728 X 90

Die Germein Sisters im „Speicher“ in Bad Homburg: Der musikalische Zauber des jungen australischen Trios erzeugt Gänsehaut

By Andreas Hilgart — September 14, 2014

12. September 2014

Viele Stufen geht es hinauf zum Veranstaltungsort im Kulturbahnhof in Bad Homburg. Seit ungefähr einem Jahr gibt es hier den „Speicher“, wo – wie der Name schon sagt – ganz oben, direkt unter dem Dach – regelmäßig Konzerte stattfinden. Erster Eindruck: Der „Speicher“ ist eine Location mit einer besonders stimmungsvollen Atmosphäre. Und diese einzigartige Atmosphäre ist so wunderbar passend zu dem, was an diesem Abend hier stattfinden wird: Das Konzert der Germein Sisters aus Australien.

Beim Schreiben des Berichts über das Konzert dieser musikalischen Neuentdeckung geht es mir aber gerade ähnlich wie beim Schreiben der CD-Besprechung. Wie soll man das in Worte fassen, was die drei jungen Musikerinnen aus Australien da im „Speicher“ im Kulturbahnhof in Bad Homburg auf die Bühne zauberten? Man muss es einfach erlebt haben oder bei einem der kommenden Konzerte selbst dabei sein. Bereits bevor die drei Schwestern die Bühne betreten, liegt da schon ein Zauber in der Luft. Angefangen von den Ranken, die sich um die Mikrofonständer winden, bis hin zu der geheimnisvoll violett-rot ausgeleuchteten Bühne.

SONY DSCZwei Tage zuvor waren Georgia, Ella und Clara zusammen mit ihrer Mutter nach einem langen Flug in Deutschland angekommen und hatten tags zuvor sogar bereits einen Radioauftritt beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Und nun bestreiten sie das erste von vielen Konzerten ihrer Tour, die sie durch ganz Deutschland bringen wird. In der Schweiz stehen dann sogar einige Schulkonzerte an.

Georgia (Vocals, Gitarre, Piano, Ukulele) mit schwarzem Hut, Klara (Drums, Gitarre, Backing Vocals) und Ella (Elektrisches Cello, Bass, Backing Vocals), die einen Blumenkranz im Haar trägt, betreten die Bühne. Kleine Lichter sind an den Instrumenten und an den Ranken angebracht. Der Auftritt hat fast schon etwas Feenhaftes, aber das nicht nur äußerlich, sondern dann auch musikalisch.

Der erste Song ertönt: „Nice To See You“ von ihrem Album „Because You Breathe“. Passender hätte der Einstieg in das Konzert nicht sein können. Musikalisch sind die Schwestern drei großartige Talente. Sofort wird man als Konzertbesucher von dem wunderbaren Harmoniegesang verzaubert. Und es ist erstaunlich: Trotz der manchmal sehr komplexen und komplizierten Harmonien, die dann aber doch wieder so einfach und einprägsam klingen, sitzt wirklich jeder Ton. Der Gesang verleiht – angefangen vom ersten Ton des Konzerts – Gänsehaut. Und Georgia, Ella und Clara besitzen bereits mit gerade mal Anfang Zwanzig eine enorme Bühnenpräsenz.

SONY DSCGleich mit dem zweiten Song präsentieren sie ihre aktuelle Single „DaDaDoo“, einen Titel mit absolutem Chartpotential und Ohrwurmcharakter. Georgia animiert das Publikum dazu, bei dem Song mitzusingen. Dabei erhält man auch einen kleinen Einblick in den zum Teil komplexen Harmoniegesang des Trios. Die rechte Seite im Saal soll Georgias Schwester Ella stimmlich folgen, die linke Seite Clara. Ja, die Drei lieben Harmonien und ihnen gelingt es sogar, das Publikum in ihrem Harmoniegesang mitsingen zu lassen. Die Chemie zwischen den Musikerinnen und ihrem Publikum stimmt von Anfang an. Die Australierinnen kommunizieren mit ihrem Publikum und sie vermitteln an diesem Abend, dass Musik trotz der vielleicht ein oder anderen Sprachbarriere eine globale Sprache ist. Georgia bringt sogar einige Sätze in Deutsch und zum einjährigen Bestehen der Location gibt es ein Geburtstagsständchen in Deutsch. Musik ist international, das leben die Germein Sisters vor. Gerade waren sie auch erfolgreich durch China getourt und man kann Karin Wirthmann von „Blue Box Music & Media“ einfach nur dankbar sein, dass sie die Drei auch nach Deutschland geholt hat und dem deutschen Publikum vorstellt. Die Germein Sisters – was für eine musikalische Entdeckung!

SONY DSC„Time Time Go Away“ – ein Song zum Weinen schön. Ich hatte ja vor dem Konzert ein wenig die Befürchtung, dass diese komplexen Harmonien live überhaupt nicht zu singen wären. Aber der Gesang kommt tatsächlich live fast sogar noch besser rüber als auf CD, denn das Trio ist auf der Bühne absolut authentisch und echt. „Please Be O. K.“ – teilweise ist das, was die drei Schwestern musikalisch abliefern, an Dramatik kaum zu überbieten. Die Songs, die Georgia schreibt, sind zum Teil sehr persönlich und die Songwriterin hat das Talent, Alltägliches in große Songs zu packen.

Das Album der Germein Sisters wurde von Billy Farrell, der sich auch schon für Produktionen von The Corrs oder Westlife verantwortlich zeigte, in Irland produziert. Zu den Corrs besteht auch musikalisch eine große Verbindung, schließlich ist Sharon Corr auch bei zwei Aufnahmen des Albums zu hören.

SONY DSCBei den Germein Sisters steht Familie groß im Vordergrund, wovon dann auch der nächste Titel „Sunny Days“ handelt. Immer wieder lassen sie auch ihre Deutschkenntnisse aus ihrer Schulzeit mit einfließen, so wenn Ella zum Beispiel davon erzählt, dass sie neben dem Bass auch Tischtennis spielt. Dass es die jungen Frauen auch rockig drauf haben, beweisen sie mit „It´s A Shame“. Dieser Song, so Georgia, sei an alle „Haters“ gerichtet, die dich nach unten ziehen können.

Mit ihrer Tour stellen die Germein Sisters dem deutschen Publikum gleichzeitig ihr Debütalbum (unsere CD-Besprechung siehe http://www.countryhome.de/?p=2403) vor, das am 26. September 2014 erscheinen wird und an diesem Abend schon vorab zu erwerben ist.

Das zweite Set nach der Pause beginnen die Australierinnen mit dem Titel „Wake Up“ aus Georgias 2010 erschienenem Soloalbum „Take My Hand“. Wir können erfahren, welche musikalischen Vorlieben die Drei besitzen, und es steht dann auch eine eigene Version des Coldplay-Titels „Magic“ auf dem Programm, gefolgt vom Titelsong ihres Albums „Because You Breathe“. Den Song schrieb Georgia für eine Freundin, die eine schlechte Zeit mitmachen musste. Georgias Songwriting zeigt große Reife und bei ihren Live-Auftritten können die Musikerinnen ihren Songs eine zusätzliche Ausdruckskraft verleihen. So auch bei „How Can I Close My Eyes“. Der besondere und ganz eigene Sound dieses Trios begeistert das Publikum, das den Texten und Tönen der drei Schwestern gebannt lauscht. Die Zuschauer lassen sich auch nicht lange bitten, hier mitzusingen. Ein musikalischer Zauber liegt da beim Konzert der Germein Sisters in der Luft. Und dann wieder diese perfekt gesungenen komplexen Harmonien bei dem Titel „Golden“.

SONY DSCDas Publikum spendet begeistert Applaus und so kommt es noch in den Genuss von zwei Zugaben. Zum einen mit „Don´t Wait“, einem weiteren Song aus ihrem Album, und zum anderen eine Coverversion des Avicii-Titels „Hey Brother“, von dem man glaubt, er wäre eigens für die Germein Sisters komponiert worden.

Es ist da ein musikalischer Zauber zu spüren, der von den Germein Sisters ausgeht. Musik, die zugleich süchtig und glücklich macht. Die stehenden Ovationen des Publikums am Ende des Konzerts zeugen von dieser Begeisterung, die diese jungen Australierinnen bei den Gästen im „Speicher“ in Bad Homburg entfacht haben. Es bleibt schwierig, die musikalische Faszination, die von diesem Trio ausgeht, in Worte zu fassen. Man muss die Germein Sisters einfach selbst erleben. Für mich sind sie die musikalische Folk-Neuentdeckung des Jahres 2014.

Germein Sisters, Bad Homburg – Speicher, 12. September 2014 from Andreas Hilgart on Vimeo.

Andreas Hilgart

Comments are closed.

Leave A Reply

css.php