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Nick & The Roundabouts: Woe To Live On (Der besondere CD-Tipp)

By Andreas Hilgart — April 16, 2014

(VÖ: 25. April 2014; redwinetunes; auch als Download erhältlich)

Alternative / Folk

Titelliste: 1. Some Day Soon; 2. Say; 3. By The River; 4. There´s No Other Way (feat. Carmina Reyes); 5. Carolene; 6. Picture Of Your Face; 7. Sweethearts Of The World; 8. Let´s Be Close; 9. The Traitor; 10. You´re My Town

Das Lindi Ortega-Konzert vor einigen Wochen in Berlin. Irgendwie hatten wir gar nicht mitbekommen, dass es vor dem Konzert von Lindi noch eine Vorband geben sollte. Nick & The Roundabouts? Von uns hatte noch keiner von dieser Band irgendetwas gehört. Nick und die „Kreisverkehre“? Seltsamer Name! Naja, wir warteten ja eigentlich auch auf Lindi Ortega. Da fiel meinem Journalistenkollegen eine Gruppe junger Konzertbesucherinnen neben uns auf. Und mit journalistischem Scharfsinn kam mein Kollege Hartmut Radowsky der Gedanke, diese mal zu fragen, wie sie denn auf Lindi Ortega aufmerksam geworden wären. „Wir sind eigentlich nicht wegen Lindi Ortega hier, sondern wegen Nick!“, so deren Antwort. Na, das ließ aufhorchen, wenn der Support für den Hauptact eine Gruppe von Fans im Publikum hatte, die jetzt mit dem Namen des eigentlichen Stars des Abends genauso wenig anfangen konnte wie wir von der Fachpresse mit dem Namen der Vorband.

10152915_10203039165814412_72642528_nUnd dann die Überraschung: Bei „Nick and the Roundabouts“ handelte es sich um keine Band, sondern einzig und allein um den walisisch-deutschen Singer / Songwriter Nick Sauter. Also um eine One-Man-Band, wenn man so will. Akustik-Gitarre, Mundharmonika und Kickdrum…und ein Glas Rotwein – Nick braucht nicht viel, um ein Konzert zu bestreiten. Ein Konzert rein akustisch. Und das erwartet auch den Käufer seiner Debüt-CD: ein rein akustisches Album, das in Nashville unter Mitwirkung von Neal Casal entstanden ist. Neal Casal ist Mitglied der Band The Cardinals, mit der einst Ryan Adams zusammen aufgetreten ist.

Nick ist neben seinem Soloprojekt selbst noch Mitglied der Indie Rock-Band ´Pardon Ms. Arden´. Wie kommt es aber als Solokünstler zu diesem Bandnamen? Nick sagt dazu: „Für mich fühlt es sich so an, als wären einige Kreisverkehre in meinem Kopf. In meinem Leben sind Dinge passiert, über die ich immer und immer wieder nachdenke, ohne auch nur einen Schritt weiter zu kommen. Fast so, als würde man immer und immer wieder in einem Kreisverkehr herumfahren, ohne die richtige Ausfahrt zu finden. Wenn man es so betrachtet, helfen die Roundabouts mir also, Songs zu schreiben.“ Die Songs des Albums zeugen dann auch von einer solch einnehmenden musikalischen und inhaltlichen Dichte und Intensität, obwohl sie jetzt nicht die großen Themen behandeln. „Die meisten meiner Songs handeln von Frauen“, so Nick. „Und das ist nichts, wofür ich mich schäme. Ich neige dazu, Songs über Personen und Dinge zu schreiben, die mein Leben direkt beeinflussen. Es gibt Leute, die viel bessere Songs über übergeordnete Themen wie Politik oder das Wetter schreiben, als ich es je könnte. Ich schreibe Songs über die Liebe, und vor allem den Verlust von Liebe.“ Daher vielleicht auch der recht poetische Titel des Albums „Woe To Live On“: Kummer, mit dem man lebt.

Musikalisch hat hier Nick im Genre des Alternative / Folk, das in letzter Zeit durch Bands wie Mumford & Sons oder The Lumineers wieder stark in die Öffentlichkeit gerückt ist, einen für sich eigenen Stil gefunden. Wer modernen Folk-Pop und eher das musikalisch Leise, das Intensive sucht, der wird das Album auch in sein Herz schließen können. „Woe To Live On“ ist sicherlich kein Mainstream und das macht das Hören des Albums dann auch irgendwie unheimlich spannend. Mit Nicks Album ist es wie mit dem Rotwein, von dem Nick immer ein Glas auf der Bühne stehen hat. Rotwein benötigt nach dem Öffnen etwas Zeit zum Atmen, das Album benötigt etwas Zeit und vielleicht auch ein mehrmaliges Hören, bis man den Zugang findet. Bei mir war dieser Moment da, als ich diesen wunderschönen Song „There´s No Other Way“ gehört habe, den Nick Sauter zusammen mit der in München beheimateten Singer / Songwriterin Carmina Reyes, geschrieben und auch aufgenommen hat.

Musikalisch fließen in den Songs neben dem Folk immer wieder Elemente des Americana oder des britischen Pop mit ein. Inhaltlich schildert Nick in seinen Songs mit leichtem walisischem Akzent Gedanken zu zwischenmenschlichen Beziehungen. Einige der Songs wie „Carolene“ bleiben auch sofort im Gehör und haben durchaus Hitpotenzial. Das Schöne an dieser Musik aus dem Bereich des Alternative ist doch, dass diese Musik nicht so austauschbar klingt wie der Mainstream, dem man täglich durch das Radio ausgesetzt ist. Das Album und seine Songs sind auf jeden Fall etwas Besonderes.

Andreas Hilgart

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