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Jon Flemming Olsen: Immer wieder weiter

By Andreas Hilgart — Februar 26, 2014

(VÖ: 31. Januar 2014; 105 Music GmbH / Sony Music Entertainment)

Folk / Country / Bluegrass

Titelliste: 1. Karl-Heinz Schmitz (The Ballroom Blitz), 2. Tage, da träum ich (Daydream), 3. Soll ich bleiben oder gehen (Should I Stay or Should I Go), 4. Der Picknicker, 5. Deine Mutti (Blame It On The Boogie), 6. Einfach glücklich, 7. Morgengrauen (Golden Brown), 8. Ich seh sie (Crazy), 9. Nicht Amerika, 10. Nicht nach Haus (Drive), 11. Bis der Morgen das Dunkel zerbricht, 12. Schlechte Welt, 13. Das wird immer sein (Gentle on My Mind), 14. Tanz durch den Müll

Das ist manchmal schon richtig toll, wenn man als Musikredakteur CDs rezensieren darf. Denn manchmal kommt man in Kontakt mit Künstlern und mit bestimmten Musikrichtungen, an denen man normalerweise vorbeigelaufen wäre. So ging es mir auch mit Jon Flemming Olsens Album „Immer wieder weiter“. Dabei ist Jon Flemming Olsen in der deutschen Countryszene nicht gerade ein Unbekannter. Vielleicht nicht gerade unter diesem Namen, denn als „The Flame“ war er Gründungsmitglied von Texas Lightning, die 2006 mit „No No Never“ die Charts stürmten und sogar als deutscher Beitrag am Eurovision Song Contest teilnahmen.

Jon Flemming Olsen ist ein Allrounder im wahrsten Sinne des Wortes. So holte ihn z. B. sein Kumpel Olli Dittrich als Imbisswirt „Ingo“ in die Kultserie „Dittsche“ und dazu passend schrieb Olsen über seine Erlebnisse bei einer Reise zu den bundesdeutschen Imbissbuden den „Fritten-Humboldt“. Und dann ist er ja noch Inhaber und einziger Mitarbeiter des Designbüros „Zweiter Stock Rechts“, wo er als Grafiker u. a. CD- und Plattencover anderer Künstler gestaltet. Letzteres erklärt auch die doch recht edle Aufmachung seines nun erschienen Solo-Albums. Die CD selbst kommt sogar im Vinyl-Look daher. Und Olsen singt deutsch. Deutsch gesungener Bluegrass, wenn man so will, bzw. deutsch gesungener Folk. Entstanden ist das Ganze aus einem Akustik-Projekt, für das Olsen alte Texas Lightning-Mitstreiter wie Markus Schmidt oder den Bassisten Laurens Kils-Hütten gewinnen konnte. Diese sind nun auch auf Jons Debüt als Solokünstler mit drauf.

Immer wieder weiter CoverWie man an der Trackliste unschwer erkennen kann, sind viele der Songs Coverversionen von bekannten Titeln der Popgeschichte – deutsch gesungene Cover. Dass dieses Vorhaben aber tatsächlich gelingen kann, beweist Jon Flemming Olsen bereits beim ersten Titel, einer deutschen Version von The Sweets „Ballroom Blitz“. Bei Jon Flemming geht es um einen Typen namens Karl Heinz Schmitz, der den großen Macker raushängen lässt.

Bei Titeln wie „Daydream“, im Original von „The Loving Spoonful“, kann man sich eine derartige musikalische Umsetzung vorab natürlich besser vorstellen als jetzt bei „Should I Stay Or Should I Go“ der britischen Punkband „The Clash“. Aber es gelingt durchaus, diesen ursprünglichen Punksong mit schönen Banjo- und Mandolinensoli zu versehen. Besonderes Augenmerk sollte man allerdings auf den nachfolgenden Titel legen: „Der Picknicker“, ursprünglich von den Fantastischen Vier, wird bei Jon Flemming Olsen zu einem richtig schönen akustischen Klangerlebnis. In Jon Flemming Olsens Version gefällt mir der Titel fast noch besser als im Original. Recht witzig ist auch die Verwandlung des Disco-Krachers „Blame It On The Boogie“ der Jackson 5 zu „Deine Mutti“.

Zwischendrin gibt´s dann auch den ein oder anderen Originalsong wie „Einfach glücklich“, der eine große Leichtigkeit ausstrahlt.

Titel wie „Morgengrauen“, im Original „Golden Brown“, schaffen natürlich trotz des neuen akustischen Kleides auch eine gewisse Vertrautheit, weil man die Songs kennt. Über das Texten in deutscher Sprache sagt Olsen: „Es war eine der größten Überraschungen meines Lebens, zu merken, dass ich das konnte: deutsche Songs schreiben. Bislang hatte ich immer nur auf Englisch getextet. Dabei ist es ein so großartiges Gefühl, wenn die gesungenen Zeilen nicht mehr nur eine lautmalerische Kulisse sind, sondern direkt verstanden werden. Die Reaktion steht den Leuten ins Gesicht geschrieben, vom Lachen bis zur Träne im Augenwinkel.“

Aus der Hip Hop-Nummer „Crazy“ wird eine ruhige Ballade mit Geigenklängen. Recht ruhig bleibt es dann auch mit dem eher nachdenklichen „Nicht Amerika“, das den Abschied von Kindheitsträumen thematisiert. Olsen legt Wert auf die Musikfarbe aus einem rein akustischen Instrumentarium. Dieser rein akustische Klangteppich ist auch wunderschön anzuhören, wie bei „Nicht nach Haus“, einer Version des 80er Jahre-Titels „Drive“ der Band „The Cars“. Traumhaft schön dann Olsens Eigenkomposition „Bis der Morgen“ – ein Song, so richtig zum Dahinschmelzen.

Im typischen Bluegrass-Stil ist „Schlechte Welt“ arrangiert. Dabei handelt es sich um einen richtigen Nörgler-Song. Während in Olsens Eigenkompositionen, wie „Tanz durch den Müll“, die eher nachdenklichen Momente überwiegen, handelt es sich bei den Coverversionen meist um Mitsingnummern, so auch bei „Das wird immer sein“, im Original „Gentle On My Mind“.

Jon Flemming Olsens Album ist richtig schön anzuhören und sorgt beim Zuhörer sicherlich auch für die notwendige Ruhe – Abschalten vom hektischen Alltag. Eine eindeutige Kaufempfehlung!

Andreas Hilgart

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