Schweiz zu spät verlassen habe. Weder die Crew, noch das Essen auf dem Heimweg kann ich rühmen. Ich hatte, ehrlich gesagt, noch die Älplermakronen, wo ich nicht wagte, darüber nachzudenken, was ich da ass. Dafür ging’s auch hier am Zoll problemlos ab.

Wir haben das 20. Jubiläum voll genossen, auch wenn’s immer wieder ein Marathon wird und wir zu Hause noch lange Erholungspause benötigen, je älter wir werden – verzichten möchten wir nicht darauf. Danke, Tom Ingram.

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