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Michael Hurtt & His Haunted Hearts

By Andrea Weber — Dezember 28, 2013

27. Dezember 2013 Goldenes Fass, Basel, Schweiz

Web-Seite: https://myspace.com/hauntedhearts

Als Michael Hurtt erstmals zur Gitarre griff und sich an Akkorden probierte, nahm er auch zum ersten Mal einen Griffel zur Hand und liess sich über die verzweigte Strassenkarte der amerikanischen Musik-Mythologie aus.
Als Komponist, Musiker, Forscher und kultureller Archäologe widmet er sein Interesse seit langem Künstlern, Produzenten, Plattenlabeln und Musikszenen, welche die Welt einst in Aufruhr versetzten und hernach durch die Ritzen revisionistischer Geschichtsschreibung fielen. Da er genauso viel Inspiration aus seinen literarischen wie musikalische Helden entnimmt, schreibt er mit einer Kraft, die so sehr unterhält, wie sie Freude bereitet. Zu seinen Arbeiten gehört u.a. ein Buch über Detroit’s erstaunliches Fortune Records Label.

Obwohl er seit Hurrikan Kathrina in Detroit lebt, glaubt Michael Hurtt, dass man mit New Orleans nie durch ist.
Er selbst beschreibt seinen Stil als Hillbilly/Honky Tonk/Blues. Gemäss Michael handelt es sich am ehesten um eine Art Country & Western Musik, die er mit Elementen des Blues und R&B kombiniert, wie sie damals in der Rock’n’Roll Ära existierten.
Doch das ist Mr. Hurtt nicht genug. Er zählt auch zu den Gründungsmitgliedern des Ponderosa Stomp, einem 2-tägigen Musik- und Film-Festival, das jeweils im September in New Orleans stattfindet.

Michael’s Band besteht aus dem Gitarristen J.D. Mark, der gegenwärtig in Mississippi lebt, dem Steel- bwz. elektrischen Gitarristent/Banjo Spieler Mitch Palmer und dem Kontrabass-Spieler John Trahey. Bei seinem Konzert in der Schweiz war auch ein Schlagzeuger mit von der Partie.

Als ein Interviewer fragte, was ein Zuschauer von der Band zu erwarten hatte, meinte Michael: ‚Wir formierten uns, weil wir uns auf die New Orleans Hillbilly Musik fokussiert haben. Diese war in den 40ern und 50er Jahren ziemlich mächtig. Heute ist sie beinahe unsichtbar geworden. Und wir möchten, dass die Leute tanzen.

Soviel zu Michael Hurtt.

Ich selber besitze seit ungefähr 2 Jahren seine CD „Come back to Louisiana“, über die ich bei einer CD Rezession stolperte. Und hängenblieb. Nicht nur, dass ich den Gesang faszinierend finde, auch wenn er alleine singt: Der Sound ist genau mein Ding. Also nichts wie hin, nach Weihnachten, nach Basel.
Das Restaurant war leicht zu finden. In der Nähe befand sich sogar ein Parkhaus. Das Gebäude erwies sich als alter Bau. Im unteren Teil mit Bar und Restaurant, oben befindet sich das ‚kleine Sääli‘. Und klein war das in der Tat. Eine Zumutung, um ehrlich zu sein. Auch das Michael’s Name falsch geschrieben war, fand ich peinlich. Bei unserem Eintreffen waren die wenigen Stühle besetzt. Also blieb uns nur ein Stehplatz. Von 22 Uhr bis ca. 02.00 Uhr. Mühsam, im vollbesetzen Raum, mit lediglich einem riesigen Radiator an der Wand und unzähligen Rauchern. Die Show eröffnete ein Gitarrist um ca. 22.15 Uhr. Nun. Die Stücke, die ich NICHT kannte, gingen. Diejenige, die mir bekannt waren, auf die hätte ich verzichten können. Ich LIEBE Eddie Cochran und lasse aus ihm keine Schlafpille machen. Dasselbe gilt für Fats Domino. Elvis ist mir zwar egal, doch „In the Ghetto“ mochte ich immer…bis ich’s gestern hörte.

Michael sass bei unserem Eintreffen, umrahmt von einer Clique, am Tisch. Also keine Berührungsängste. Vor allem, was das weibliche Geschlecht anbetrifft.

Als er die Show eröffnete, zeigte sich schnell, wie einnehmend sein Sound auf all die neutralen Leute war (von ‚uns‘, d.h. Rockabilly-, Country- oder Hillbilly Fans war höchstens eine Handvoll erscheinen. Ich hoffe, mein Begleiter hatte recht und sie befinden sich entweder in den Ferien oder waren an einem der anderen Konzerte. Ich befürchte eher, ihnen ist über Weihnachten der gute Geschmack abhanden gekommen).

Von Anfang an war ihn das Publikum verfallen. Doch auch bei den übrigen Bandmitgliedern war weder Schwäche, noch Ermüdung auszumachen. Der Bassist ging ab, der Steel-Gitarrist klang wie anno dazumal. Vor allem, wenn er zur Gitarre wechselte, gefielen mir sein Fingerpicking. Selbst der Schlagzeuger war ganz nach meinem Geschmack: Er hielt sich gekonnt zurück. All die Stücke meiner CD wurden vorgetragen. Wobei sie nicht so stark sind, wie der Rest, den wir hörten. Zu verdanken war der starke Auftritt nicht nur Michael’s einzigartigem Gesang, sondern auch dem gelegentlichen Griff zu Perkussionsinstrumenten. Unter den besten Nummern war für mich sicherlich der „North Poole Boogie“ (Original: Billy Briggs. Hier: http://www.youtube.com/watch?v=mbSC-sadaUE) genauso wie „I wish I had a Xmas tree“ (hier: http://www.youtube.com/watch?v=L8_G-b_RDD8). Nett, dass sich Michael auf die Jahreszeit einstellte.
Irgendwann, in der Mitte der Show, hatte der Mann dann das Gefühl, die Rockabilly-Fans verwöhnen zu müssen. Hernach brachte er praktisch nur noch Titel im Stil seiner Weihnachtslieder. Am besten gefallen hat mir „Little Crawfish“ doch auch „Little Tornado“ (hier: http://www.youtube.com/watch?v=WzbHcOmyP18) war nicht ohne. Wobei mir erst bei ‚Little Crawfish“ auffiel, was ich im Vorfeld bemängelte: Michael singt stets alleine. Bei letztgenannter Nummer liess er sich gesanglich vom Bassisten begleiten. Was dem Titel einen ganz besonderen Reiz verschaffte…….dem das Publikum verfiel, denn es flippte noch mehr aus. Selbst das eigenständige „Swamp Gal“ kam an, obwohl es sich um einen ganz speziellen Titel handelt, den ich nicht gerade oberflächlich finde. Zu hören ist das Stück hier:  http://www.youtube.com/watch?v=611irc5Vl5w

Nun. Irgendwann wollte der gute Mann aufhören. Es war auch schon früh. Doch das Publikum war anderer Ansicht. „One more song“ meinte Michael. „One more set“ ein Zuschauer. Genau meine Meinung. Und auch Michael’s, nachdem er sich höflicherweise beim Veranstalter erkundigte, ob es möglich sei, noch etwas vorzutragen. War’s. Und weiter ging’s. Im Michael-Hurtt Stil durch das mittlerweile unglaublich stickig gewordene Sääli.

Mr. Hurtt brachte aber nicht nur seine Musik mit. Er überraschte das Publikum mit vielen Singles, CD’s, sogar LP’s. Ich hoffe, er hat viele davon verkaufen können. Mitgekriegt haben wir’s nicht mehr. Denn mein Kreislauf brach ob dem Rauch (eher den Joints) zusammen. Mir war grottenschlecht. So konnten wir nicht mehr bei Michael anstehen, ihm für die Show danken und mit Begeisterung seine Weihnachts-EP kaufen. Schade. Sowas dürfte auch nicht im Sinn des Veranstalters, geschweige denn im Interesse des Künstlers sein. Denn ganz ehrlich: Ich hätte ihm alles abgekauft, was ich noch nicht besass.

Denn: Michael Hurtt & seine Haunted Hearts machten für mich das beste Konzert des Jahres 2013. Und wir haben viele Bands gesehen. Und keine Schlechten.

Schade, ist es schon vorbei. Aber wir sehen Dich ja wieder, Mr. Hurtt, nicht wahr? Am 18. Januar 2014 in Zürich. Flyer unter: http://www.rockabilly.ch/Gigs/Shakedown_Jan14_FRONT.jpg

Allen, die nach Stuttgart fahren, um den Ausnahme-Künstler an Silvester geniessen zu können, wünsche ich viel Vergnügen.
Infos zum Anlass unter: http://www.letsgetwild-festival.com/

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