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The Band Perry: Pioneer (VÖ: 23. April 2013; Republic Nashville/Universal; erhältlich auch als Download bei iTunes und amazon)

By Andreas Hilgart — Mai 05, 2013

Scheinbar aus dem Nichts tauchte 2010 das Trio The Band Perry, bestehend aus den Geschwistern Kimberley, Neil und Reid Perry, auf und hielt sich mit ihrem Debütalbum mehrere Monate auf den vorderen Plätzen der Charts. Für den Nachfolger „Pioneer“ ließen sich die Geschwister aus Tennessee nun ganze drei Jahre Zeit, aber das Warten hat sich mehr als gelohnt. Mit ihrem zweiten Album ist den Perrys ein perfektes Countryrock-Album gelungen – allerdings dieses Mal mit etwas weniger Country als Rock.

Die Produktion von „Pioneer“ begannen Kimberley, Reid und Neil zunächst mit dem Americana-Altmeister Rick Rubin und beendeten sie mit dem Hit-Produzenten Dan Huff (Taylor Swift, Michael Jackson, Rascal Flatts, Mariah Carey u. v. a.). Klanglich erinnert das Album dieses Mal stark an den Rock der 1970er und 1980er Jahre. Neun der zwölf Albumtracks haben die Perry-Geschwister mit komponiert. Einen Vorgeschmack, was von dem neuen Album zu erwarten war, gab ja bereits die Vorab-Single „Better Dig Two“, gitarrenlastiger als der Vorgänger, wobei aber immer noch typische Countryinstrumente wie Banjo, Mandoline, Dobro oder Fiddle für den Basissound sorgen. Kimberley in den Leadvocals und ein voller Backgroundgesang komplettieren den breit angelegten Rocksound.

The Band Perry_PioneerDas Gefühl des Verlustes bzw. das Thema Trennungen ist das Hauptthema der zwölf Songs. So auch bei der aktuellen Single „Done“, wo die Protagonistin des Songs ihren egoistischen Ex-Freund in den Wind schießt und mit ihm abrechnet. Man hat das Gefühl, dass Kimberley und ihre Brüder zum Vorgängeralbum noch einen Zahn zugelegt haben. Etwas ruhiger wird es dann bei dem Song „Don´t Let Me Be Lonely“ – einer sich steigernden Midtempo-Rocknummer, an dem auch unter anderem Sarah Buxton mitgeschrieben hat. Das Album lebt von Kimberleys Stimme und einem starken Backgroundgesang, der von Kimberleys Brüdern getragen wird.

Es folgt der fast schon hymnenartige Titelsong des Albums. The Band Perry bewegen sich musikalisch zwischen Fleetwood Mac und Queen, wobei „Forever Mine Nevermind“ die Einflüsse von Queen am deutlichsten spüren lässt. Brad Paisley, der hier den Gitarrenpart übernommen hat, sorgt für einen Gitarrensound a la Brian May. Mit dem Einfluss von Rockgruppen aus den 1970ern und 1980ern sorgen die Perrys für einen Sound, von dem man, wenn man in dieser Zeit groß geworden ist, nicht genug kriegen kann. „Night Gone Wasted“ erinnert gar an die britischen Glamour-Glitter-Rockbands wie Slade. Im Countryrock scheint man im Moment, wenn man aus der Generation Ü30 bzw. Ü40 stammt, mittlerweile genau diesen Gitarrensound aus der Kindheit und Jugend wiederzufinden. Diese Brit-Rock oder Brit-Pop-Einflüsse treffen nun wie bei „I Saw A Light“ auf Folkklänge.

Nach der eher ruhigen Liebes- und Dankeserklärung an die Mutter („Mother Like Mine“) wird es mit „Chainsaw“, wie der Titel – „Kettensäge“ – schon vermuten lässt, wieder sehr rockig. Inhaltlich wird in dem Song der Baum mit der Kettensäge gefällt, in dem man in einer Zeit der Verliebtheit die Namen und Amors Pfeil geritzt hat.

Kimberley, Reid und Neil verwenden in ihren Texten eine Sprache, die auch geprägt ist von Metaphern wie bei „I´m A Keeper“.

„Back To Me Without You“ ist dann eine wunderschöne Rockballade. In diesem eher langsamen Tempo bleibt auch „End Of Time“, der noch einmal die Songwriterqualitäten des Trios sowie die stimmlichen Qualitäten der Leadsängerin Kimberley Perry unterstreicht.

„Pioneer“ ist ein großartiges Countryrockalbum, das mit der Betonung auf Rock sicherlich Maßstäbe im Bereich des Countryrock setzt. Jeder Song des Albums hat einen eigenen Charakter, bleibt unverwechselbar, weshalb jeder der zwölf Songs auch im Ohr bleibt. Ein Album, an dem man sich nicht satt hören kann. Zu Recht eroberte das Album mittlerweile wie der Vorgänger die Billboard-Country-Album Charts. Absolute Kaufempfehlung!

Trackliste: 1. Better Dig Two, 2. Done, 3. Don´t Let Me Be Lonely, 4. Pioneer, 5. Forever Mine Nevermind, 6. Night Gone Wasted, 7. I Saw A Light, 8. Mother Like Mine, 9. Chainsaw, 10. I´m A Keeper, 11. Back To Me Without You, 12. End Of Time

Andreas Hilgart

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