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Reise in die Vergangenheit – Ein Reisebericht von Country Buddy

By Susann Krix — Oktober 19, 2016

Reise in die Vergangenheit

Pullman City Harz

Ein Reisebericht von Country Buddy

Puh, ich hatte es endlich geschafft, die Sonne stand schon sehr tief, staubig,durstig und mit kaputten Sohlen schleppte ich mich mit letzter Kraft in diese wunderbare Stadt. Mein Pferd hatten mir zwei Banditen in den Plains abgenommen, gerade dem Bürgerkrieg entkommen, auf dem Weg nach Westen, in ein neues Leben, ins große Glück. Jetzt mussten erstmal die Boots besohlt werden, beim Bootmaker zahlte ich 2 US Dollar dafür. Jetzt hatte ich noch einen Dollar in der Tasche. Nicht viel für ’ne sorgenfreie Zukunft. So oder ähnlich wird’s wohl gewesen sein, damals 1860 nach dem schweren Ritt nach Oregon.

Am 18.07.1866, pardon, 2016, in der Abendsonne gegen 18:30 Uhr, standen wir endlich vor diesem Eingang: Pullman City Harz in Hasselfelde. Meine Frau hatte die Idee, doch gleich den ersten Abend zu nutzen, um schon mal Pullman – Luft zu schnuppen. Die Hand an der Geldbörse, winkte uns der nette Mann von der Security einfach durch, die Kasse sei sowieso geschlossen. Und ja, man fühlt sich auf Anhieb in die Pionierzeit Amerikas versetzt, einfach genial. Jemand wie ich, der den amerikanischen Virus spätestens nach dem ersten Western im Fernsehen eingesaugt hat, sah die zahlreichen Western vor dem inneren Auge an sich vorüberziehen. Aber fangen wir mal ganz vorne an.

Wir fuhren an diesem Tag durch dieses wunderbare große Tor: Pullman City, die lebende Westernstadt. Parkplatz suchen, was kein Problem darstellte. Aus den Augenwinkeln sah ich sie dann auf ihrer Weide stehen, die Tatankas (Bisons), außerhalb von Pullman, sie hatten wohl Feierabend und genossen die warme Abendsonne. Also nichts wie raus aus dem Auto, die Kamera gezückt und herrliche Aufnahmen von diesen majestätischen Tieren gemacht, die den Indianern damals sowohl Nahrung als auch Kleidung und viele andere Dinge boten. Jetzt kann ich verstehen, welchen Gefahren sich die Indianer aussetzten, um mit Pfeil und Bogen oder Speeren ihrer Grundversorgung hinterher zu jagen.

Als wir dann in der Mainstreet von Pullman City standen, viel mir sofort der Bootmaker auf, der einen auch sehr freundlich begrüßt, sobald man seinen kleinen Wirkungskreis betritt. Ein paar Meter weiter, gegenüber vom Town Office hatte wohl die Wells Fargo für ihre Reisen-den eine kunstvolle Bank zum Warten aufgestellt. Durch die Abendsonne leuchtete das Gebäude in den tollsten Farben. Folgt man der Mainstreet kommt man zunächst mal zur Bank, daneben der Laden von Magic Tom und einer der ersten Fotografen, die sich niederge-lassen hatten. Hier hat man die Möglichkeit, Old-Style-Fotos von sich machen zu lassen, aber auch Indianerschmuck kann man dort günstig erwerben. Ein großes Bekleidungsgeschäft bildete fast das Ende des ersten Teils der Mainstreet. Auch damals gab es wohl Leute, die auf funktionelle oder elegante Garderobe Wert legten. Vor jedem Gebäude gibt es die Möglich-keit, sein Pferd anzubinden.

Wie in jeder Stadt, so gibt es auch in Pullman City Gesetze, die strikt eingehalten werden müssen, man darf hier zwar Waffen tragen, aber sie dürfen nicht geladen sein. Schießen ist strengstens untersagt. Zuwiderhandlungen werden vom Sheriff (Securyties) sofort mit dem Ausweisen aus der Stadt geahndet. Wer trotzdem seiner Schießleidenschaft frönen möchte, der kann die Shootinghall nutzen, hier zielt man mit Lichtpunktgewehren auf Zielscheiben, die eine witzige Aktion auslösen. Für mich ist das Schießverbot kein Problem, da ich sowieso keine Waffen trage.

Neben der Shootinghall hat man ein Badehaus errichtet, in dem man den Staub der letzten Tage abwaschen könnte, aber auch die nötigen Restrooms stehen hier zur Verfügung.

Gegenüber von der Shooting Hall bietet Pablo aus Mexico seine leckeren  Spezialitäten, hier gibt es mexikanischen Kaffee, auf den ich aber aufgrund seines Alkoholgehalts verzichtete, ich musste ja noch meine Frau zurück bringen.Coole Drinks und mexikanische Leckereien runden das Angebot ab. Neben der Mexicana erhob sich ein zweigeschossiger Gebäudekom-plex, als erstes fiel mir der Big Moose Saloon auf, der; was wohl im Wilden Westen eher selten war; auch draußen Sitzgelegenheiten bot.

Diesen Saloon sollte man in jedem Fall schon allein wegen der netten Saloongirls besuchen. Der Big Moose ist super eingerichtet, gemütliche Sitzecken wechseln sich mit den typischen Spieltischen ab, an denen einige Cowboys ihre auf dem Trail verdienten Dollars verzockten. Ein ausgewogenes Angebot von typischen Speisen und Getränken, sowie die täglichen Musikshows ab 19:00 Uhr fesseln den Besucher.

Neben dem Saloon befindet sich die Dancehall für die Shows am Wochenende. Dazwischen noch ein Imbiss mit sehr zivilen Preisen, das muss man wirklich erwähnen, die Getränke- und Essenpreise bewegen sich im absolut normalen Rahmen, so dass man bei längerem Aufenthalt Pullman City nicht verlassen muss. Stilvoll logieren wie ein Geschäftsmann kann man sicherlich im Grand Silver Star Hotel genau gegenüber.

Nur eine Treppe höher befindet sich der Billardsalon mit ebenfalls umfangreichem Angebot von Speisen und Getränken, Kaffee und Kuchen und einem herrlichen Blick über die Mainstreet, von hier aus sieht man das Sheriffs Office, das Grand Silver Star Hotel und zwei daneben angeschlossene Restaurants mit abwechslungsreichem Angebot. Das Ende der Main Street bildet das O’Haras, hier gibt es gerade am Wochenende leckere Nackensteaks vom Grill für € 3,50, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Der Kellner war beleidigt, das wir bei ihm nur was trinken wollten, um die Steaks zu genießen. Oberhalb von O’Haras befindet sich die kleine Kapelle und dahinter der Boothill dieser Stadt. In unmittelbarer Nähe des Boothill hat der Undertaker (Bestattungsunternehmer) sein Domizil. Hier bekommt man übrigens sehr günstig gebrauchte Kleidung, zwar teilweise durchlöchert, aber wenn man keine großen Ansprüche hat und für die tägliche Arbeit auf dem Feld oder mit den Rindern, kommt es nicht so drauf an. Für den Sonntag muss man sich natürlich herausputzen, da fragt man am besten den Herrenausstatter oder näht sich die Sachen selber.

Ein sehr interessantes Westernmuseum befindet sich einen steilen Anstieg weit entfernt, das man sich nicht entgehen lassen sollte, es befindet sich im Besitz eines privaten Sammlers, nie habe ich so viele Sporen gesehen, oder unterschiedliche Auswahl an Schuss- und Stichwaffen. Ein riesiges Diorama bildet den Abschluss an der Stirnwand des Museums.

Nun, nach 18:00 Uhr waren nur noch wenige Besucher in der Stadt, wir mussten uns dann auch bald wieder verabschieden. Erster Eindruck von Pullman City: Super, sollte man gesehen haben.

Interessant in der Region ist sicherlich für Eisenbahnnostalgiker die Selketalbahn und die Harzer Schmalspurbahnen, sowie die Köhlerhütte an der B 81.

Aber zurück nach Pullman City Harz, diese lebende Westernstadt bietet jeden Tag einige Shows. Die  beiden ‚Mountainmen’ mit Melone sind meiner Meinung nach in dieser Show nicht  authentisch.   Die Mountainmen trugen einfache, bequeme Kleidung, waren den Indianern wohlgesonnen, hatten Messer, Beile, aber auch Pfeil und Bogen und gingen der Jagd nach. Beeindruckend fand ich wiederum die Colt und Peitschenshow in der Mainstreet oder die indianische Tanzshow in authentischen Kostümen, ebenfalls in der Mainstreet. Empfehlenswert auch die Horse Man Ship Show, dort wird dem Besucher die artgerechte Arbeit mit dem Pferd gezeigt.

Ich ging beim zweiten Besuch hinter der Kasse links herauf und da sah ich sie dann wieder, des Indianers Grundnahrungsmittel, die Tatankas (Bisons) in einem abgesperrten Gehege, das man aus respektvoller Entfernung beobachten kann. Geht man zu dicht ans Gatter, greift der Bulle auch schon mal an. Gegenüber des Bisongeheges ein kleiner Zoo für Meerschweinchen und allerlei Vögel. Neben dem Bisongehege sah ich sie dann in Lebensgröße vor mir, die Texas – Longhorns, friedlich dösten sie in der Sonne.

Einen Steinwurf entfernt, der Laden von Trucker – Horst, leider geschlossen, da Horst zur Zeit böse erkrankt ist. Tonky Town ist das Indoor – Spielparadies für die kleinen Cowgirls und –boys, hier können die kleinen Racker toben ohne Ende. Auch hier die Restrooms gleich nebenan.

Nie hätte ich gedacht, dass ich zu Fuß einmal Alaska erreiche, aber ich stand plötzlich vor dem gemütlichen Yukonsaloon mit seinem ausgewogenen Angebot an Speisen und Geträn-ken. Auch hier fühlt man sich wie ein Cowboy, Goldgräber oder Glücksritter. Überall gibt es Getränke und Speisen in guter Qualität und zu moderaten Preisen. Neben dem Yukonsaloon kann man sich seinen Sattel, Gürtel oder ähnliches auffrischen lassen oder neu beschaffen. Sehr schöne Punzierarbeiten findet man dort. Gleich um die Ecke befindet sich ein Schießkino, wo man sich an Pfeil und Bogen probieren kann oder sich mit Schusswaffen dem gefährlichen Duell stellt.

Es ist schwer jedes Detail von Pullman City zu erwähnen, weil man alle paar Meter vor neuen Eindrücken steht, erwähnt sei, dass immer wieder berittene Cowboys oder Indianer den Weg kreuzen, man steht aber auch waschechten Trappern, Goldsuchern und sogar versprengten Südstaatlern gegenüber.

Eigentlich, so wäre es geschichtlich auf jeden Fall realistischer, müsste der Haupteingang an das riesige Weißzeltlager verlegt werden, denn hier wird auf eindrucksvolle Weise der Wer-degang der Siedler gezeigt. Einige haben bereits eine Holzhütte gebaut, diese mit einer Zelt-plane bedeckt, andere wiederum sind wohl gerade mit ihrem Planwagen angekommen, haben sich ihren kleinen privaten Bereich abgesteckt und wohnlich eingerichtet. Sie leben mit den Indianern friedlich nebeneinander. Andere haben nur ein großes Zelt stehen, Goldgräber haben ihre Waschanlage aufgebaut und machen wohl gerade ihre wohlverdiente Pause. Schüt-zend neben dem Weißzeltlager hat sich das Fort William Clark etabliert, was aber anschei-nend schon zu klein ausfällt. Wer mal echtes Soldatenfeeling erleben möchte, kann sich hier mit seiner Gruppe einqartieren. Kinder können dort an einer Station Gold waschen und es gibt welche, die tatsächlich Nuggets finden. Abschließend sei erwähnt, das sich das gesamte Lager im Privatbesitz der Hobbyisten befindet, die dort geraume Zeit in Pullman City verbringen. Ansprechen der Leute, Fragen zu stellen, das kann man nur empfehlen, da die Hobbyisten gerne Rede und Antwort stehen. Pullman City Harz, die lebende Westernstadt.

Indianergeschichtlich ist das Mandanerdhaus erwähnenswert, hier taucht man ein in die Lebensweise mancher Indianerstämme, eine Trutzburg gegen feindliche Angriffe, da solche Häuser schwer auszumachen waren. Untermalt wird das Ganze mit zahlreichen Ausstellungs-vitrinen, eine beinhaltet eine Halskette mit mumifizierten Fingern, wie gut, dass diese Zeiten vorbei sind. Aber auch Alltagsgegenstände, Waffen und Bekleidung werden gezeigt. Trapperstühle, die um eine Feuerstelle herum plaziert sind, Felle und kunstvoll bestickte Decken runden das Bild ab. Westernfreunde möchten eigentlich gar nicht mehr ins normale Leben zurück kehren.

Ob zahlreiche ‚normale’ Besucher, die einfach mal schauen möchten, all diese Mühe der Betreiber zu schätzen wissen, möchte ich in Frage stellen. Einige Besucher sind nur da, weil man Pullman mal gesehen haben sollte. Manche vermitteln den Eindruck, das sie die Hobbyisten nur müde belächeln.

Ich habe größten Respekt vor den Hobbyisten und der Mühe, die sie sich machen, um den Mitmenschen ein Stück amerikanische Geschichte näher zu bringen.

Abschließend sei das Highlight eines jeden Tages erwähnt: Buffalo Bills Wild West Show, eingeordnet in verschiedene Zeitabschnitte, von der Besiedlung und erste Kontakte zu den Indianern, über die großen Trecks, den Bürgerkrieg, das Leben in einer solchen Stadt und na-türlich den Bisons und Longhorns, die durch die Mainstreet getrieben werden. Buffalo Bill selber kommentiert und erklärt die einzelnen geschichtlichen Etappen spannend und mitrei-ßend. Zahlreiche Lacher sind ihm dabei sicher. Russel Burke z. B. ritt in der Show mit und präsentierte typische Songs aus dieser Zeit mit seiner Gitarre. Während der gesamten Show fällt nicht ein einziger Schuss, fließt kein einziger Tropfen Blut und man ist Tieren, die man sonst nicht sieht, sehr nahe. Kinder und Erwachsene sollten sich nicht scheuen, Kontakt mit Pferden und Ponys aufzunehmen, sie zu streicheln oder einfach mal einen Trail mitzumachen.

Wer wie ich auf einem Pferderücken, eine eher witzige Figur abgibt, dem bleibt die Kutschfahrt, die man im Town Office buchen kann. Auch das gibt einen Einblick in die Stra-pazen, die die Siedler auf sich genommen haben.

Pullman City Harz  – Your welcome

Bye, bye und schaut mal vorbei

Euer Country Buddy

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