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Martina McBride: Everlasting

By Andreas Hilgart — April 17, 2014

(VÖ: 4. April 2014; Vinyl Recordings / Kobalt Label Services / Rough Trade; auch als Download erhältlich)

Soul / R & B / Blues

Titelliste: 1. Do Right Woman, Do Right Man (Aretha Franklin); 2. Suspicious Minds (Elvis Presley); 3. If You Don’t Know Me By Now (Harold Melvin & The Blue Notes); 4. Little Bit Of Rain (Fred Neil); 5. Bring It On Home To Me (duet with Gavin DeGraw) (Sam Cooke); 6. Come See About Me (The Supremes); 7. What Becomes Of The Brokenhearted (Jimmy Ruffin); 8. I’ve Been Loving You Too Long (Otis Redding); 9. Wild Night (Van Morrison); 10. In The Basement (duet with Kelly Clarkson) (Etta James and Sugar Pie DeSanto); 11. My Babe (Little Walter); 12. To Know Him Is To Love Him (The Teddy Bears)

Genau, bei Martina McBrides neuem Album handelt es sich keinesfalls um Country. Das ist Soulmusik, R & B und Blues. Und das sind alles auch Cover von Evergreens. Da lässt sich dann auch der Albumtitel „Everlasting“ erklären. Auf „Everlasting“ finden sich unvergängliche Hits, die hier sehr nah am Original umgesetzt wurden. Eigentlich konnte man da im Grunde gar nichts falsch machen – die Songauswahl auf der Titelliste spricht für sich und die stimmgewaltige Martina McBride, eine der großen Stimmen des Country, kann natürlich die insgesamt zwölf Titel natürlich auch tragen. Bläserensemble und ein Backgroundchor für die Soultitel, erstklassige Gitarristen und eine erstklassig gespielte Bluesharp bei den Bluestiteln. Ja und wenn dann auch noch jemand wie Don Was dieses Album produziert, dann ist das, ganz klar, auch ein erstklassig produziertes Album. Das Cover hat den Look einer abgegriffenen Schallplattenhülle und verleiht dem Ganzen auch noch den notwendigen Retro-Look.

__mm_album_cvr_retouch_2A_MG_5527 1Dass das Album eine Herzensangelegenheit für McBride ist, ist ebenfalls zu spüren. Die Künstlerin sagt selbst: „Ich liebe soulige Musik und es ergab für mich einfach Sinn, dass ich mich dieses Mal noch etwas mehr anstrengen musste, um etwas zu erreichen, was mein Herz erfüllt und mir außerdem erlaubt, Neues zu erkunden. Es war ein hartes Stück Arbeit, einige der großartigsten und beliebtesten Klassiker auszuwählen und diese in einer Art und Weise zu interpretieren, die einerseits dem Song treu bleiben, aber gleichzeitig selbst genügend künstlerisch einbringen, sodass der Song auch zu „meinem“ Song wurde.“

„Everlasting“ beginnt recht unkonventionell, nämlich mit einem sehr getragenen Titel: „Do Right Woman, Do Right Man“. Und vielleicht ist dadurch zu Beginn bereits etwas die Luft heraus. Erst als zweites folgt der kraftvollere Elvis-Titel „Suspicious Minds“, der sich, wie ich finde, eventuell besser als Opener geeignet hätte. Mit „If You Don´t Know Me By Now“ schließt sich ein weiterer Klassiker an, der von vielen Künstlern schon aufgenommen wurde. McBrides Version ist richtig gut produziert, aber vielleicht zu wenig innovativ und sie bietet vielleicht dadurch auch wenig Neues. Aufhorchen lassen dann einen die eher weniger bekannten bluesigen Titel „Little Bit Of Rain“ und „Bring On Home To Me“. Letzteres unter Mitwirkung des Singer / Songwriters Gavin Degraw, mit dem auch Sara Evans auf ihrem neuen Album zusammengearbeitet hat. Das Album zeigt insgesamt seine Stärken vor allem bei den Bluestiteln.

„Come See About Me“, ein alter Motown-Klassiker der Supremes. Diesen Song hatte ich ein paar Tage zuvor aber schon in einer etwas frischeren und unbeschwerteren Version auf dem dritten Teil des Soundtracks zur Fernsehserie „Nashville“ gehört. Mit „What Becomes Of The Brokenhearted“ wird der Motown-Teil des Albums fortgesetzt. Nach einem Otis Redding-Titel folgt das erste große Highlight des Albums: Der Van Morrison-Kracher „Wild Night“. Martina McBride zeigt im Unterschied zu manch ihrer früheren Alben hier ihre Stärken in den schnellen Songs. Besonders gut kann man diese Tatsache nachvollziehen, wenn man sich mal das Duett „In The Basement“ mit Kelly Clarkson genauer anhört. Zwei großartige Stimmen vereint in einem Duett. Eine weitere Steigerung bietet der Bluestitel „My Baby“, das für mich eigentliche Highlight des Albums. Eine starke Stimme, eine dominierende Bluesharp, der richtige Groove und die für den Blues typischen Improvisationen, da passt im Grunde alles. Leider fällt dann das Album am Ende mit „To Know Him Is To Love Him“ sehr stark ab, weil es dem Album diese durch die beiden letzten Titel aufgebaute Energie so plötzlich wieder entzieht.

Martina McBrides neuestes Album mit Coversongs ist handwerklich gut produziert. Leider besteht aber bei gecoverten Songs immer das Problem, dass sie immer den Vergleich mit den Originalen standhalten müssen – vor allem dann, wenn sie wie hier so nah an der Originalversion bleiben. McBrides Stärken liegen bei „Everlasting“ sicherlich in den schnellen Songs und in den Bluestiteln. Da kann Martina McBride mehr improvisieren, mehr verändern und so manchen Song wirklich zu ihrem machen. Vielleicht hätte man das Album auch hinsichtlich der Songauswahl an der ein oder anderen Stelle etwas anders zusammenstellen können.

Andreas Hilgart

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