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Cassadee Pope: Frame By Frame

By Andreas Hilgart — April 07, 2014

(VÖ: 21. März 2014; Republic Nashville / Universal Music; auch als Download verfügbar)

Countrypop

Titelliste: 1. Good Times; 2. Champagne; 3. Wasting All These Tears; 4. I Wish I Could Break Your Heart; 5. Everybody Sings; 6. You Hear A Song; 7. This Car; 8. One Song Away; 9. Easier To Lie; 10. 11; 11. Proved You Wrong

Manchmal hat man das Gefühl, dass es in der Popwelt fast nur noch im TV gecastete Sängerinnen und Sänger gibt. Da macht Cassadee Pope auch keine Ausnahme. 2012 gewann die aus Florida stammende Popsängerin die dritte Staffel der US-Ausgabe von „The Voice“. Gut, „The Voice“ ist sicherlich die Castingshow, die mehr Wert auf die Qualität der Kandidaten legt, doch ist auch hier die Chart-Haltbarkeit bzw. der Erfolg der Kandidaten wie bei anderen Castingshows bisher nur kurzfristig gewesen. Es bleibt abzuwarten, wie es da Cassadee Pope ergehen wird. Ein Jahr vor ihrer Teilnahme hatte die Sängerin die Band Hey Monday verlassen, in der sie seit ihrer Schulzeit mit Freunden Punk-Pop machte. Sie war mit dieser Band auf Tour gewesen und gemeinsam hatte die Band sogar ein Album aufgenommen. Pope entschied sich dann aber für eine Solokarriere. Bei „The Voice“ fiel sie Blake Shelton auf, der in der US-amerikanischen Ausgabe der Castingshow als einer der Coaches fungiert und zu einem ihrer wichtigsten Förderer wurde. „Blake findet einzigartige Künstler, die bereits eine eigene Version in sich tragen. Er hilft ihnen nur dabei, sie aus sich selbst heraus zu entwickeln“, so Cassadee Pope über ihren Mentor. Im Interview mit dem Rolling Stone sagt sie weiter: „In der Vergangenheit ging es immer darum, was aus Sicht der Band Sinn machen würde. Es war schwierig für mich, ein Lied zu veröffentlichen, das sehr persönlich ist, weil es vier Jungs in der Band gab, die völlig andere Hintergründe haben. Jetzt kann ich meine Persönlichkeit viel besser ausdrücken.“ Sie habe nun den Country für sich entdeckt, weil diese Musik für ehrliche Geschichten stehe, die sie erzählen möchte.

CassadeePopeFramebyFrameCoverNa gut, ob es sich bei diesen elf Titeln des Albums wirklich um typische Countrymusik handelt, sei mal dahingestellt. Gut gemachte und gut produzierte Popmusik, da könnte man sicherlich zustimmen. Tatsache ist, dass spätestens seit Taylor Swift Nashville-Country halt so klingt. Auch unter den Songwritern findet man wieder Namen wie Nathan Chapman, Sarah Buxton, Hillary Lindsey oder Max Martin. Wer sich einmal die Mühe gemacht hat, Booklets der jüngsten Country-Pop-Generation aufmerksam zu lesen, der kennt diese Namen.

Im ersten Song singt Cassadee Pope über „Good Times“ und der fröhliche Popsong macht auch richtig gute Laune. „Champagne“ beginnt bereits mit einem tanzbaren Beat im Intro und man kann die übersprühende Verliebtheit, um die es in dem Song geht, spüren.

Mit „Wasting All These Tears“ vollzieht sich dann ein Stimmungswechsel. Die 24jährige singt sich hier den Kummer über einen Partner von der Seele, der ihrer Liebe nicht wert gewesen war. In dieser Herz-Schmerz-Stimmung bleibt auch „I Wish I Could Break Your Heart“, wo sie überlegt, ihrem Partner das Herz zu brechen, um ihm eine Lektion zu erteilen. Allerdings würde sie das letztendlich niemals tun, aber es wäre gut zu wissen, dass sie es tun könnte.

Der Titel des nachfolgenden Songs „Everybody Sings“ weist bereits darauf hin, dass es sich dabei um einen richtigen Party-Popsong handeln muss. Moderner Nashville-Country arbeitet halt mittlerweile auch mit Hip-Hop-Elementen. Zwischendurch gibt´s aber auch mal eine Fiddle zu hören.

Von zwei Menschen, die eine Beziehung total unterschiedlich betrachten, handelt „You Hear A Song“. Während sie ein Chaos sehen würde, wenn sie in einen Spiegel blickt, sieht er das Mädchen seiner Träume. Sie sieht dunkle Wolken, er den blauen Himmel. Von Selbstzweifeln geplagt, fragt sie sich, warum ihr Freund sie eigentlich liebt. Das Album zeigt seine Stärken sicherlich in den eher ruhigeren und etwas nachdenklichen Songs.

In „This Car“ lässt Pope für den Hörer eine Beziehung Revue passieren und macht die Geschichte dieser Beziehung anhand eines bestimmten Autos fest, in dem die beiden so einiges innerhalb der fünf Jahre andauernden Beziehung erlebt haben.

Mit „One Song Away“ wird erneut das Ende einer Beziehung thematisiert. Der Song trägt so viel Herz-Schmerz in sich, dass es fast weh tut. Der erzählerische Song „Easier To Lie“ handelt von den Gefühlen nach einem Seitensprung. Sie hat ihn betrogen, fühlt sich schuldig, doch manchmal ist es in einer solchen Situation besser den Freund zu belügen.

Mit dem von Cassadee Pope selbst geschriebenen „11“ (Co-Autor: Nathan Chapman“) wird es autobiographisch. Die Singer / Songwriterin verarbeitet in dem sehr eindrucksvollen Song die Scheidung der Eltern, die sie als Kind selbst miterleben musste. Für mich sicherlich das Highlight des gesamten Albums. Mit „Proved You Wrong“ landen wir am Ende dann wieder beim Nashville-Countrypop.

Wer auf gut produzierte Popmusik steht, wird an dem Album und seinen eingängigen Songs bestimmt seine Freude haben. Die Songs bleiben bereits beim ersten Hören als richtige Ohrwürmer im Gehör sitzen. Dadurch schafft Cassadee Pope bestimmt auch einen gewissen Wiedererkennungswert.

Andreas Hilgart

 

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