728 X 90

George Strait: Love Is Everything (VÖ: 14. Mai 2013; Mercury Nashville/Universal; erhältlich auch als Download bei iTunes und amazon)

By Andreas Hilgart — Mai 08, 2013

Der König ist zurück mit seinem neuen, mittlerweile 38. Album „Love Is Everything“. 13 Songs, von denen George Strait wirklich jeden einzelnen davon als Single auskoppeln könnte. Swingender Honky Tonk und so traumhaft schöne Honky Tonk-Balladen. Ja, auf George Strait – „King George“ – ist Verlass, wenn es um gute Countrymusik geht.

George als der Geschichtenerzähler gleich im ersten Song („I Got A Car“). Ein Mann lernt eine Frau kennen, die, so scheint es, vor irgendetwas in ihrem Leben fliehen möchte. Und er besitzt etwas, weshalb sie mit ihm mitgeht: Er hat ein Auto. Die Geschichte, die zunächst so unbeschwert leicht – auch musikalisch – begann, nimmt dann aber eine Wendung, als sich beide irgendwann in einem Krankenhaus wiederfinden und sich eine für sie schlechte Diagnose ankündigt. Da fällt dann plötzlich auch der Regen und es setzt dramatisch das große Streichorchester ein. Das ist einfach Countrymusik, die zu Herzen geht.

George Strait Love Is Everything Cover„Give It All We Got Tonight“, u. a. geschrieben von dem Hit-Songwriter Mark Bright (Carrie Underwood, Rascal Flatts, Reba McEntire oder Sara Evans) konnte sich bereits als Vorabsingle in den US-Country-Billboard-Charts platzieren. George Strait bleibt aber auch hier seinem neoklassischem Stil treu und der Countryfan kann sich auch hier an der Instrumentierung mit Fiddle, Akustik-Gitarre oder Pedal Steel Guitar erfreuen.

„Blue Melodies“ beschäftigt sich dann mit der schwierigen Aufgabe, der Frau, die man vielleicht verletzt hat, einen Song zu schreiben. Es muss sich dabei natürlich um einen traurigen Song handeln, denn sie war ja immer empfänglich für diese traurigen Songs, in der dann auch die Pedal Steel so schön weint. Die Fiddle und George Straits samtweicher Bariton unterstreichen dann noch diese Traurigkeit. Im Grunde hat jeder Song des Albums auch das Potential zu einem zukünftigen Countryklassiker Marke George Strait.

In dieser traurigen Stimmung bleibt „I Just Can´t Go On Dying Like This“, den der Meister selbst geschrieben hat. Klassischer Country mit Gänsehautfaktor, wenn dann hier auch gleich zu Beginn die Streicher einsetzen. Da steckt so richtig viel Herzschmerz in diesem Song. Das ist Countrymusik zum Dahinschmelzen.

Sehr flott wird es dann im Gegensatz dazu wieder mit dem nächsten Titel „I Thought I Heard My Heart Sing“, fröhlicher und rhythmischer Western Swing, bei dem man gleich mittanzen möchte.

Um das Thema der gebrochenen Herzen geht es aber wieder in den nächsten beiden Songs. Herzschmerz liefert hier den Stoff für so wunderschöne Titel wie den Midtempo-Song „That´s What Breaking Hearts Do“, komponiert von George Strait und seinem Sohn Bubba. Sich wieder neu verlieben, nachdem einem das Herz gebrochen wurde, wird in „When Love Comes Around Again“ thematisiert. Songs direkt aus dem Leben gegriffen. So schwört man sich nach einer Enttäuschung, sich niemals mehr zu verlieben, bis man da einem Lächeln begegnet, das einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Wer bei diesem Song mit Straits wunderbarer Baritonstimme und dieser wunderschönen Melodie nichts verspürt, war entweder noch nie unglücklich verliebt oder hat vielleicht kein Herz. Ein Song – zum Weinen schön.

Strait holt uns mit „The Night Is Young“ dann aber aus dieser etwas sentimental melancholischen Stimmung wieder heraus. Ein typisches Thema in Countrysongs: Das Abfeiern am Freitagabend, wenn das Wochenende naht. Der von George und Bubba Strait sowie von Dean Dillon (George Strait, Toby Keith, Kenny Chesney) geschriebene Song macht auch musikalisch richtig gute Laune. Fröhlich, bluesig, jazzig – das swingt.

Hitcharakter lässt sich dann auch bei dem wieder etwas langsameren Song „Sittin´ On The Fence“ erkennen, in dem es um die Unentschlossenheit geht, eine scheinbar perfekte Frau für sich zu gewinnen oder sie gehen zu lassen.

Eine zu Herzen gehende Ballade mit Piano und großem Streichorchester ist der ebenfalls von dem Songwriter-Team George und Bubba Strait sowie Dean Dillon geschriebene Titel „I Believe“. Das ist richtig großes Kino. Im Grunde könnte dann eigentlich der nachfolgende Titel „Love Is Everything“ als Motto für das gesamte Album dienen.

Eine richtig schöne Geschichte, wie sie eigentlich nur in den Honky Tonk-Bars geschrieben werden kann, erzählt George Strait in „You Don´t Know What You´re Missing“. Als Autoren des Songs werden hier Al Anderson und der in Countrykreisen bekannte Chris Stapleton (George Strait, Kenny Chesney, Luke Bryan oder Darius Rucker) aufgeführt. Schauplatz ist eine Bar, in der zwei Männer bei einem Whiskey sitzen. Einer der beiden Männer lamentiert und nörgelt über die Kleinigkeiten seines Lebens, der andere sagt zunächst nichts – er schweigt, bis er dann auf einmal sein Glas Whiskey abstellt und seinem Gegenüber erklärt, dass dieser es nicht wisse, wie es sei, wirklich allein zu sein. Er belehrt ihn: „Du weißt nicht, was du vermisst, bis es dann aus deinem Leben verschwunden ist.“ Schließlich gibt er dem Nörgler dann auch zu verstehen, dass er die Konversation mit ihm nun beenden möchte.

„When The Credits Roll“ wurde als letzter Titel gewählt, um dieses wunderbare Album zu beenden. Ein Rückblick auf das Leben und am Ende folgt der Abspann. Seine Farewell-Tour hat Strait ja bereits angekündigt. Nach der im Januar 2013 gestarteten „Cowboy Rides Away Tour“ will er nur noch vereinzelt auftreten und vorwiegend im Studio arbeiten. Es bleibt in diesem Zusammenhang dann doch etwas Wehmut, aber auch die Hoffnung, dass der Schlusssong nicht bedeutet, dass es der Abspann in Straits Karriere als Sänger, Songwriter und Musiker sein wird.

Ja, George Strait läuft in dem vom Country-Urgestein und Ex-MCA-Nashville-Präsidenten Tony Brown produzierten Album zur Höchstform auf. Jeder Song des Albums, wirklich ohne Ausnahme, ein potentieller Hit. Jedem Countryfan wird beim Hören des Albums das Herz höher schlagen. „Love Is Everything“ ist ein so wunderbares Album, das für mich jetzt bereits zu den zukünftigen Klassikern des Genres zu zählen ist. Natürlich eine absolute Kaufempfehlung.

Trackliste: 1. I Got A Car, 2. Give It All We Got Tonight, 3. Blue Melodies, 4. I Just Can´t Go On Dying Like This, 5. I Thought I Heard My Heart Sing, 6. That´s What Breaking Hearts Do, 7. When Love Comes Around Again, 8. The Night Is Young, 9. Sittin´ On The Fence, 10. I Believe, 11. Love Is Everything, 12. You Don´t Know What You´re Missing, 13. When The Credits Roll

Andreas Hilgart

Leave A Reply

css.php