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Lindi Ortega: Tin Star

By Andreas Hilgart — Februar 16, 2014

(VÖ: 15. November 2013; Last Gang Records; auch als Download erhältlich)

Alternative

Titelliste: 1. Hard As This, 2. Gypsy Child, 3. Tin Star, 4. Voodoo Mama, 5. Lived And Died Alone, 6. I Want You, 7. This Is Not Surreal, 8. Something For You, 9. All These Cats, 10. Waitin‘ On My Luck To Change, 11. Song About

Da lebt in Nashville eine aus Toronto stammende Singer/Songwriterin, die sich musikalisch so gegen die Nashville-Musikindustrie bewegt, dass man einfach auf sie aufmerksam werden muss. Spätestens seit der TV-Serie „Nashville“, wo man ihr einen Cameo-Auftritt ins Drehbuch schrieb, dürfte der Name Lindi Ortega einem Countrymusikfan sicherlich ein Begriff sein. Mit „Tin Star“ liegt nun auch seit November letzten Jahres ein weiteres herausragendes Album dieser Künstlerin vor.

Da singt sie in „Hard As This“ von einer schwierigen Liebesbeziehung und in „Gypsy Child“ von einem Mädchen, das es wegen der Musik von Toronto nach Nashville / Tennessee verschlägt. Die Parallelen zu Lindi Ortegas eigener Biographie scheinen hier durchaus vorhanden zu sein. Doch interpretiert sie ihre Songs auch mit einem kleinen Augenzwinkern, sodass hinter all der Melancholie in ihren Songs und in ihrer Stimme auch immer ein wenig Humor mitschwingt.

Tin Star CoverLindi Ortega hat einen für sich eigenen Stil – nicht nur musikalisch, sondern auch optisch in ihrem Auftritt – entwickelt, der für einen hohen Wiedererkennungswert in der hart umkämpften und auf Charterfolg getrimmten Countryszene sorgt. Ortega ist ein Star der Independent-Szene in Nashville, wenn sie auch vielleicht nicht so bekannt und gut bezahlt sein dürfte wie z. B. eine Carrie Underwood. Aber vielleicht ist es auch gut so, dass man ihre Songs nicht in den Billboard Charts findet. Ortegas Stil ist so erfrischend anders. Und sie kann in einem Lied davon erzählen, wie es ist, in Nashville eine der zahlreichen Musikerinnen zu sein, die für ein paar Pennys auf der Straße oder für ein bisschen Trinkgeld in einer der Bars auf dem Nashville Broadway singt („Tin Star“). In „Voodoo Mama“ nimmt uns dann Lindi Ortega mit in das Zentrum des Blues, nach New Orleans, das sie irgendwie magisch anzuziehen vermag.

„Lived And Died Alone“, ein melancholisches Klagelied über ein gebrochenes Herz, ist dann wieder so herzzerreißend schön. Dazu passt auch diese immer etwas leicht gebrochene Stimme Ortegas. Das anschließende „ I Want You“ ist sicherlich das passende inhaltliche und musikalische Gegenstück dazu.

Lindi Ortegas Songtexte sind meist sehr bildgewaltig, besonders wenn das Melancholische wie bei „This Is Not Surreal“ durchbricht. Man kann sich der Faszination ihrer Songs kaum entziehen. Lindi Ortega ist die Chansonnière unter den Countrysängerinnen, die in all ihren Songs eine unheimliche Spannung aufbaut und bis zum Ende jedes einzelnen Songs durchhält. Songs wie „Something For You“ erzeugen aufgrund der Intensität von Ortegas Stimme Gänsehaut. „All These Cats“, in dem es Lindi Ortega all ihren Kritikern zeigt, strotzt nur so voller kraftvoller Energie. Und wenn sie davon singt, dass sie weiterhin ihren Weg verfolgen wird, möchte man sie in ihrem Bestreben unbedingt kräftig unterstützen. Vor allem wenn man sich dann auch den nachfolgenden Titel „Waitin´ On My Luck To Change“ anhört, der so herrlich old fashioned traditionell ist. Mit dem fast schon gospelhaften „Songs About“ schließt das Album.

Man kann sich im Grunde der Faszination der kanadischen und jetzt in Nashville lebenden Sängerin kaum entziehen. „Tin Star“ ist erneut ein intensives Hörerlebnis, das man selbst erfahren muss. Zwischen all den in der Nashville-Musikindustrie auf Charterfolg produzierten Alben ist „Tin Star“, das sich Lindi Ortega von dem Grammy nominierten Dave Cobb (Jamey Johnson, Secret Sisters, Shooter Jennings) produzieren ließ, so erfrischend anders. Absolute Kaufempfehlung!

Andreas Hilgart

 

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