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Brian Setzer Heineken Music Hall Amsterdam 16. Juli 2016

By Andrea Weber — Juli 18, 2016

Brian Setzer_2Da mein Begleiter Brian’s Show in Las Vegas verpasste, beschloss ich schon früh, Billette zu seinem einzigen Konzert in Europe zu buchen. Zwar hat der Gitarrist und einstige Frontmann der Stray Cats auch noch Festival-Auftritte in Belgien und im Norden anzubieten, doch in Amsterdam sollte er eine ganze Show bestreiten…..mit seiner Band, Rockabilly Riot. Also hin und vorderhand entscheiden, ob mit Flugzeug oder per Auto. Die Alternative war der Flug, da jener beim Vergleich mit den Kosten, dem Stress, etc. besser abschnitt….. also KLM buchen und ab nach Amsterdam.
Samstagmittags um 14 Uhr ging der Flug von Zürich nach Holland. Ankunft in Amsterdam vor 16 Uhr problemlos. Zum Bahnschalter hin und zwei Tickets für den Zug zu lösen, war nicht weiter schwierig. Der Auskunft zufolge, die wir am Infoschalter der Bahn erhielten, nahmen wir den Zug, genau gesagt den Sprinter, Richtung Hoofddorp. Eine falsche Auskunft, wie sich herausstellte.
Dort angekommen, verliessen wir das Gefährt und waren verloren. Also nachfragen (kein Bahnangestellter da). Bei Wartenden. Eine Mutter mit Tochter meinte, wir sollen ihnen folgen. Sie müssten auch dort hin (ans Beyoncé-Konzert, nebenan). Demnach wieder rein in den Zug und umsteigen, um schliesslich in der Haltestelle Bijlmer Arena auszusteigen.

Vor der Heineken Music Hall hatte sich bereits eine kleine Menge Teddyboys und –girls aus Holland, Belgien, evt. Frankreich, Österreich und Deutschland versammelt. Erfahrungen wurden ausgetauscht, Kontakte geknüpft. Ein Hamburger Stand in der Nähe verringerte bei meinem Begleiter das Hungergefühl. Unterdessen wartete die Menge geduldig, bis nach 18.30 Uhr die Türöffnung erfolgte.
Im Halleninnern trafen wir zuerst auf den Verkaufsstand, wo 3 verschiedene Setzer-T-Shirts angeboten wurden, neben  CD’s und ein paar anderen Gegenständen. Also hin und Konzert-Leibchen kaufen. Und  weiter in die Halle. Vor der Bar wurde uns mitgeteilt, dass wir im Foyer zuerst „Tokens“ kaufen müssen, um Getränke zu kriegen. Also wieder raus und  Münzen besorgen. Für 20 Euro gab’s 14 Tokens. Und für 14 solcher Münzen 2 Mal Getränke für 2 Personen. Vorausgesetzt, man teilte die Dinger sparsam ein.

Wir beschlossen uns, wie viele andere, vor der Bühne hinzustellen, auch wenn zuerst Danny Vera auftreten sollte. Auf You Tube zeigt sich dieser stimmgewaltig, d.h. zeitweise klingt er nach Roy Orbinson. Zuerst liess er aber auf sich warten. Dann enttäuschte er. Für mich war die Anlage falsch eingestellt, Danny‘s Gesang kam nicht so rüber, wie er sollte und der Stil hatte wenig mit Rockabilly zu schaffen. Vor John Fogerty hätte man den jungen Sänger gut einsetzen können. Nicht aber vor Brian Setzer, den er als eines seiner Idole bezeichnete. Ich war froh, wurde die Orgel nicht allzu oft eingesetzt, sondern wechselte der Organist auch mal zur Gitarre. Der Schlagzeuger war gut. Er wurde auch gefordert, denn Danny’s Sound bringt viele Tempo-Wechsel mit sich. Politisch scheint der Interpret ebenfalls zu sein, so meinte er zwischen den Songs, die Welt würde mehr Liebe benötigen. „A little extra love“, wie er’s nannte. Ich denke, ein Setzer Publikum ist für ein solches Thema nicht der perfekte Ansprechpartner, auch wenn Danny durchaus richtig liegt. Ich persönlich hab‘ nur seinen „Folsom Prison“-Song in Erinnerung. Da sang er ohne Mikrophon. Diese Einlage gefiel mir.  Auf jeden Fall war ich froh, dass Danny sein Set relativ zeitig beendete, auch wenn sich am Ende zeigte, dass er durchaus motivieren konnte, denn einige sangen seine Stücke mit…..

Eine lange Pause folgte. Der ‚Master‘, wie er von Fans genannt wird, liess  auf sich warten. Stattdessen konnten wir seine Rowdies bei der Arbeit beobachten. Sie alle trugen Brian-Setzer-Tour-T-Shirts, arbeiteten also in Uniform.
Als der Star der Show schliesslich, in schwarzen Lederhosen und Westernhemd gekleidet, die Bühne betrat, jubelte ihm die nicht sehr grosse Menge frenetisch zu. Ich denke übrigens nicht, dass die vorausgesagten 750 Personen anwesend waren. Begleiten liess sich Brian in Amsterdam von einem Bassisten, einem Pianisten und einem Schlagzeuger. Mr. Setzer stellte die Band zwar vor, doch blieben mir die Namen nicht. Und ich finde im Nachhinein keine Informationen über seine Musiker. Als ob die Gruppe nicht wichtig wäre. Schade. Dieser Fehler wird immer wieder gemacht. Da steht Brian Setzer nicht alleine da. Meiner Meinung nach steht und fällt ein Star jedoch  mit seiner Band….. Egal, d.h. so oder so:  Der unbekannte Pianist übernahm zwischendurch eine Gitarre und zeigte sich darin geübt. Es handelte sich allerdings um ein akustisches Modell. Wenn mich nicht alles täuscht, um eine Martin.

Den Abend eröffnete Brian mit Carl Perkins’ „Put your Cat Clothes on“. Dem folgte ein frenetisches „Rumble in Brighton“, bald gefolgt vom „Stray Cat Strut“. Auch der „49 Mercury Blues“ liess nicht lange auf sich warten. Bei „Great Balls of Fire“ zeigte sich denn das Können des Pianisten, in dem er auf Jerry Lee Lewis machte. Ein Medley mit „Slow Down/Folsom Prison“ folgte. Beide Titel wurden von der Menge dankbar und begeistert aufgenommen. Nach „Gene & Eddie“, einem Tribut an Gene Vincent und Eddie Cochran, stimmte Brian„Blue Moon of Kentucky“ an. Darauf hätte ich als Bluegrass-Fan gut und gerne verzichten können, verwandelte Brian Setzer den Bluegrass-Klassiker doch mittels Gretsch-Gitarre in ein pures Jazz-Stück. Ich denke, Big Mon‘ hat sich im Grabe umgedreht. Wenigstens nahm der Schlagzeuger hier die Brushes in Anspruch. Mit „Runaway Boys“ ging die Tour durch die grössten Stray-Cats-Hits weiter. Die Zugabe, nach der geschrien wurde, machte meines Erachtens das Beste aller Stray Cats-Stücke, das auch den damaligen Zeitgeist ausdrückt: „Rock This Town“ neben „Fishnet Stockings“.

Brian Setzer zeigte sich insgesamt spielfreudig und kommunikativ. Die Band schien Spass zu haben. Einzig das Duell zwischen Martin- und Gretsch-Gitarre wich von der Setliste ab. Der kleine Gitarrist, der sich an der akustischen Klampfe abmühte, kriegte einen hochroten Kopf vor Eifer….. Keine Chance, mittels akustischer Klampfe die Gretsch-Gitarre von Setzer zu übertönen. Irgendwo zwischen drin, ich weiss nicht mehr genau, bei welchem Stück, zeigte der Bassist ebenfalls, was er drauf hatte. Seine Solo-Einlage wurde vom Publikum mit einem Extra-Applaus belohnt. Der Star selber hatte als Sänger ab spätestens Mitte des Sets Mühe, sich durchzusetzen. Immer mehr versagte seine Stimme, einmal hat er den Text vergessen.  Ich persönlich halte den jungen Mann ohnehin für keinen guten Sänger, weshalb ich mir wünsche, dass er sich nicht auch noch Bluegrass-Stücken widmen würde.

Trotzdem: Für die Brian Setzer Fans am Konzert war klar: Der Meister hat sich einmal mehr bewiesen. Heisst: Sie waren nicht umsonst zum Teil von weit her angereist (ich hab‘ Italiener im Publikum beobachtet), um ihrem Idol zu huldigen. Somit lohnte sich der Abend für sie sicherlich. Und Brian Setzer hat sich ihnen zuliebe auch alle erdenkliche Mühe gegeben. Er bedankt sich übrigens auf seiner Web-Seite für die Unterstützung durch die Fans in der Heineken Music Hall von Amsterdam.

Nach der Show kauften seine Anhänger am Souvenir-Stand ein und verabschiedeten sich langsam in die Nacht …draussen waren bald nur noch einzelne Fans auszumachen. Ganz im Gegensatz zu den Beyoncé-Fans, die erst jetzt massenhaft vom Konzert strömten…so mussten wir denn in einem vollgestopften Zug zurück zum Flughafen reisen, wo wir noch 6 Stunden Zeit hatten, uns auf den Rückflug nach Zürich vorzubereiten.
Und während es in der Nacht regnete, zeigte sich der Morgen freundlicher, als wir pünktlich, wenn auch völlig übermüdet, unsere Heimreise antraten.
Zu Hause angekommen begrüsste uns Sonnenschein, dem wir aber nicht mehr huldigen konnten, weil wir zuerst Schlaf nachholen mussten. Heute, am ‚Tag danach‘, sieht das Ganze freundlicher aus. Fazit: Die Reise hat sich gelohnt. Auch wenn wir hoffen, dass wir Brian Setzer in nächster Zeit bei uns in der Nähe begrüssen dürfen…..

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