728 X 90

Queenz of Piano – EINE REISE VON KLASSIK HIN ZUM POP- ROCK

By Susann Krix — März 24, 2017

Zwar kein Country, aber doch so interessant, dass es sich lohnt darüber zu schreiben:

QUEENZ OF PIANO –  EINE REISE VON KLASSIK HIN ZUM POP- ROCK

Der Gong ertönt, die Lichter gehen aus. Die Besucher des vollbesetztem Bürgerhauses in Dreieich- Sprendlingen warten gespannt auf die beiden Gastgeberinnen – Die Queenz of Piano.

Nun erhellt sich die Bühne in rot- dunkelblauem Licht und die beiden Künstlerinnen Anne Folger und Jennifer Rüth betreten die Bühne. Ganz nah, am Bühnenrande, verbeugen sie sich Hand in Hand, um Ihr Publikum zu begrüßen. Dies schafft bereits die erste Nähe zum erwartungsvollen Musikliebhaber.

„Verspielt“, so lautet das Motto des Abends und der Name der Tour. So beginnt das sympathische Duo direkt die ersten bekannten Mozart- Klänge, dicht gefolgt vom Theremine. Dem hochtönigen Instrument, welches nur mit ganz viel Gefühl eingesetzt werden kann, werden durch Jennifer Rüth die vertrauten Titelmusik- Töne der ersten Star- Trek- Reihe entlockt. Unter großem Beifall wendet sich Anne Folger an die Gäste und erklärt zum nun anstehenden Song dessen Entstehungsgeschichte, die den Umzug in Ihre Wahlheimat Freiburg am Rande des Scharzwaldes beinhaltet. Der Titel heißt „Home“ und reißt in seiner Emotionalität und musikalischen Tiefgründigkeit die Zuhörer in seinen Bann. Abwechslungsreich erklingen nun anschließend brasilianische Rhythmen, dazu spanischer Gesang durch beide Musikerinnen, die obendrein ganz bezaubernde Singstimmen aufzuweisen haben. Man greift zu den „Chicken Shakes“ und der Song „Brazil“ wird gekonnt am Flügel sowie an Xylophon und perkussiv verwendeter Klavieraussenverkleidung zum „Mitklatscher“. Ruhigere Töne liefert Jennifer Rüths Eigenkomposition „The Fly“, die ihr auf einer Flugreise in den Kopf kam und sehr liebevoll vorgetragen wird.

Die beiden wortgewandten Kabarettistinnen parodieren in der Folge den deutschen Begriff für „Freude“. „Dort,“ so Folger, „wo man in Spanien einfach ein „Olé“ einbaut, braucht es in Deutschland schon ein wenig mehr „Arbeit“, um Freude auch empfinden „zu dürfen“. Wie man es aus Beethovens Stück „Freude schöner Götterfunken“ erahnt: Für Freude muss man so richtig was tun.“ Das Publikum schmunzelt. Erkennt sich der Ein- oder Andere vielleicht selbst darin? Beethoven wird angespielt und der „Götterfunke“ erfährt seinen Zenit der „Freude“ in einer rhythmischen Kombination, die man vorher zu diesem Stück noch nie gehört hat. Rhythmusgerät und Synthesizer gesellen sich hinzu und die beiden Pianistinnen stehen wie in Trance schwingend vor ihren beiden Flügeln und begeistern mit unvergleichlicher Originalität.

Vor einer kleinen Pause bekommt der geneigte Besucher noch einen sehr interessanten Kurs in Instrumentenkunde geboten, dessen Inhalt ganz klar die von Anne Folger liebevoll bezeichnete „E- Gitarre der Steinzeit“, die Blockflöte ist. Erstmals hergestellt in Baden- Württemberg als „Knochenflöte“, begann sie ihre Reise bis in die Neuzeit, auch, wenn beide Künstlerinnen betonen, sie würden niemals auf einer Blockflöte spielen. Diese Aussage wird zum Running Gag des Abends, der immer wieder zu einem amüsierten, entzückten Aufschrei führt.

Nun ertönt erneut der Gong und die Gäste nehmen erneut ihre Plätze ein. In der Pause gab es die Möglichkeit, sich an einem Gewinnspiel zu beteiligen: Die neue CD gibt es als Preis und die Lostrommel wird bei Hugo, Sekt und Brezeln ordentlich gefüllt.

Im bezaubernden roten Outfit betreten die beiden Schönheiten Jennifer Rüth und Anne Folger erneut die Bühne und beginnen den zweiten Teil des kurzweiligen Konzertabends mit einem Titel namens „Dezember“ aus Folgers Feder. Erinnert vom Stil ein wenig an die früheren Werke von Tori Amos, nur eben ohne Gesang. Ein sehr anmutiges Stück mit hübschen kleinen melodiösen Einwürfen.

Und da die Etüden im Klavierstudium gleichzusetzen sind wie der Abwasch und das Geschirreinräumen in der Kochausbildung, versetzt man Chopins „Opus 25 No 9“ auch gleich den passenden Text namens „Lauf, Mädchen, Lauf“, vorgetragen in sich abwechselnden, harmonischen Strophen und gemeinsamen Refrain der beiden Texterinnen.

Der Höhepunkt des Abends dürfte sicherlich die „Vollsparversion“ des „Türkischen Marsches“ von Mozart sein. Hier wird anhand von verschiedenen Sparmaßnahmen, gemünzt auf unser Wirtschafts- und Wertesystem, jegliches Kreuz, jedwede Pause, Wiederholung oder auch „halbe Sachen“ wie der Halbtonschritt, gnadenlos wegrationalisiert, so dass am Ende kaum einige Sekunden für den Liedvortrag bleiben. Letztendlich wird sogar das Bühnenlicht „eingespart“. Amüsiert wartet das Publikum auf das nächste Ereignis, welches nicht lange auf sich warten lässt: Zwei Bauarbeiterhelme mit eingebauten Taschenlampen leuchten auf und alle Lacher sind auf der Seite der „Vollsparmaßnahmen“, welche natürlich zurückgenommen und mit einer wunderbaren Swing- Version des Türkischen Marsches quittiert wird.

Knackigere Pop- Rock- Klänge wie Nirvanas „Smells like Teen Spirit“, welches den Übergang zu Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ gestaltet sowie Coldplays „Viva la Vida“ runden den musikalischen Abend ab. Die Botschaft ist eindeutig: Das Leben genießen, nicht jeden Fehler allzu ernst nehmen, sondern im Gegenteil einen Sinn oder einen neuen Weg darin finden. Dass Fehler Quellen für fruchtbaren Boden sein können, zeigt uns das Theremine, der „Teen Spirit“ oder auch der Scat- Gesang.

Mit drei Zugaben belohnen die beiden Multiinstrumentalistinnen ihr Publikum: Vittorio Montis „Csárdás“ bekommt neben Geige und Klavier noch Begleitung mit der Melodika, dem Sahneschäumer an den Klaviersaiten, welcher diesen eine wunderschöne, orientalische Note gibt, ein kleines Becken und ein Tamburin finden ihren Platz auf den Klaviersaiten, um perkussiv zu wirken und zum guten Schluß geben sich Geige (Jennifer Rüth) und Akkordeon (Anne Folger) noch ein Stelldichein.

Bedankt wird sich neben dem Publikum auch bei Dominik am Licht und Stefan am Ton, bevor das Wiegenlied in vielen Sprachen und landestypischen Klängen (Deutschland, Frankreich, Niederlande, Schweiz, Russland, um nur einige zu nennen) erklingt und den Besucher nach einem zauberhaften Abend und mit der Lust auf eine Wiederholung hinaus aus den Türen des Bürgerhaus- Saales geleitet, allen voran Anne Folger und Jennifer Rüth, die sich direkt beim Ausmarsch am Fan- Stand platzieren und geduldig Autogramm- und Fotowünsche erfüllen sowie CDs und Werbeartikel verkaufen. Ein Abend voller Begegnungen, Klänge, Emotionen und viel, viel Liebe und Leidenschaft zur Musik.

Infos über Queenz of Piano: www.queenz-of-piano.de

 

Bericht und Fotos: Emmi Schmidt

About Author

Comments are closed.

Leave A Reply

css.php