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Dierks Bentley: Riser

By Andreas Hilgart — März 21, 2014

(VÖ: 14. März 2014; Capitol Records Nashville / Universal Music; auch als Download erhältlich)

Country / Countrypop

Titelliste: 1. Bourbon In Kentucky; 2. Say You Do; 3. I Hold On; 4. Pretty Girls; 5. Here On Earth; 6. Drunk On A Plane; 7. Five; 8. Riser; 9. Sounds Of Summer; 10. Damn These Dreams; 11. Back Porch; 12. Hurt Somebody

Zwei Jahre sind nach dem letzten Album vergangen, nun meldet sich Dierks Bentley mit seinem mittlerweile achten Studio-Album „Riser“ sehr eindrucksvoll zurück. 2012 gab es zwar mit der EP „Country & Cold Cans“ noch einen kleinen Nachschlag nach seinem letzten Longplayer „Home“, doch der aus Phoenix (Arizona) stammende Sänger ließ sich mit der Veröffentlichung eines neuen Albums etwas Zeit und seine Fans etwas warten. Somit ist es nicht verwunderlich, dass das neue Werk sofort nach der Veröffentlichung die Spitze der Billboard-Album-Charts stürmte.

Vieles und Einschneidendes ist im Leben des 38jährigen Singer-Songwriters in der Zwischenzeit passiert, wie der Tod seines Vaters und die Geburt seines Sohnes. Beide Ereignisse haben „Riser“ sicherlich geprägt. Etwas düsterer als der Vorgänger ist es geworden. Und das wird auch gleich zu Beginn bei „Bourbon In Kentucky“ deutlich, das im Vorfeld bereits als Vorabsingle veröffentlicht wurde. Im Backgroundgesang ist hier Nashvilles Shooting-Star Kacey Musgraves zu hören.

DierksBentleyRiserCoverNeben Dierks Bentley selbst liest man bei den Songs unter den Co-Autoren Namen, ohne die momentan in Nashville anscheinend kein Album mehr produziert wird. So hat Shane McAnally an „Say You Do“ und an dem sehr schönen letzten Titel des Albums „Hurt Somebody“ mitgeschrieben. Bentley hat auf seinem neuen, von Ross Copperman und Arturo Buenahora Jr. produzierten Werk mit dem Sound experimentiert und die Songs sowohl live auf altem Vintage-Equipment als auch mit modernster digitaler Technologie aufgenommen. Im Gegensatz zu den Experimenten eines Eric Church klingt das Ganze aber sehr harmonisch und die Songs bleiben nach einiger Zeit dann auch im Gehör. So auch das von Brett James und Dierks Bentley geschriebene recht kraftvolle „I Hold On“, das sich mittlerweile in die Top Ten der Billboard Country – Single – Charts platziert hat. Das Album benötigt aber schon ein wenig Zeit oder ein mehrmaliges Hören, bis es richtig wirkt. Neben den etwas nachdenklicheren bzw. intensiveren Songs finden sich auf dem Werk auch so manche etwas unbeschwert klingende Titel wie „Pretty Girls“ oder dann „Drunk On A Plane“, die von ihrem Stil her sicherlich auch auf Luke Bryans Spring Break – EPs passen würden. „Drunk On A Plane“ ist zum Beispiel ein recht lustiger Partysong. Dennoch betätigt sich Dierks Bentley hier auch als der Geschichtenerzähler, denn es gibt einen Grund, weshalb sich der Protagonist des Songs an Bord eines Flugzeugs zusäuft und mit den Fluggästen und dem gesamten Bordpersonal eine fröhliche Party veranstaltet.

Für mich der eindrucksvollste Titel des Albums ist „Here On Earth“, der sicherlich durch den Tod von Bentleys Vaters beeinflusst wurde. Im Angesicht der Trauer und des Schmerzes gebe es nur eine Antwort: Nämlich, dass es auf dieser Erde keine Antwort auf diesen Schmerz geben könne – so die Aussage des Songs. Dennoch lässt sich auf dem Album auch eine gewisse positive Stimmung festmachen. Bentley selbst beschreibt die neuen, sehr persönlichen Titel als zunächst „intensiv und düster“, um schließlich in Stimmungen von „Dankbarkeit und Freude“ umzuschlagen.

Nach dem recht ausgelassenen „Drunk On A Plane“ ist der Song „Five“ wieder etwas nachdenklicher. Es ist der Gedanke an die erste große Liebe, mit dem sich der Song beschäftigt. Die erste große Liebe lebt jetzt 600 Meilen entfernt, aber wenn sie in dieser Nacht den Protagonisten des Songs anrufen würde, würde er statt der zehn Stunden Fahrtzeit nur fünf Minuten benötigen. Bentley agiert hier erneut als der Storyteller.

Der Titeltrack des Albums, „Riser“, verdeutlicht ganz genau, was Bentley mit seiner Aussage meint, dass diese zunächst etwas intensive und düstere Stimmung seiner Songs in eine Stimmung von Dankbarkeit und Freude umschlägt. Mit „Sounds Of Summer“ folgt einer dieser unbeschwerten Sommersongs, der durchaus Hitcharakter verspricht.

Unter den Co-Autoren der nächsten beiden Titel liest man wieder einen Namen, der momentan als Songwriter in Nashville ebenfalls sehr angesagt ist: Jaren Johnston von der Band „The Cadillac Three“. Das recht persönliche, fast schon autobiographische „Damn These Dreams“ wird dominiert von der etwas hämmernden Akustik-Gitarre. „Back Porch“, ein weiterer Country-Party-Song, kennt man bereits von der EP „Country & Cold Cans“ – hier die 2014er Version. Abschließend gibt es dann noch einen wunderschönen Song, das bereits erwähnte „Hurt Somebody“.

„Riser“ ist ein Album, bei dem vielleicht erst beim zweiten Hören der Funke richtig überspringt. Dann bleiben aber die Songs auch im Gehör und man entdeckt die musikalischen Feinheiten im Sound der insgesamt 12 Titel. Ein sehr schönes Album, das man mehrmals hören kann, ohne dass es eintönig oder langweilig werden würde. Absolut empfehlenswert.

Andreas Hilgart

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