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Brandy Clark: 12 Stories (Album des Monats)

By Andreas Hilgart — Februar 08, 2014

(VÖ: 22. Oktober 2013; Slate Creek Records; US-Import)

Titelliste: 1. Pray To Jesus; 2. Crazy Women; 3. What’ll Keep Me Out of Heaven; 4. Get High; 5. Hold My Hand; 6 Stripes; 7. In Some Corner; 8. Take A Little Pill; 9. Hungover; 10. Illegitimate Children; 11. The Day She Got Divorced; 12. Just Like Him

Brandy Clark gehört momentan wohl zur ersten Adresse unter den Songwriter und Songwriterinnen in der Music Row in Nashville. Von Reba McEntire angefangen, über Miranda Lambert, LeAnn Rimes, Gretchen Wilson, Keith Urban bis hin zu Sheryl Crow, die Liste der Countrystars, die mindestens einen Titel aufgenommen haben, bei denen Brandy Clark zumindest als Co-Autorin mitgewirkt hat, ist lang. Zusammen im Team mit Shane McAnally und Kacey Musgraves schrieb sie für Miranda Lambert den Erfolgstitel „Mama´s Broken Heart“. Für Kacey Musgraves, erst mit dem Grammy ausgezeichneten Album „Same Trailer Different Park“, brachte sie sich bei zwei Titeln („Dandelion“, „Follow Your Arrow“) als Co-Autorin mit ein. Und schließlich schrieb sie dann auch noch an dem Nummer Eins – Erfolg der Band Perry, „Better Dig Two“, zusammen mit ihrem bewährten Schreibpartner Shane McAnally mit.

Im Oktober letzten Jahres brachte die Ausnahmekünstlerin endlich auch selbst nun bei einem Independent-Label ihr Debütalbum heraus, das es bei uns leider nur als Import aus den Staaten gibt. „12 Stories“ enthält auch drei Titel („Pray To Jesus“, „Stripes“ und „Take A Little Pill“) einer im Jahr zuvor nur als Download veröffentlichten EP. Anhand dieser drei Titel ließ sich ja schon erkennen, dass Brandy Clark nicht nur ein Songwriter-Genie, sondern auch eine überaus talentierte Sängerin ist.

12 Stories Cover„12 Stories“, zwölf unterschiedliche Geschichten sind es, die Brandy Clark auf ihrem Album in musikalisch äußerst abwechslungsreichen Songs erzählt. „Pray To Jesus“ handelt von Menschen aus der Arbeiterschicht, die von einem Gehaltszettel zum nächsten leben und sich nie aus diesem System befreien können. Die einzige Möglichkeit bzw. Hoffnung, sich aus dieser Eintönigkeit des Lebens zu befreien, wäre ein Lottogewinn. „Crazy Women“ kennt man vielleicht in der Version von LeAnn Rimes, zu finden auf deren Album „Lady & Gentlemen“. Brandy Clarks Version mit Bluesharp und Slide-Gitarre ist dagegen blueslastiger und durch Brandys warme Stimmfärbung auch weitaus angenehmer zu hören.

„What´ll Keep Me Out Of Heaven“ ist eine wunderschöne Ballade. Die Protagonistin in diesem Song befindet sich in dem Zwiespalt, ob sie sich auf eine Affäre mit einem ihr noch recht unbekannten Mann einlassen soll, der sie im zehnten Stock mit Champagner erwarten würde.

„Get High“ zeigt deutlich Brandys Art von Humor. Der Song handelt von einer Frau, die ihren Job hasst, ihre Kinder liebt, aber von ihrem Mann gelangweilt ist. Was macht sie in dieser Situation? Sie setzt sich in die Küche und rollt sich einen Joint. Fazit des Songs: „Sometimes the only way to get by is to get high“.

Es folgt mit „Hold My Hand“ eine weitere von Brandy Clarks so wunderschönen Balladen. Musik zum Dahinschmelzen!

Dass die Singer/Songwriterin ein Sinn für wirklich schwarzen Humor hat, beweist der Song „Stripes“. Eine Frau erschießt ihren untreuen Ehemann und muss natürlich dafür ins Gefängnis. Dumm gelaufen für die Protagonistin, denn sie hasst Streifen und ist der Meinung, dass ihr die Farbe Orange nicht stehen würde. Am Ende des Songs schließt sich dann aber der Riegel der Gefängnistür. Langsam lässt sich erahnen, woher manche ironischen Anklänge auf Kacey Musgraves Album stammen könnten.

„In Some Corner“ spielt spätabends in einer einsamen Bar. Dazu passt dann auch das zunächst dominierende Piano, bis schließlich ebenfalls zu dieser Stimmung passend die Pedal Steel einsetzt.

„Take A Little Pill“, von dem Brandy Clark selbst sagt, dass es das zentrale Stück des Albums sei, handelt von den Ursachen und den Folgen des Missbrauchs von Medikamenten. Die Songs des Albums sind nicht nur musikalisch ein Hochgenuss, sondern auch inhaltlich intelligent geschrieben.

„Hungover“ zeigt z. B. eine starke Frau, die den Haushalt schmeißt und ihr Leben in den Griff bekommt, während der Mann ständig total verkatert rumhängt. Brandy Clark ist eine Erzählerin, der man gerne zuhört, so auch im nächsten Song: „Illegitimate Children“. Hier schildert Clark auf eine sehr humorvolle Art, wie es zu unehelichen Kindern kommt. Sehr ironisch startet der Song auch mit den Tönen einer Spieluhr, die die scheinbare Geborgenheit einer Kindheit vermittelt.

„The Day She Got Divorced“ ist ein weiterer Titel, den man bereits in der Interpretation einer anderen Künstlerin kennt. Er ist nämlich auch auf Reba McEntires 2010 erschienenem Album „All The Woman I Am“ zu finden. Dennoch ist es sehr interessant, sich diesen Song auch einmal in der Version der Songwriterin anzuhören. Das musikalische Arrangement ist hier wesentlich minimalistischer und vielleicht wirkt dadurch der Song auch ausdrucksstärker. „Just Like Him“ ist zum Abschluss noch einmal eine dieser so traurig-schönen Balladen.

„12 Stories“ ist ein Album, das mich bereits beim ersten Hören gepackt hat und von dem ich nicht mehr loskomme. Es hat absolute Suchtgefahr – musikalisch wie inhaltlich. Intelligent und äußerst abwechslungsreich geschriebene Songs, die sich von der momentanen Country-Chartware deutlich abheben. Ein Album, das zudem hervorragend produziert und arrangiert wurde – u. a. mit Vince Gill im Backgroundgesang. Dazu kommt dann noch Brandys angenehme und sehr ausdrucksstarke Stimme. „12 Stories“ ist ein Album, das im Grunde jeder Countrymusikfan im Regal stehen haben sollte – direkt neben Johnny Cash, Merle Haggard, Loretta Lynn, Willie Nelson, Tammy Wynette oder George Jones. Absolute Kaufempfehlung! Album des Monats!

Andreas Hilgart

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